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Neues Gebäude? Feuerwehr sucht nach Lösung für Platznot

Trossingen / Lesedauer: 6 min

Es ist zu eng in den Räumen der Trossinger Feuerwehr. Da sind sich alle einig. Jetzt gibt es Vorschläge, wie das geändert werden kann.
Veröffentlicht:13.02.2024, 05:00

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Seit Jahren klagt die Trossinger Feuerwehr über zunehmende Platznot - erste Pläne, etwas dagegen zu tun, waren bereits 2016 entwickelt worden. Darüber, dass Handlungsbedarf besteht, herrscht Einigkeit - die Frage Erweiterung am Standort oder Neubau an anderer Stelle, die eigentlich längst hätte geklärt sein sollen, ist jedoch weiter nicht beantwortet.

Welche Argumente sprechen für einen Ausbau des Feuerwehrgebäudes an der Heinz-Mecherlein-Straße, welche dagegen? Und was wären die Vor- und die Nachteile eines alternativen Standorts? Ein Überblick zum Stand der Dinge.

Was spricht für eine Erweiterung am bestehenden Standort?

Die Stadt hatte vor geraumer Zeit ein Ingenieurbüro mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Mit unter anderem der Fragestellung, welche Variante die wirtschaftlichste ist. Feuerwehrkommandant Nils Obst hatte sich für eine Lösung am Standort ausgesprochen wegen dessen zentraler Lage - bei einem Neubau an anderer Stelle befürchtete er Zeitverzug bei Notfällen.

Am wichtigsten ist, dass Zeiten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte eingehalten werden können.

Susanne Irion

„Am wichtigsten ist, dass Ausrückzeiten und Zeiten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte eingehalten werden können“, sagt Bürgermeisterin Susanne Irion. Damit komme „faktisch nur ein möglichst zentraler Standort in Frage“. Die Kostenfrage stehe nicht im Vordergrund, „sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren“.

Eine verlässliche Zahl zu nennen zu den Kosten bei Erweiterung oder Neubau auf der grünen Wiese sei „zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich“. Im Raum steht eine hohe siebenstellige Summe im Fall eines Ausbaus des Magazins - für die Alternative Neubau wäre wohl mit einer zweistelligen Millionensumme zu rechnen.

Ein Argument für eine Erweiterung sei die Nähe zum Technischen Hilfswerk, so Irion. Ein weiteres, dass das Magazin auf ebener Fläche liege, da der Hof regelmäßig für Übungen genutzt werde.

Unrealistisch ist aus ihrer Sicht ein Neubau am gleichen Ort, da das 1996 errichtete Gebäude noch keine 30 Jahre alt sei und damit „noch einmal zehn Jahre jünger als unser Rathaus - es abzureißen oder umzunutzen, ist politisch und wirtschaftlich sicher schwerer zu vermitteln, so dass die Erweiterung am Standort wohl einfacher zu realisieren ist“.

Welche Gründe sprechen gegen einen Ausbau des Feuerwehrmagazins an der Heinz-Mecherlein-Straße?

„Es wäre nicht so einfach, während der Bauzeit am Bestandsgebäude uneingeschränkten Betrieb zu gewährleisten“, sagt Susanne Irion. Ein Umbau „greift in so ziemlich alle Bereiche ein“. Die Umkleideräume würden „zeitweise nicht nutzbar sein. Die Halle ist zu niedrig, also muss in das Dach eingegriffen werden. Es bräuchte also in weiten Teilen Provisorien.“

Wie Kommandant Obst vergangenes Jahr erläuterte, entstünden bei einer Erweiterung oder einem Neubau an selber Stelle während der Bauphase zusätzliche Kosten für die alternative Unterbringung von Fahrzeugen, Ausrüstung und Uniformen; so müssten Garagen gemietet werden.

Für künftige neue Fahrzeuge bei einer angesichts steigender Einwohnerzahlen zu erwartenden Zunahme der Einsätze müssten zusätzliche Garagen gebaut werden - denn in der Fahrzeughalle ist für diese kein Platz.

Obst hatte bereits Anfang 2023 darauf hingewiesen, dass einer Erweiterung Grenzen gesetzt seien - lediglich in Richtung der benachbarten Tierarztpraxis gebe es noch Möglichkeiten.

Dort hatte die Trossinger Wehr neben dem Magazin bereits einen Container aufgestellt, mit zusätzlichen Lagerflächen für Paletten. Die große Fläche vor der Fahrzeughalle könne nicht bebaut werden, weil sie den Feuerwehrautos als „Bewegungsfläche“ diene.

„Ohne Grundstückserweiterungen bekommen wir einen notwendigen Ausbau nicht abgebildet“, betont die Bürgermeisterin. Zwecks des Erwerbs eines benachbarten Grundstücks habe die Stadt „angefragt, ob eine Veräußerung grundsätzlich denkbar ist - wir könnten uns auch vorstellen, ein Grundstück für einen Tausch zur Verfügung zu stellen“.

Irion weist zudem darauf hin, dass bei der Standortauswahl berücksichtigt werden müsse, wie die Rahmenbedingungen des Grundstücks bei Hochwasser seien. Das sei beim bestehenden Standort ein Thema.

Welche Argumente gibt es für einen Neubau des Feuerwehrmagazins an anderer Stelle in Trossingen?

Zwei alternative Standorte auf der grünen Wiese sind geprüft worden - ein Grundstück „Am Bogen“ gegenüber der Erlebniswiese, das nicht weit entfernt liegt vom bestehenden Magazin, und das Areal, das 2021 Amazon im Auge hatte für den Bau eines Logistikzentrums in Trossingen im Gebiet „Greut“ am Gewerbegebiet Hirschweiden, oberhalb der Christian-Messner-Straße.

Der wichtige Faktor „zentrale Lage“ sei bei allen drei Standorten noch gegeben, sagt Irion. Das Areal „Am Bogen“ sei vom THW nicht weiter entfernt als das Bestandsgebäude. Bei einem möglichen Neubau „Am Bogen“ sei der Feuerwehrbetrieb während der Bauphase einfacher zu gewährleisten. „Energetisch und auf dem aktuellen Stand aller feuerwehrtechnischen Anforderungen wäre ebenfalls ein Neubau am Bogen“, so die Bürgermeisterin.

Wirtschaftliche Überlegungen stehen relativ weit hinten.

Susanne Irion

Obst hatte vor einem Jahr gesagt, dass ein möglicher Neubau im Umfeld des jetzigen Standorts erfolgen müsse, „nicht weiter als 150 Meter von der Westtangente entfernt“ - sonst könnten Hilfsfristen nicht garantiert werden.

Das wäre bei einem neuen Standort „Am Bogen“ weiter der Fall. Bisher sei die Trossinger Wehr schnell vor Ort, bei Bränden etwa auf der A 81 oder in Schura. Als Stützpunktfeuerwehr ist Trossingen auch in Durchhausen, Gunningen, Talheim und Weigheim im Einsatz.

Als wichtigen Vorteil eines Neubaus wertete der Kommandant, dass „auf der grünen Wiese frei gebaut werden könnte“. Das Gebäude könne dann so gestaltet werden, „wie es für die Trossinger Feuerwehr optimal wäre“.

Die Hochwasserfrage spielt auch „Am Bogen“ eine Rolle. „Können unsere Einsatzkräfte nicht ausrücken, weil ihnen die Ausfahrt unmöglich ist, ist das ebenfalls ein Ausschlusskriterium“, erläutert Irion. Erst „relativ weit hinten stehen dann wirtschaftliche Überlegungen“.

Welche Gründe sprechen gegen die Verwirklichung eines Neubaus auf der grünen Wiese?

Die meisten Gegenargumente vereint das angedachte Amazon-Areal auf sich. Das Grundstück weise „relativ viel Gefälle auf“, so Bürgermeisterin Irion, „was einen Bau vergleichsweise teuer macht“. Die Hanglage war bereits für Amazon ein Grund gewesen, von einer Ansiedlung schließlich doch Abstand zu nehmen.

Möglichst ebene Flächen für die Feuerwehr seien wünschenswert, unter anderem, „da Stolperfallen im Einsatzfall ein No-Go sind. Hier wäre das Bestandsgebäude am ebensten, gefolgt von dem Grundstück am Bogen und an dritter Stelle dem Gebiet Greut.“ Letzterer Standort, so habe es die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ergeben, käme erwartungsgemäß bei einer Realisierung wohl am teuersten, so Irion.

Auch ist das seinerzeit angedachte Amazon-Gelände etwas abgelegener als die beiden anderen Standorte, Folge: Fahrzeiten im Ernstfall könnten sich verlängern. „Am unwahrscheinlichsten ist ein Neubau dort, darin sind sich in unseren bisherigen Gesprächen alle einig“, fasst Irion den derzeitigen Stand der Diskussion zusammen.

Die Feuerwehrleitung sei „in alle Entscheidungen eng eingebunden“, betont sie. Ein Neubau sei ein „mittelfristiges Projekt, für das es noch keinen konkreten Zeitplan gibt“, sagt sie zur kalendarischen Umsetzung des Großprojekts.