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Bürgerinitiative mischt sich seit 1993 ein

Trossingen-Schura / Lesedauer: 3 min

Bürgerinitiative mischt sich seit 1993 ein
Veröffentlicht:02.12.2009, 18:30

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– Menschenketten gegen das regionale Gewerbegebiet, eine Großdemonstration auf dem Hohenlupfen gegen eine Giltmülldeponie und im Sommer der Informationsabend zur geplanten Aballkonditionierungsanlage. Die Bürgerinitiative Schura mischt sich seit 16 Jahren ein.

Von unserem RedakteurEric Zerm

Als sich der Abfallkonditionierer vor wenigen Wochen an die Gemeinde Aldingen wandte, ob er dort eine Abfallkonditionierungsanlage bauen könne, hätten Aldinger Bürger die Bürgerinitiative Schura kontaktiert, erzählt BI-Sprecher Andreas Solleder . „Wir informierten sie zum Thema.“ Zudem habe die Bürgerinitiative den Aldingern den Kontakt zur Bürgerinitiative „Pro Mönchweiler“ hergestellt, die ebenfalls gegen Müllkonditionierer kämpft. Inzwischen ist das Thema in Aldingen bereits wieder gekippt. Bereits im Sommer hatte sich der Gemeinderat Trossingen in einer Sondersitzung gegen den Bau der Abfallkonditionierungsanlage entschieden.

Dass die Bürgerinitiative besonders beim Thema Abfall auf Zack ist, liegt in ihren Ursprüngen. Sie entstand, als im Sommer 1993 bekannt wurde, dass das Land Baden-Württemberg einen Standort für den Bau einer Sondermülldeponie sucht. Wegen des Opalinustons im Boden, tauchten in der Untersuchung auch mehrere Standorte in nächster Umgebung von Schura auf. „15 Jahre zuvor war schon mal Durchhausen im Gespräch für eine Sondermülldeponie gewesen“, erinnert sich Solleder. Diese Anlage wurde schließlich bei Billigheim errichtet. Am 5. August 1993 wurde dann bei einem Informationsabend in der „Kronenstube“ die „Bürgerinitiative gegen Gilftmüll Schura“ gegründet.

Im Herbst überschlugen sich dann die Ereignisse. Gemeinsamen mit anderen Bürgerinitiativen der Baar stellte die BI Schura beispielsweise einen Sternmarsch mit über 7000 Teilnehmern auf den Lupfen auf die Beine. Auf Postkarten verewigt wurde eine Aktion auf der Ostalb. Dort bildeten 15 000 Menschen als Protest gegen Sondermülldeponien ein gewaltiges „Nein“ in der Landschaft. Die BI Schura ist bei diesem „Nein“ sogar besonders zu erkennen. Sie bildete innerhalb des riesigen „I“ einen Kreis. Die Postkarte wurde laut Andreas Solleder landesweit verbreitet. „Am 24. Februar 1994 wurde das Thema Sondermülldeponie schließlich gekippt“, erinnert sich Solleder. Man hatte ausgerechnet, dass für die anfallenden Abfallmengen gar keine zusätzliche Deponie nötig ist.

Spektakulär war auch die Aktion der Bürgerinitiative Schura mit der Bürgerinitiative in Weigheim am 1. April 2001 gegen ein geplantes Logistikzentrum. Mehr als 2000 Menschen bildeten um das Gelände des geplanten Logistikzentrums eine riesige Menschenkette. Im Oktober 2002 war das Thema endgültig vom Tisch.

Und die Bürgerinitiative Schura bleibt am Ball. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgt Andreas Solleder weiterhin das Thema Abfallkonditionierung. Zudem ist die BI Schura inzwischen Mitglied in der Initiative KLAR! („Kein Leben mit atomaren Risiken!“) in der Schweiz. Hintergrund ist das geplante Atommüll-Endlager in Benken. „Ich bin im Mailverteiler von KLAR! und bekomme immer die aktuellen Mitteilungen“, so Solleder. Die Menschen gegen das Endlager zu mobilisieren, sei aber „verdammt schwer“, obwohl es nur 40 Kilometer von hier entfernt liegen würde.

Wie bei der Sondermülldeponie auf der Baar sei es laus Solleder auch bei Benken Opalinuston im Erdboden, der die Gegend bei den Entscheidungsträger für gefährlichen Müll interessant macht.