StartseiteRegionalRegion TuttlingenTrossingen80-Jähriger terrorisiert Nachbarn - nackt und onanierend im Treppenhaus

Ekelhaftes Verhalten

80-Jähriger terrorisiert Nachbarn - nackt und onanierend im Treppenhaus

Trossingen / Lesedauer: 4 min

Die Anwohner haben im Flur des Trossinger Mehrfamilienhauses Spuren fotografiert. Im Fahrstuhl lässt der Rentner zudem Gerüche zurück, über die man nicht weiter nachdenken will.
Veröffentlicht:06.12.2023, 17:00

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Die Nachbarn sind verzweifelt. Seit Monaten haben sie Probleme mit einem Mann, der im selben Trossinger Mehrfamilienhaus lebt wie sie.

Ein Rentner, 80 Jahre alt. Das Problem: Immer wieder läuft der Mann nackt und onanierend durch den Hausflur. Teilweise klopft er so auch bei seinen Nachbarinnen. Der Fall ist bereits vor Gericht gelandet - geändert hat sich dadurch jedoch nichts.

Rentner bereits verurteilt

Besserung hatten sich die Nachbarn ursprünglich von einem Prozess vor dem Spaichinger Amtsgericht im April 2023 erhofft. Zu diesem Zeitpunkt war der Senior wegen exhibitionistischen Handlungen in acht Fällen angeklagt.

Leider ist es mittlerweile so, dass er unangenehme und belästigende Gerüche von sich gibt. Das macht sich vor allem im Fahrstuhl bemerkbar.

Eine Nachbarin

Entblößt und masturbierend hatte er unter anderem in einem Park und auf dem Trossinger Friedhof Frauen belästigt. Die Richterin verurteilte ihn zu neun Monaten Freiheitsstrafe mit einer zweijährigen Bewährungszeit sowie 4.000 Euro Geldstrafe.

Doch die erhoffte Besserung brachte die Bewährungsstrafe nicht. Denn seitdem ist der Rentner mehrfach wieder straffällig geworden. Über ein Dutzend Mal haben ihn seine Nachbarn seit dem Prozess angezeigt. Immer wieder läuft der Mann nackt durch den Hausflur, hämmert gegen die Türen seiner alleinstehenden Nachbarinnen. „Um gesehen zu werden“, vermutet eine Nachbarin.

Zustand im Haus unzumutbar

Bei seinen Streifzügen durch das Haus masturbiert der Rentner auch immer wieder; einen Spermafleck haben die Hausbewohner, die alle anonym bleiben möchten, ebenfalls im Treppenhaus bemerkt und fotografiert.

Und das Problem hat sich noch verschlimmert: „Leider ist es mittlerweile so, dass er unangenehme und belästigende Gerüche von sich gibt. Das macht sich vor allem im Fahrstuhl bemerkbar“, berichtet eine Nachbarin.

Das rät die Polizei

Doch wie reagiert man in so einer Situation überhaupt richtig? „Wenn es gefahrlos möglich ist, und nicht mit einem Übergriff des Täters zu rechnen ist, den Exhibitionisten während seiner Handlung direkt und gerne auch lautstark auf sein strafbares Verhalten hinweisen und dass dieses bei der Polizei zur Anzeige gebracht wird. Die polizeiliche Anzeige dann möglichst sofort mit einem Handy über die Notrufnummer 110 veranlassen, mit genauer Beschreibung des Täters und dessen momentanen Aufenthalt“, heißt es seitens der Polizei.

Und weiter: „Zudem sollten natürlich solche Taten konsequent zur Anzeige gebracht werden, damit Polizei und Behörden entsprechend handeln können und so der Staatsanwaltschaft und dem Gericht auch eine ausreichende Datenbasis für weitere Entscheidungen vorliegen.“

Nicht alle Anzeigen führen zu Verfahren

Genauso ist die Hausgemeinschaft bisher vorgegangen und haben den Exhibitionisten nach den jeweiligen Taten angezeigt. Nach einem Teil der Strafanzeigen haben die Nachbarn allerdings Schreiben von der Staatsanwaltschaft Rottweil erhalten, in denen steht, dass das Verfahren eingestellt wird.

Nicht immer, so argumentiert die Staatsanwaltschaft in den Briefen, die unserer Zeitung vorliegen, gebe es ausreichend Beweise, dass der Rentner auch sexuelle Handlungen vorgenommen hat. Die Nachbarn betonen jedoch, dass sie den Rentner bei den Taten beobachtet haben.

Es liegen mehrere Anklagen mit mehreren Tatvorwürfen vor.

Ein Gerichtssprecher

Immerhin: Eine Geldstrafe von 2.000 Euro soll das Ordnungsamt Trossingen gegen ihn verhängt haben. Auch ein Platzverweis wurde gegen ihn ausgesprochen, so berichten es die Nachbarn. Die Stadt Trossingen darf sich zu Einzelfällen allerdings nicht äußern, so Stadtsprecherin Sabine Felker.

Sie bestätigt jedoch: „Immer mal wieder kommt es vor, dass das Ordnungsamt Platzverweise ausspricht. So zum Beispiel im Fall von häuslicher Gewalt oder Exhibitionisten - oder wenn junge Erwachsene nachts auf Schulhöfen für Probleme sorgen.“

Neuer Prozess

Jetzt steht fest, dass der Rentner erneut vor Gericht muss. „Es liegen mehrere Anklagen mit mehreren Tatvorwürfen vor, über die nach derzeitigem Stand am selben Tag verhandelt wird“, teilte ein Sprecher des Spaichinger Amtsgerichts auf Anfrage mit.

Vielleicht wäre er in einer Klinik besser aufgehoben.

Ein Nachbar

Ursprünglich war die Verhandlung für Anfang Dezember terminiert, musste aber wegen Krankheit verschoben werden. Ein neuer Termin wird demnächst festgelegt.

Wie kann es danach weitergehen? „Wir wünschen uns, dass ihm - und damit auch uns allen - geholfen wird“, sagen die Bewohner. Dabei geht es den Nachbarn nicht darum, dass der Rentner seine Gefängnisstrafe absitzen muss. „Vielleicht wäre er in einer Klinik besser aufgehoben“, sagt ein Nachbar. Der gemeinsame Wunsch der Nachbarn steht jedenfalls fest: In dem Mehrfamilienhaus soll wieder Ruhe einkehren.