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Himeros-Quartett gewinnt Iris-Marquardt-Preis

Trossingen / Lesedauer: 3 min

Bereits zum 27. Mal ist am Donnerstag der mit 5.
Veröffentlicht:04.12.2023, 12:56

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Bereits zum 27. Mal ist am Donnerstag der mit 5.000 Euro dotierte Iris-Marquardt-Preis verliehen worden. Aus 23 Wettbewerbsteilnehmern hatte die Jury das Himeros-Quartett zum Sieger erkoren.

Welch sichere Hand die hochkarätig besetzte Jury hatte, zeigten die vier Musiker bereits mit ihrer „Visitenkarte“, dem ersten Satz von Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett e-Moll op. 44/2: Mit Sebastian Gwilt als Primarius interpretierte das Quartett ein oszillierendes Werk, das der Komponist 1837 während seiner Hochzeitsreise skizziert hatte, und zeigte dabei ein perfektes Zusammenspiel mit erregenden Vibrati.

Rektor Christian Fischer sinnierte in seiner Begrüßungsrede über das „eigentlich Unverfügbare“, besondere Momente, die sich nicht erzwingen lassen, sondern sich ereignen. Als Vorsitzende des Vorstands der 2007 gegründeten Iris-Marquardt-Stiftung betonte Bürgermeisterin Susanne Irion, dass die Auszeichnung „weit mehr als Urkunde und Preisgeld“ bedeute. Nicht nur hervorragende Musiker, sondern auch Netzwerker und Teamplayer müssten erfolgreiche Absolventen der Hochschule sein und die trügen dann den Namen der Stadt Trossingen in die Welt hinaus, schloss Irion stolz.

„Himeros - in der griechischen Mythologie der Gott der Sehnsucht und der liebenden Verehrung“ erklärte Rektor Fischer den Namen, den sich das erst vor einem halben Jahr gegründete Streichquartett gegeben hatte. Anders als im Vorjahr, als lediglich Kammerensembles zugelassen worden waren, konnten sich 2023 alle Studierenden der Hochschule bewerben. 47, so viele wie nie zuvor, nahmen die Herausforderung an, allein oder in Ensembles. 23 Anmeldungen lagen vor, die fachgruppenübergreifende Jury hatte viel zu tun.

Als Vertreterin der Stifter-Familie sprach Annabelle Marquardt, Enkelin der 1996 früh verstorbenen Musikliebhaberin und Mäzenin Iris, ein Grußwort. Selbst passionierte Chorsängerin, ging sie auf durch künstliche Intelligenz gebildete Musik ein. Unwohl fühle sie sich dabei, denn da fehle etwas Wesentliches: „die menschlichen Emotionen“.

In seiner Laudatio wies Rektor Fischer auf eine Besonderheit der Preisträger hin: „Hier wechseln die Primarii“. So saß bei den zwei weiteren Werken des Abends Robert Lokhov ganz links. So beim „langsamen Satz für Streichquartett“, den Anton Webern als 22-Jähriger in Wien komponiert hatte, praktisch im selben Alter wie die Mitglieder des Himeros-Quartetts, die hier mit besonderen Effekten wie dem Tremolo sul ponticello brillierten.

In einem Interview des Rektors mit den Preisträgern nannte die spanische Cellistin Leyre Barros die Flexibilität in einem kleinen Ensemble gegenüber den Spielen im Orchester unter der Leitung eines Dirigenten. Der Bratschist Janko Welt sagte, das Preisgeld werde zum Teil in eine gemeinsame Kasse für Reisekosten eingezahlt.

Nach den Vorteilen einer kleinen Hochschule wie Trossingen befragt, nannte der Violinist Lokhov, ASTA-Mitglied in Trossingen, die Chance, konzentriert zu arbeiten, und die Nähe zur Natur.

Mit kräftigem Applaus honorierten die Zuhörer die Präsentation von Joseph Haydns Streichquartett D-Dur op. 71/2. Ein lebendiges Allegro erwuchs aus den vier eingängigen Adagio-Takten in ersten Satz. Das folgende Adagio cantabile in A-Dur überraschte mit kellertiefen Tönen, Auf den dritten Satz, einem ungewöhnlich rhythmisierten Menuetto, und einer Art Rondo in gemäßigtem Tempo im Finale, folgte ein quirliges und dennoch fein ziseliertes Allegretto als Krönung des 230 Jahre alten Werks.

Im Januar 2024 wird das Himeros-Quartett die Trossinger Hochschule beim Felix Mendelssohn Bartholdy- Wettbewerb der deutschen Musikhochschulen in Berlin vertreten.