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Handwerker mit Leidenschaft

Das ist Deutschlands bester Chirurgiemechaniker 

Tuttlingen / Lesedauer: 3 min

Simon Briel aus Hausen im Tal hat seinen Abschluss bei der Tuttlinger Firma Karl Storz gemacht. Dass er in dem Beruf gelandet ist, hat einen bestimmten Grund.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:00

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Was ein Laryngoskop ist, muss man nicht unbedingt wissen, wenn man nicht gerade HNO-Arzt ist. Simon Briel ist kein Arzt, weiß es trotzdem, und kann sogar noch mehr: ein Laryngoskop selbst anfertigen.

Er bekommt die fertig gefräste Halbschale und den Griff, dann geht es ans Schleifen, Mattieren, Sandstrahlen - bis es bis ins kleinste Detail passt. So etwas können Chirurgiemechaniker, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Und Simon Briel aus Hausen im Tal hat sogar den besten Abschluss bundesweit gemacht.

Die jährlich ausgetragene „Deutsche Meisterschaft im Handwerk - German Craft Skills“ ist der größte Berufswettbewerb Europas. Bewertet wird das Gesellenprüfungsergebnis und eine Arbeitsprobe oder - in Briels Fall - das Gesellenstück. In dem Wettbewerb messen sich 40 Berufe. Die Teilnehmer qualifizieren sich über die praktischen Abschlussnoten ihrer Ausbildung.

Von einem Sieg zum nächsten

Briel war zunächst der beste Chirurgiemechaniker in der Handwerkskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg, gefolgt von Marven Schütze und Ronja Behnke, Kollege und Kollegin aus seinem Betrieb. Briel holte dann auch auf Landesebene den ersten Platz. Dass es sogar im bundesweiten Vergleich gereicht hat, erfuhr er kurze Zeit später. Am 9. Dezember darf er sich seinen Preis in Berlin abholen.

Wir haben viele gute Azubis in unseren Reihen, aber ein Bundessieg ist etwas ganz Besonderes.

Christine Weber

Wobei die größte Konkurrenz im Chirurgiehandwerk ohnehin in der Region Tuttlingen zu Hause ist. Simon Briel hat beim Tuttlinger Medizintechnikunternehmen Karl Storz gelernt, das auf Endoskope spezialisiert ist.

Dass er in dem Beruf gelandet ist, hat seinen Grund: .„Mein Vater hat mich inspiriert“, erzählt er. Dieser sei selbst Chirurgiemechaniker gewesen. „Wir haben zu Hause oft handwerklich gemeinsam getüftelt“, berichtet Briel.

Nach dem Abitur ging es ins Ausland

Nach dem Abitur an der Liebfrauenschule in Sigmaringen ging er dennoch erst einmal ins Ausland, Work & Travel in Neuseeland. Während er unterwegs war, reifte sein Entschluss, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen.

„Mit einer Ausbildung hat man was in der Hand, da kann man drauf aufbauen“, dachte er sich. Er bewarb sich breit und entschied sich schließlich für die Ausbildung bei Storz - auch wegen der Zukunftsperspektiven. Karl Storz agiert weltweit, allein am Stammsitz in Tuttlingen hat die Firma 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Gerade die Präzision hat es Simon Briel angetan, exakte Abmessungen und Funktionsweisen sind bei chirurgischen Instrumenten wichtig.

Bei seiner Abschlussprüfung musste er eine Stanze fertigen, in zwölf Stunden vom Rohmaterial zum fertigen Gerät. „Das war schon sportlich. Ich war froh, als es rum war“, sagt er. „Man darf sich aber nicht zu lange mit den Details aufhalten. Wenn die Stanze am Ende nicht schneidet, fällt man durch.“

Lob von der Ausbildungsleiterin

Ausbildungsleiterin Christine Weber hatte dagegen vollstes Vertrauen in ihren Azubi. Etwa 170 Auszubildende hat die Firma, zwölf Chirurgiemechaniker pro Jahrgang sind darunter.

„Wir haben viele gute Azubis in unseren Reihen, aber ein Bundessieg ist etwas ganz Besonderes“, lobt sie. „Sich in Tuttlingen durchzusetzen, ist schon Wahnsinn - auf Bundesebene ist es dann die Kirsche auf der Sahnehaube.“

Simon Briel mit Ausbildungsleiterin Christine Weber an der Schleifmaschine in der Ausbildungswerkstatt.
Simon Briel mit Ausbildungsleiterin Christine Weber an der Schleifmaschine in der Ausbildungswerkstatt. (Foto: Dorothea Hecht )

Dass Simon Briel sein Handwerk drauf hat, habe sich schon früh in der Ausbildung gezeigt, meint Weber. Nicht nur die Liebe zum Detail zeichne ihn aus, „er weiß auch zu priorisieren - man muss bei dieser Arbeit gut organisiert sein“.

Ein Arbeitsvertrag bei Storz war ihm deshalb sicher, Briel bleibt fürs Erste im Bereich der Operationslaryngoskop-Fertigung - das ist übrigens ein Instrument zur Untersuchung des Kehlkopfes.

Doch das dürfte nicht seine letzte Station sein. Er wolle erst einmal Erfahrungen sammeln, sagt der 24-Jährige. Und dann? Wer weiß, meint Briel, ein Gespräch mit der Personalabteilung stehe demnächst an.