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Wechsel im Haus

Die Lebenshilfe hat einen neuen Geschäftsführer

Tuttlingen / Lesedauer: 4 min

Kehrt bei der Lebenshilfe nun wieder Ruhe ein? Der bisherige Vorsitzende des Verwaltungsrats übernimmt nun selbst die Führungsposition.
Veröffentlicht:13.04.2023, 17:08

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Frank–Karsten Willer hat zum 1. April die kaufmännische Leitung bei der Tuttlinger Lebenshilfe übernommen. Bislang war er Vorsitzender des Verwaltungsrats — der erst vor vier Monaten die Kündigung des vorherigen Geschäftsführers beschloss. Nun übernimmt der 55–Jährige selbst eine Führungsposition. Ein weiterer Geschäftsführer für den pädagogischen Bereich soll gesucht werden.

Willer ergänzt das Führungsteam mit Reiner Büchin (Wohnbereichsleitung und pädagogischer Bereich) und Ronald Faude (technischer Bereich), teilt die Lebenshilfe, die sich im Landkreis Tuttlingen um Menschen mit Behinderungen kümmert, auf Nachfrage schriftlich mit.

Seit 2014 war der 55–Jährige als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Lebenshilfe tätig — das gleiche Gremium, das Ende vergangenen Jahres entschied, dem bisherigen Geschäftsführer, Martin ten Bosch, zu kündigen.

Als Vorstand bei der Volksbank in Tuttlingen

Für seine neue Aufgabe bringt Willer einige Erfahrung mit: Nachdem er in Tuttlingen einst Abitur und Ausbildung absolvierte, arbeitete der Diplom–Betriebwirt viele Jahre bei Banken. Von 2014 bis 2019 war Willer im Vorstand der Volksbank Schwarzwald–Donau–Neckar in Tuttlingen tätig, zuletzt war er Vorstand der Raiffeisenbank Baiertal bei Wiesloch.

Der Verwaltungsrat der Lebenshilfe, der den 55–Jährigen nun aus seinen eigenen Reihen wählte, setzt jedenfalls auf Willers Kompetenzen. Er kenne sich bereits aus und sei mit den Geschäften und Abläufen der Lebenshilfe vertraut, hieß es sowohl von Mitgliedern des Verwaltungsrats als auch aus Reihen der Lebenshilfe–Verwaltung.

Willer möchte sich nicht weiter äußern

Willer betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass schon vor ten Boschs Kündigung im vergangenen November festgestanden sei, dass er als Geschäftsführer dazustoßen werde. Das Konzept sehe sowohl einen Geschäftsführer für den pädagogischen als auch für den kaufmännischen Bereich vor.

Weiter wollte sich der 55–Jährige nicht äußern. „Es kommt keinem zugute, wenn wir uns nun mit Herrn ten Bosch über die Zeitung austragen“, sagte er. Keinen Zusammenhang gäbe es jedenfalls zwischen den aktuellen Projekten der Lebenshilfe und seinem Wechsel in die Geschäftsführung.

Mit den aktuellen Projekten gemeint ist vor allem der Bau des neuen Wohnheims. Der große Neubau, der in Anlehnung an die Hermle–Stiftung auf den Namen Birgitta–Hermle–Haus getauft wird, liege im Zeitplan, betont Willer. „Momentan wird die Bodenplatte betoniert. Ein Kran ist bereits voll im Einsatz und in den nächsten Tagen soll der zweite Kran gestellt werden“, berichtet er. Für den 25. April ist der Spatenstich geplant.

Kosten des Neubaus seien gestiegen

Doch Unstimmigkeiten gab es wohl im Bereich der Finanzierung. Wie Ex–Geschäftsführer Martin ten Bosch im Gespräch mit unserer Zeitung nun berichtet, sei auf Wunsch des Verwaltungsrats eine Bauconsultingfirma mit ins Boot geholt worden. In der Folge dessen seien die Kosten des Neubaus von rund 12,5 Millionen Euro auf mehr als 17 Millionen Euro gestiegen.

Für ten Bosch zu viel, denn neben einer Spende von der Hermle–Stiftung muss der größte Teil davon fremdfinanziert werden. „So gab es Fragestellungen über die Finanzierung des großen Bauvorhabens“, erklärt er, wie es zum finalen Zerwürfnis zwischen ihm und dem Verwaltungsrat gekommen sei. Er selbst sei pädagogischer Vorstand und kein kaufmännischer gewesen. Dennoch habe er die Kalkulationen gemacht, „obwohl das nicht mein Aufgabengebiet war“.

Im Gegenzug berichtet ein Mitglied des Verwaltungsrats, dass ten Bosch dem Gremium nötige Unterlagen zur Baufinanzierung über mehrere Monate nicht vorgelegt habe. „Irgendwann einmal hat man dann mal die Reißleine gezogen“, so der Mann. Wie das dann geschah, daran übt wiederum ten Bosch heftige Kritik: „Das war unterirdisch“, sagt er. Es habe kein Gespräch mehr gegeben. Dass die Kündigung auf dem Weg zu ihm sei, habe man ihm per SMS mitgeteilt. „Ich hätte mir gewünscht, dass man mit offenen Karten spielt“, sagt er. Seit 1. Februar arbeitet ten Bosch nun als Geschäftsführer für die Lebenshilfe in Villingen–Schwenningen.

Hannes Egle rückt nach

Den freigewordenen Vorsitz im Verwaltungsrat wird in Zukunft Hannes Egle übernehmen, der in Tuttlingen eine Apotheke betreibt.