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Außergewöhnliches Jubiläum

70 Jahre verheiratet: Sie fiel ihm schon auf, als sie Kinder waren

Tuttlingen / Lesedauer: 4 min

Irene und Otto Christel feiern am 3. Februar ein seltenes Fest: die Gnadenhochzeit. Das Paar verrät sein Geheimnis für eine lange Ehe.
Veröffentlicht:03.02.2024, 05:00

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Nur wenige Ehepaare dürfen dieses Fest gemeinsam erleben: die Gnadenhochzeit. Irene und Otto Christel aus Tuttlingen feiern am 3. Februar ihren 70. Hochzeitstag.

Turbulente Tage liegen hinter Irene und Otto Christel. So turbulent, dass sie ihren Festtag nur im kleinen Rahmen begehen werden. „Wir gehen mit den Kindern in ein Restaurant, allerdings schon einen Tag früher, da wegen der Fasnacht alles voll ist“, erzählt Irene Christel.

Mit 89 und 95 Jahren noch einmal umziehen

In den Tagen davor waren die beiden 89- und 95-Jährigen umgezogen: Im eigenen Haus vom ersten Stock in die frei gewordene Wohnung im Erdgeschoss. „Wir sind beide nicht mehr gut zu Fuß sind und nun haben wir weniger Treppen“, sagt Irene Christel.

Obwohl ihre Kinder und Enkel tatkräftig mithalfen, hat sie noch einiges vor sich: „In den Schränken und Regalen muss ich noch Ordnung machen, da steht noch nicht alles so, wie es sein soll“, sagt sie schmunzelnd.

Es war eine ganz kleine Hochzeit mit nur neun Personen. Wir hatten ja nichts.

Irene Christel

Als sie und ihr Mann Otto sich 70 Jahre zuvor das Ja-Wort gaben, lebten sie unter völlig anderen Bedingungen. Beide wuchsen in Zeiden in Siebenbürgen auf und kannten sich schon als Kinder. Eine der frühesten Erinnerungen, die Irene Christel an ihren heute 95-jährigen Mann hat, ist, dass er sie neckisch „Hansi“ rief.

Da war sie gerade einmal sechs oder sieben Jahre alt und Otto Christel 12 oder 13. „Hansi“ hieß Irene Christels älterer Bruder - und das veranlasste ihren späteren Ehemann, das kleine Mädchen aus Spaß umzutaufen.

Früh Waise geworden

Krumm nahm ihm Irene Christel das allerdings nicht. Als sie älter wurden, gingen sie samstags tanzen und blieben auch in Kontakt, als sich ihre Wege vorerst trennten. Beide hatten Schicksalsschläge zu verkraften: Otto Christel war früh Waise geworden.

Sein Vater und Bruder waren nicht aus Russland zurückgekommen, die Mutter verstarb Anfang der 1950er-Jahre. Er selbst musste zum Militär. Fast zwei Jahre lang konnten sie sich nicht sehen und schrieben Briefe.

Irene Christel wurde mit ihrer Familie umgesiedelt. Für zwei Jahre mussten sie Zeiden verlassen und lebten in einem kleinen Ort in Ungarn. Dort gaben sie sich am 3. Februar 1954 schließlich das Ja-Wort. „Es war eine ganz kleine Hochzeit mit nur neun Personen. Wir hatten ja nichts“, erinnert sich die Jubilarin zurück.

Zwei Töchter, ein Sohn

Obwohl sie später nach Zeiden zurückkehrten und 1958 auch ihren enteigneten Besitz wieder bekamen, entschloss sich das junge Paar 1970, nach Deutschland zu ziehen. Da sie in Tuttlingen Bekannte hatten, wurde die Donaustadt zu ihrer neuen Heimat. Inzwischen waren bereits die zwei Töchter und der Sohn auf der Welt, die beim Umzug zwischen sieben und 15 Jahre alt waren.

In Tuttlingen wurde die Familie schnell heimisch. Arbeit fanden sie sofort. Otto Christel, gelernter Metzger, arbeitete zuletzt bei Aesculap, seine Frau bei Solidus. Das kontaktfreudige Paar lernte schnell Freunde kennen. „Wir haben sofort im Sängerbund Anschluss gefunden“, erinnert sich Otto Christel zurück.

Drei Wochen nach ihrer Ankunft war Fasnet - und er habe einfach angefragt, ob er mitsingen dürfe, erzählt der 95-Jährige. Auch seine Frau kam mit -„ und wir haben sofort so viele nette Bekannte gefunden.“ Auch im Kneipp-Verein waren sie jahrzehntelang aktiv, Irene Christel ist mittlerweile gar Ehrenmitglied.

Nicht nachtragend sein, Freiräume lassen

Es 70 Jahre miteinander auszuhalten sei nicht immer einfach gewesen, sagt Irene Christel schmunzelnd. „Man darf nicht nachtragend sein und muss sich Freiräume lassen, das ist wichtig“, nennt sie wichtige Punkte für eine lange Partnerschaft. „Nie aufgeben“ sei stets ihr Motto gewesen.

Glücklich ist das Paar vor allem über ihre Kinder, die sechs Enkel und fünf Urenkel. „Wir haben eine ganz tolle Familie und verstehen uns alle sehr gut“, sagen beide. So zieren unzählige Fotos die Wände ihrer Wohnung. Denn auch, wenn sie nicht mehr so mobil sind, wie früher, freut sich Irene Christel jeden Tag daran: „Ich kann einfach nur da sitzen und habe sie immer alle um mich herum.“


Deshalb heißt es Gnadenhochzeit