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155.000-Euro-Gerät

Kugelsicherer Blitzer wehrt sich gegen Attacken

Tuttlingen / Lesedauer: 2 min

Immer wieder lassen Autofahrer und Randalierer ihrer Wut freien Lauf. Doch dann passiert etwas, mit dem sie vielleicht nicht gerechnet haben.
Veröffentlicht:10.02.2024, 05:00

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Autsch - das wird teuer. Wer zu schnell im Straßenverkehr unterwegs ist und erwischt wird, zahlt leicht Bußgelder zwischen 40 und 60 Euro. Wer superschnell war, sogar mehrere Hundert Euro. Das stinkt manchen Autofahrern offenbar so, dass sie ihre Wut abreagieren wollen. Nun musste Tuttlingens Superblitzer daran glauben. Doch der hat sich erfolgreich gewehrt.

Das Innenleben ist gut geschützt

Schon zweimal haben Unbekannte versucht, den sogenannten „Enforcement Trailer“, ein Blitzergerät, das wie ein Autoanhänger getarnt ist, mit Sprühfarbe auszuknocken. Zuletzt vor zwei bis drei Wochen, wie Benjamin Hirsch, Fachbereichsleiter Bürgerdienste und Bevölkerungsschutz bei der Stadt, sagt.

Keine Chance! Schon bei der Anschaffung des Geräts für Kosten von 155.000 Euro wurde darauf hingewiesen, dass der Blitzer nicht nur messgenau, sondern auch vandalismussicher ist. Das Gehäuse ist äußerst stabil, sogar schusssicher. Dadurch sei die Technik im Inneren gut geschützt.

Du trittst - ich filme!

Bei versuchter Beschädigung löst die Kamera automatisch aus. So, wie vor wenigen Wochen, als der Trailer - in einem Tuttlinger Wohngebiet abgestellt - mit Sprühfarbe zugenebelt wurde. Der Blitzeranhänger hat die Tat gefilmt, ebenso wie zuvor, als das schon einmal vorgekommen ist.

Auch wütende Tritte hat er bereits abbekommen, ebenso wie Spuckattacken. Durch das Auslösen der Kamera weiß auch die Stadt immer zeitnah, wenn etwas vorgefallen ist und kann umgehend reagieren.

Umgehend wieder einsetzbar

In diesem Fall wurde die Farbe mit speziellen Reinigungsmitteln abgewaschen, das Gerät war innerhalb weniger Tage wieder einsatzbereit. Und diejenigen, die ihn zugesprüht haben, sind gut zu erkennen gewesen, wenn auch (noch) nicht identifizierbar, wie Hirsch sagt. Die Stadt hat Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

In Villingen-Schwenningen gab es 2020 den Fall, dass der Blitzeranhänger nach einem Brandanschlag zunächst außer Betrieb war. Doch durch die eingebaute Feuerlöschanlage wurde das Innenleben geschützt - und die Daten der Überwachungskamera dennoch direkt und drahtlos in die Bußgeldstelle übertragen. Ums Bußgeld kam also keiner der Verkehrssünder herum.

Unbekannte brechen das Gerät auf

Die Blitzersäule an der Theodor-Heuss-Allee (B14) in Tuttlingen musste auch schon dran glauben. Dort haben sich Autofahrer, die mutmaßlich gerne schnell fahren, an der Anlage stadteinwärts bei Burger King die Mühe gemacht, das Gerät aufzubrechen und das Innenleben samt aller Datenauszeichnungen zu klauen. Rund fünf Monate hat es gedauert, bis das Innenleben wieder repariert war. Die Blitztechnik wurde ausgetauscht. Das Gehäuse sowie die Verkabelung sind geblieben.

Schuldfrage? Geklärt!

Jetzt tut sie’s auf jeden Fall wieder. Erst kürzlich wurde dort ein Fahrer festgestellt, der mit mehr als Hundert Sachen unterwegs war. Erlaubt sind 50 km/h. Innerorts macht diese Tempoüberschreitung 560 Euro Verwarngeld, zwei Punkte in Flensburg und zwei Monate Führerscheinentzug.

Da kann man schon mal wütend werden - am meisten auf sich selbst.