StartseiteRegionalRegion TuttlingenTrossingen-SchuraZwischen Lavendel und Schotter: Wer hat den schönsten Garten in Schura?

Wettstreit der Hobbygärtner

Zwischen Lavendel und Schotter: Wer hat den schönsten Garten in Schura?

Trossingen / Lesedauer: 3 min

Der Blumenschmuckwettbewerb hat in Schura Tradition. In diesem Jahr gibt es jedoch eine wichtige Neuerung.
Veröffentlicht:22.07.2023, 17:00

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Mit Notizblock und Kamera ausgestattet laufen Ortsvorsteher Wolfgang Schoch und Martin Jung von der Agenda Trossingen durch Schura. Stehen bleiben sie nur vor Häusern, die einen einsehbaren Garten haben. Schoch und Jung sind als Jury für den Blumenschmuckwettbewerb unterwegs, der in diesem Jahr mit einem neuen Konzept stattfindet.

Fokus auf Artenvielfalt

Pluspunkte gibt es beispielsweise für heimische Blumen und Pflanzen, Abzüge für reine Schottergärten. Unter dem Slogan „Mein lebendiger Garten“ wird jetzt auch die ökologische Vielfalt bewertet. Das bedeutet jedoch keinesfalls Wildwuchs, sondern eher, dass der Wettbewerb ein zeitgemäßes Konzept bekommen soll, so der Ortsvorsteher.

Also wenn wir beim Blumenschmuckwettbewerb den Oscar vergeben, dann würde ein Schottergarten die Goldene Himbeere bekommen.

Martin Jung

Und das sieht dann so aus: „Hier wachsen wilde Möhren und viele andere heimische Arten. Das ist gut für Insekten und sieht schön aus“, sagt Martin Jung über einen der ersten Gärten, den sich die Jury anschaut. Er macht sich Notizen, der Ortsvorsteher schießt ein Foto.

An drei bis vier Abenden sind die Jurymitglieder in Schuras Straßen unterwegs, nach den Sommerferien sollen die Notizen und Fotos ausgewertet und die Sieger anschließend bei der Einwohnerversammlung im Herbst gekürt werden.

Nicht alle Gärten einsehbar

Jeder, der in Schura wohnt, nimmt automatisch am Wettbewerb teil — zumindest, sofern man den Garten von der Straße aus sehen kann. „Es ist interessant zu sehen, wie viele ihre Gärten abschotten“, sagt Ortsvorsteher Schoch. Und tatsächlich: Viele Gärten verschwinden hinter dem Haus, hinter einem Plastiksichtschutz oder hinter einer Thujahecke.

Einbrecher suchen sich in der Regel Objekte mit versteckten Bereichen. Die deutsche Thujahecke bietet da den besten Schutz.

Wolfgang Schoch

Punkten können Thuja–Freunde beim Blumenschmuckwettbewerb eher nicht. „Thujahecken brauchen sehr viel Wasser und werden bei Hitze schnell braun“, erklärt Jung. Er rät eher zur Rotbuchenhecke, in der auch Vögel brüten können, oder Ligusterhecken. Dazu kommt, dass Thujahecken häufig auf den Gehweg ragen und bei einem zu radikalen Rückschnitt nicht mehr austreiben.

Und auch aus einem ganz pragmatischen Grund ist die Thujahecke keine gute Idee. „Einbrecher suchen sich in der Regel Objekte mit versteckten Bereichen. Die deutsche Thujahecke bietet da den besten Schutz“, sagt der ehemalige Polizist Wolfgang Schoch.

Diese Pflanzen sind insektenfreundlich

Da, wo die Jury allerdings an der Thujahecke vorbei etwas von den Gärten sehen kann, warten zahlreiche Blumen und Sträucher auf sie. Lavendel biete beispielsweise auch spät im Jahr noch Nahrung für Hummeln, so Jung.

Typische Zierpflanzen wie etwa Geranien bekommen ein mittelgutes Zeugnis ausgestellt. Diese bieten zwar Nahrung für Honigbienen, aber diese finden in der Regel durch andere Pflanzen auch Nahrung und sind nicht auf Geranien angewiesen. Und bei Rosen komme es darauf an, ob die Blüten gefüllt oder ungefüllt sind. Nur bei letzteren kämen Insekten auch an die Nahrung heran.

Keine Punkte für diese Gärten

Der Rundgang führt Wolfgang Schoch und Martin Jung auch ins Industriegebiet. Hier blüht es nur vereinzelt, dafür gibt es jede Menge Stein und Schotter. „Also wenn wir beim Blumenschmuckwettbewerb den Oscar vergeben, dann würde ein Schottergarten die Goldene Himbeere bekommen“, sagt Jung. Nicht gerade ein Kompliment: Die Goldene Himbeere ist ein Schmähpreis, der für besonders schlechte schauspielerische Leistung vergeben wird.

Hin und wieder treffen Schoch und Jung auch einen Gartenbesitzer an. „Wir haben 130 Rosen im Garten, die wunderbar geblüht haben. Aber wegen der Hitze sind sie um diese Zeit schon verblüht“, bedauern etwa zwei Schuraer.

Solche Erfahrungswerte möchte Ortsvorsteher Wolfgang Schoch mitnehmen und im nächsten Jahr, wenn möglich. umsetzen. Sein Fazit: „Es hat sich auf jeden Fall rentiert.“ Jetzt bleibt nur noch die Auswertung abzuwarten.