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Energieart

„Wir könnten die Erde wieder heilen“

Spaichingen / Lesedauer: 3 min

Clemens Hauser rechnet vor, dass die Energiewende günstig und schnell zu haben wäre
Veröffentlicht:17.09.2013, 12:19

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Klingt wie Science Fiction: Strompreis dritteln, Strom zur rentabelsten Energieart für Autos, zum Heizen und für alle anderen Zwecke machen – und das in zwei bis fünf Jahren ohne Einspeisevergütung. Clemens Hauser, geboren in Spaichingen, derzeit mit seiner kleinen Familie bei den Eltern Richard und Helga Hauser in Balgheim wohnend, meint: „Mit dem richtigen Plan und der richtigen Planung ist alles zu schaffen.“ Das Spannende daran: Hauser meint das nicht nur, er hat sich hingesetzt und alles ausgerechnet. Und dann gleich einen „Leitfaden“ zur Umsetzung auf allen Ebenen geschrieben.

Zentrale Funktionen haben in Hausers Modell die Landkreise, die die Energiewende koordinieren sollen. Die Grundidee ist, dass neben den jetzt auch geplanten Windkraftanlagen auf gemeinsamen Solarfeldern jeder Haushalt – Mieter oder Besitzer – die Firmen und Institutionen ihre eigenen „Steckplätze“ einrichten. Dies mit Hilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau – und das wäre die einzige „Subvention“, die die Anlagen zu einem Zinssatz auf die drei Jahrzehnte der Laufzeit der Module finanziere, so dass letztlich pro Haushalt nur rund 25 bis 30 Euro im Monat zu bezahlen seien.

Hauser hat ausgerechnet, wie groß dann diese Felder sein müssten: bei den billigsten Modulen durchschnittlich 5,79 Prozent der Landkreisflächen, mit der Industrie zusätzlich 3,9 Prozent. Den Flächenbedarf sieht Hauser alternativ zu subventionierten Biomasse-Produktion, die ja nicht CO2-frei ist. Man könnte die Felder eingrünen, und den verhassten Spiegeleffekt hätten heutige Module auch nicht mehr, so dass sich die Felder in die Landschaft einpassen ließen. Wobei es Anlagen gebe, die zwei- bis dreifach wirkungsvoller, aber auch teurer, seien.

Warum nicht auf den Dächern? Das sei viel teurer und deshalb auch nicht so schnell umsetzbar, meint Hauser. Außerdem könne man in der Freifläche die Module mit der Sonne mitdrehen und das Ganze besser organisieren.

So wie es Hauser berechnet, könnte sich die Sache für die Landkreise lohnen, mit einer Gebühr blieben jedes Jahr mehrere Millionen im Haushalt hängen.

Wodurch unterscheidet sich das Hauser’sche Szenario von anderen ähnlich gelagerten Büchern? Hauser kommt ursprünglich vom Marketing und genau so geht er die Sache an. „Die Rechnungen sind transparent und basieren auf den Zahlen des Fraunhofer-Instituts, des Bundeswirtschaftsministeriums und anderen anerkannten Institutionen. Und: „Marketing beginnt bei der Produktkonzipierung – bevor ein Produkt überhaupt entsteht“ – in diesem Fall ist das Produkt die schnelle, preisgünstige und komplette Energiewende. Auch Speicherkonzepte für die Nächte und für den Winter hat er ausgetüftelt.

Hauser, Jahrgang 1975, hat in Deutschland, England und Spanien Marketing studiert und sich da schon mit dem Marketing von Photovoltaik-Anlagen auseinander gesetzt. Danach arbeitete er für Hewlett-Packard, Yves Rocher und danach für eine kleinere Internetmarketing-Firma. Derzeit versorgt er in Elternzeit zusammen mit seiner Frau seine sechs Monate alte Tochter.

100-prozentiger Idealist

Sein Buch, das als E-Book für 3,99 Euro zu haben ist, hat er während dreier Monate recherchiert, in drei Monaten geschrieben und in einem Monat ins Englische übersetzt. Es ist bei Amazon und I-Tunes auf elektronische Lesegeräte zu laden und liegt bereits jetzt bei vielen Politikern und Institutionen wie Greenpeace.

Und er freut sich auf eine lebendige Debatte und auf Feedback zu seinem Konzept. „Wir könnten quasi die Erde wieder heilen“, sagt er zu seinem Motiv. Dann ist er, der Marketingmensch, ein Idealist? „Ja, ein 100-prozentiger Idealist.“

Clemens Hauser 2013: „ Deutschland, warte nicht auf die Energiekonzerne “, E-Book. Kontakt: