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Das plant die neue Leiterin fürs Deutsche Harmonikamuseum

Trossingen / Lesedauer: 5 min

Katharina Hertfelder beerbt Martin Häffner, der das Museum mehr als 20 Jahre lang leitete. Die 33-Jährige hat viel vor, um das Haus attraktiver zu machen und mehr Leute anzulocken.
Veröffentlicht:09.12.2023, 05:00

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Die künftige Leiterin des Deutschen Harmonikamuseums, Katharina Hertfelder, ist am Freitag offiziell vorgestellt worden. Zum 1. Mai übernimmt sie die Museumsleitung und Geschäftsführung von Martin Häffner, der mehr als drei Jahrzehnte in Amt und Würden war. Eines der Ziele der 33-Jährigen ist es, die Attraktivität der Einrichtung weiter zu steigern und so noch mehr Besucher anzulocken.

Seit Anfang November ist Hertfelder an Bord - nach der Beendigung ihres Volontariats am Deutschen Literaturarchiv Marbach. Sie hatte sich bei den Vorstellungsgesprächen der Stadt gegen vier weitere Bewerberinnen und Bewerber durchgesetzt, insgesamt waren 14 Bewerbungen eingegangen. „Ich freue mich auf die Aufgabe und die nächsten Jahre“, sagt die Literaturwissenschaftlerin.

Stadt und Hohner als Geldgeber

In den ersten Wochen habe sie „ein engagiertes Museumsteam kennengelernt, mit einer großen Zahl ehrenamtlicher Helfer“. Sie habe bereits „miterlebt, wie viel Unterstützung da ist und wie sehr das Museum darauf fußt“.

Martin Häffner lässt mich an 30 Jahren Wissen teilhaben.

Katharina Hertfelder

Und, „dass die Stadt und Hohner als Geldgeber das Museum erst möglich machen“. Laut Häffner teile sich die jährliche Finanzierung im Schnitt zu je zwei Fünfteln aus selbst erwirtschafteten Mitteln des Museums und der Gelder der Firma Hohner Musikinstrumente sowie einem Fünftel seitens der Stadt auf.

„Martin Häffner lässt mich an 30 Jahren Wissen teilhaben“, sagt dessen Nachfolgerin. Dieser „Wissenstransfer, damit uns nichts verloren geht“, ist laut der Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins, Bürgermeisterin Susanne Irion, der Grund für die „lange Übergabezeit von einem Jahr“ - Häffner wird erst im November 2024 endgültig in den Ruhestand gehen und ab dem Frühjahr „nur noch im Hintergrund wirken“. So will er noch diverse Projekte zum Abschluss bringen.

Schlummernde Schätze heben

„Wir finden, dass Katharina Hertfelder einen tollen und gelungenen Start hingelegt hat“, bilanziert Irion deren erste Wochen. „Es gibt unglaublich viel zu wissen über das Haus und die Sammlung“, sagt die derart Gelobte.

Warum sie sich in Trossingen beworben habe? „Ich habe große Freude an der Vermittlung einer kulturhistorischen Sammlung.“ Die Kultur- auch mit Sozial- und Wirtschaftsgeschichte verknüpfe. Das sei auch Teil ihrer Arbeit in Marbach gewesen.

Beim Stand auf dem Weihnachstmarkt mit dabei

Sie wolle die „Schätze, die hier schlummern, stärker in den Fokus rücken, um noch mehr Besucher in das Museum zu holen und es ganz unterschiedlichen Gruppen zugänglich machen“, sagt Hertfelder. Chancen für mehr Besucher sieht sie auch durch eine Erweiterung des Veranstaltungsangebots - diese könnten auch die nicht klassischen Museumsbesucher für die Einrichtung interessieren.

So wird sie am kommenden Donnerstagabend, 14. Dezember, auch am Stand des Harmonikamuseums auf dem Trossinger Weihnachtsmarkt stehen.

Museum bekannter machen

Den „Bekanntheitsgrad des Museums zu erhöhen“ sei ein weiteres Ziel. Mit Häffner war Hertfelder im November bei einer Tagung in Hannover zur „Reichweitenerhöhung im musealen Bereich“.

Ein Beispiel dafür, wie mehr Menschen ins Museum gezogen werden könnten, sei, „Räumlichkeiten für andere als Ausstellungszwecke zur Verfügung zu stellen“.

Auch an einem Workshop „Lenken und Leiten“ zum Qualitätsmanagement habe sie teilgenommen und sich dort mit Museumsleitern aus Baden-Württemberg ausgetauscht. Das Gespräch suchte Katharina Hertfelder auch mit den Ehrenamtlichen.

„Ich habe sie nach ihren Wünschen zur Zukunft des Museums gefragt.“ Welche das seien, wollte sie vorerst nicht verraten. Auch an „Musterrundgängen und Gruppenführungen“ habe sie teilgenommen.

Viele Antrittsbesuche stehen an

In den kommenden Monaten stünden nun „Antrittsbesuche bei allen Akteuren der Musikstadt Trossingen sowie aktuellen und möglichen künftigen Kooperationspartnern“ an, sagt Hertfelder. „Mir geht es darum. mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Und sie müsse „viel lesen, um mich einzuarbeiten in die Harmonikageschichte“.

Ein Antrieb für die Bewerbung sei auch der lokale Bezug gewesen: Die gebürtige Weinheimerin lebte von 2001 bis 2009 in Tuningen. Damals habe sie „die Musikstadt schätzen gelernt - ich habe Musikunterricht genommen in Trossingen und in der Big Band des Gymnasiums Altsaxophon gespielt“.

Ihr Studium Literatur/Kunst/Medien in Konstanz führte sie auch zu längeren Studienaufenthalten an Universitäten in Bologna und Cardiff.

Von Schiller bis Schlink

Literatur ist die große Leidenschaft der künftigen Museumschefin: „Ich bin mit Goethe und Schiller groß geworden, lese aber auch gerne deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts und die Werke von Bernhard Schlink.“

Und sie interessiere sich sehr für Theater, engagiere sich in einem Laientheater. Noch pendelt die 33-Jährige an ihren neuen Arbeitsort, will aber nach Trossingen ziehen.

„Das Deutsche Harmonikamuseum muss sich noch weiter internationalisieren - Katharina Hertfelder hat diese Vision“, sagt Hohner-Geschäftsführer Arthur Chuang.

Sein Wunsch sei, „die Sammlung weiter nach außen zu bringen“. Diese sei „einmalig in Deutschland“ und ein „wichtiger Baustein für die Attraktivität Trossingens“. Diese gelte es „gemeinsam mit anderen Institutionen der Stadt voranzutreiben“.

Hohnerchef dankt Martin Häffner

Martin Häffner, seit 1991 im Amt, dankte Chuang, dessen Worte von Hohner-Produktmanager Gerhard Müller übersetzt wurden, für dessen „Riesenarbeit zum Aufbau des Museums“.

Der lobte seine Nachfolgerin als „sehr umsichtig und interessiert“. Häffner kündigte an, dem Harmonikamuseum treu zu bleiben und im nicht mehr fernen Ruhestand „ein fleißiger ehrenamtlicher Mitarbeiter zu sein“.

Stadtarchivar-Nachfolge noch unklar

Noch offen ist indes die Nachfolge seiner Arbeit als Trossinger Stadtarchivar. „Städte unserer Größenordnung brauchen nicht zwingend einen Stadtarchivar“, hält Bürgermeisterin Irion künftig „auch eine Kooperation mit dem Kreisarchiv für denkbar“.

Eine zentrale Aufgabe Martin Häffners als Stadtarchivar sei das Trossinger Jahrbuch. Doch dessen organisatorische Fäden könnte dieser laut Irion weiter ziehen: „Es gibt die Überlegung, dass er das Jahrbuch im Ruhestand weiter mitbetreut.“