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Markthändler machen Verluste 

Trossinger Wochenmarkt droht das Aus

Trossingen / Lesedauer: 5 min

Der Markt zieht jeden Donnerstag Leute ins Stadtzentrum. Doch unter ihnen sind nur wenige junge Kunden. Bürgermeisterin Irion will einen finanziellen Anreiz schaffen.
Veröffentlicht:06.12.2023, 05:00

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Wie geht es weiter mit dem Wochenmarkt auf dem Rudolf-Maschke-Platz? Das war die Ausgangsfrage beim zentralen Thema im Trossinger Gemeinderat am Montagabend. Um ihn attraktiver zu gestalten und jüngere Kunden wie Familien anzulocken, wird nun überlegt, ihn vom Stammtermin am Donnerstagvormittag in die Nachmittagsstunden zu verlegen.

Der Wochenmarkt feiert bald sein 50-jähriges Bestehen: Premiere mit elf Händlern war am 4. Juli 1974. Der ein oder andere Kunde von heute dürfte damals schon dabei gewesen sein - denn die Überalterung der treuen Kundschaft ist eines der Probleme des Wochenmarkts.

Markt zieht Leute in Innenstadt

„Wie können wir den Markt attraktiver und zukunftsfähig machen?“, fragte Petra Hermann von der CDU-Fraktion, die die Diskussion über das Thema im Rat initiiert hatte. Darüber müsse nachgedacht werden, „bevor der Wochenmarkt komplett verschwindet - damit würde Infrastruktur und ein Stück Attraktivität in Trossingen wegbrechen“. Der Markt sei ein „wichtiger Frequenzbringer für die Innenstadt“, so die CDU.

Hermann stellte die Frage, „ob wir an den Donnerstagvormittag gebunden sind“, oder ob auch der Donnerstag- oder Freitagnachmittag möglich wären, um den Markt von der Uhrzeit her „attraktiver zu machen für junge Leute“. Willi Link (FDP) gab zu bedenken, dass bei einer Hitzewelle im Sommer dann keine Käufer kämen.

Testlauf im Frühling geplant

„Es wäre einen Versuch wert“, reagierte Marktbeschickerin Christa Schöndienst vom Geflügelhof in Schura am Montagabend aufgeschlossen auf das Ansinnen einer zeitlichen Verschiebung. Zuvor jedoch müsse sie mit den anderen Händlern darüber sprechen, „inwiefern sie dazu bereit wären“. Bürgermeisterin Susanne Irion betonte, dass sich die Stadt bei einer potenziellen Verlegung „nach den Beschickern richten“ werde und stellte einen möglichen „Testlauf im Frühjahr“ in Aussicht.

Nichts ändern soll sich hingegen am Standort Maschke-Platz: Wenn der Wochenmarkt in Ausnahmefällen vor dem Rathaus stattfinde, „haben wir weniger Kundschaft“, berichtete Christa Schöndienst. Wunsch der Beschicker sei es deshalb, „auf dem Rudolf-Maschke-Platz zu bleiben“.

Imbiss und zweiter Gemüsestand fehlen

Sie gab im Gemeinderat ein Stimmungsbild der Marktbeschicker wider: Zwölf Stände seien, teils seit Jahrzehnten, regelmäßig donnerstags vor Ort, „es wäre schön, wenn noch ein Imbissstand darunter wäre“. Auch ein zweiter Gemüsestand fehle, „wünschenswert wäre auch ein Stand mit Gartenartikeln“.

Die Schuraerin lobte die „gute Parkplatzsituation“ in der Innenstadt, bemängelte jedoch, dass am Maschke-Platz eine Toilette fehle für die Kundschaft. Irion sagte, dass das Thema Toilette geprüft werde, derzeit liefen Vertragsverhandlungen. Sigrun Kramer (OGL) regte eine mögliche „nette Toilette“ im neuen „Lieblingscafé“ am Maschke-Platz auch für Marktkunden an. Ordnungsamtsleiter Axel Pecher teilte in diesem Zusammenhang mit, dass die Betreiberin des gut angenommenen neuen Cafés Interesse an einer Außengastronomie ab dem Frühjahr habe - was die Attraktivität des Platzes steigern würde.

Zu wenig Personal

Die Stadt versuche, einen zweiten Gemüsestand mit mehr Südfrüchten für den Markt zu interessieren, sagte Pecher. Erst kürzlich seien drei neue Händler angesprochen worden zwecks einer Teilnahme - ein Blumenhändler sowie Anbieter von Gebäck sowie Kuchen- und Kaffeespezialitäten. Jedoch hätten schließlich alle drei abgesagt - „sie hatten entweder keine personellen Kapazitäten, waren bereits auf anderen Märkten präsent oder schätzten die Kundenfrequenz auf dem Trossinger Markt als zu gering ein, um auskömmliche Umsätze zu generieren“.

Eine Verlegung auf einen anderen Tag scheitere daran, „dass viele Händler an diesen Tagen bereits auf anderen Märkten in der Region stehen“, erläuterte Pecher. Zwecks Belebung wolle die Stadtverwaltung auch gezielt „Schulen, Vereine und Kindergärten dafür gewinnen, sich mit besonderen Aktionen am Wochenmarkt zu beteiligen“. Auch die Trossinger Einzelhändler seien „bereits mit dem Angebot angesprochen worden, sich im Wechsel auf dem Wochenmarkt vorzustellen“. Auch sei vorstellbar, „dass sich die Musikhochschule mit einem Auftritt auf dem Markt präsentiert“.

Musik soll Menschen auf Platz locken

Die Umsetzung dieser Ideen diene auch den allgemeinen Bestrebungen zu einer Aufwertung des zentralen Platzes der Stadt, so Pecher. Zur abwechselnden Präsentation von Einzelhändlern und möglichen Marktteilnehmern könnte versuchsweise eine „Art Pop-Up-Verkaufsfläche“ installiert werden, die an anderen Tagen auch für musikalische Beiträge auf dem Maschke-Platz genutzt werden könne.

Pecher wertete das Sortiment des Wochenmarkts als „recht gut aufgestellt“ - von Wurst, Fleisch und Fisch über Feinkost und Käse bis zu Backwaren und italienischen Spezialitäten. „Aber die Leute sparen an Lebensmitteln.“ Wochenmärkte in ganz Deutschland spürten die Folgen der allgemeinen Teuerung, gerade auch bei den Lebensmittelpreisen. Dabei seien die Produkte auf den Märkten „nicht unbedingt teurer als im Supermarkt - und die Käufer bekommen gute, regionale Qualität“.

Hohe Rückgänge beim Umsatz

Den Trend hin zu Lebensmitteln aus regionaler Erzeugung hätten jedoch auch die großen Handelsketten und Discounter erkannt, „die mit immer mehr regional gekennzeichneten Waren in unmittelbare Konkurrenz zu den Wochenmärkten treten“, so Pecher. Folge: Umsatzrückgange in zweistelliger Höhe bei den Märkten.

Um den Trossinger auch optisch einladender wirken zu lassen, regte Christa Schöndienst eine Aufstellung der Stände außen rund um den Maschke-Platz an - bisher sind sie bunt über diesen verteilt. „Die Idee einer neuen Aufstellung ist gut“, fand auch Antje Spehn (FDP).

Positives Signal für Händler

Die Stadtverwaltung schlug zudem vor, für den Markt keine Gebühren mehr zu erheben, wie es auch auf anderen Märkten umgesetzt werde. Bislang werden 1.50 Euro je Meter Standfläche und drei Euro Strompauschale fällig. „Die Gebühren sind sehr moderat“, ordnete Pecher die Zahlen ein - „ein Verzicht als Instrument der Wirtschaftsförderung würde jedoch von den Händlern sicher als positives Signal der Unterstützung angesehen.“ Die Strompauschale solle indes beibehalten werden.

Bürgermeisterin Irion kündigte an, die Standgebühren „als Signal“ für ein halbes Jahr auszusetzen. Eine Verlegung auf einen anderen Tag soll es nicht geben: „Wir werden es eher beim Donnerstag belassen“.