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Pandemiebedingung

Spaichinger Verein kämpft in Kolumbien unter Pandemiebedingungen, um zu helfen

Spaichingen / Lesedauer: 4 min

Die Ärmsten leiden am meisten unter den Corona-Einschränkungen, die in Kolumbien sehr streng sind
Veröffentlicht:02.07.2020, 18:21

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Die weltweite Coronapandemie hat auch die Arbeit des Spaichinger Vereins Schuhmuckl blockiert, der in Kolumbien arme Kinder unterstützt. Im Mitgliederbrief informieren die Brüder Schuhmacher über die aktuelle Lage bei den Hilfsprojekten.

Noch Anfang März sei ein Freund der Familie der Stiftungsvorsitzenden Luz Elena Jimenez im Centro Educativo (Förderzentrum) in Cartagena mit einem Gerät gewesen, das den Kindern anschaulich gezeigt hat, wie ihr Herzschlag geht. Noch war es ruhig.

Über Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs kam die Pandemie in die Stadt. Sofort sei reagiert worden, aber die verhängten Ausgangssperren von 18 bis 4 Uhr träfen vor allem die Armen, die ein wenig für Essen in den Touristengebieten dazuverdienen müssten.

Einen kleinen Lichtblick habe es in den ersten Corona-Tagen vor allem seitens der Kinder gegeben, die ins Förderzentrum kamen. „Durch unsere regelmäßigen und langjährigen Hygiene-Programme waren sie bestens auf die Corona-Hygiene-Vorgaben vorbereitet. So waren die entsprechenden Maßnahmen in den Familien daheim einfach machbar und umzusetzen.“

Luz Elena , die zum Schutz ihrer Mutter zuhause blieb, hielt mit den Lehrerinnen per WhatsApp Kontakt und gab über eine Videoschnittstelle Online-Grammatikstunden und andere mögliche Fortbildungen.

13 Euro, so das Versprechen des Bürgermeisters, für arme Familien. Wenig für zehn Tage, so Schuhmuckl. Dazu kam, dass in sehr armen Stadtteilen das Geld oft nicht ankam. „Deshalb spitzt sich die Lage in der Stadt aktuell sehr zu. Niemand darf auf die Straße. Die Geschäfte sind geschlossen, keine Touristen, kein Verdienst, alles wie ausgestorben.

Im April habe es in Cartagena dank der Maßnahmen im Gegensatz zu anderen Städten nicht sehr viele Fälle.

Die Mitarbeiterinnen hielten ständig Kontakt und wollten im Mai das Förderzentrum wieder aufmachen – vor allem, weil die Kinder dann etwas zu Essen bekämen. Ein Plan zur Organisation von Hygiene- und Abstandsregeln sei schon ausgearbeitet gewesen, je die Hälfte der Kinder wären an wechselnden Tagen gekommen und hätten verpflegt werden können.

„Doch leider mussten seitens der Stadt auch Ende Mai und bis heute die Schulen und vergleichbaren Einrichtungen geschlossen bleiben.“ Um dennoch etwas helfen zu können, hätten Luz Elena und die Lehrerinnen nach Rücksprache Hilfspakete mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln gepackt und an die ärmsten Familien verteilt. Auch den Lehrerinnen selbst, die während dieser Zeit anstellungslos sind, wurde eine finanzielle Unterstützung zugeteilt.

Die Behörden in Cartagena hätten von Anfang an sehr streng durchgegriffen und einen strengen Plan ausgearbeitet. Man dürfe nach wie vor nur ein Mal pro Woche aus dem Haus gehen und zwar dann, wenn die letzte Zahl des Ausweises der Zahl auf einer Tabelle entsprach – und auch innerhalb dieser Einteilung wurde wieder nach Männern und Frauen getrennt. Die Zahl der Corona-Fälle nehme aber trotzdem zu – vor allem deshalb, weil die Leute aus den ärmeren Gebieten und Stadtteilen sich nicht an die Vorgaben und die Ausgangssperre hielten. Die pure Armut treibt sie raus zum Geld verdienen. Und so verteile sich das Virus permanent.

Mittlerweile seien sechs Stadtteile in Cartagena quasi abgeriegelt. Auch das Bürgeramt ist aufgrund von Corona-Fällen geschlossen. Die Menschen hätten also auch keine „Ansprechpartner“, um in der aktuellen Krise Hilfe zu beantragen.

„Die Eltern „unserer“ Kinder fragen immer mehr, ob wir nicht das Förderzentrum öffnen könnten, damit die Kinder wenigstens etwas zum Essen bekommen, aber das ist aufgrund der gesetzlichen Lage und vor allem der Kriminalität derzeit sehr schwer umzusetzen.“

Aktuell sehe es danach aus, dass man auch im Juli das Förderzentrum nicht aufmachen darf. Vielleicht im August oder September. „Noch sind das aber nur Pläne und die Zukunft, vor allem in diesem armen Stadtteil und den noch ärmeren Gebieten der Slums dahinter, wo unsere Kinder herkommen, ist äußerst ungewiss.“ Beunruhigt sind die Verantwortlichen auch wegen der hiesigen Lage: Wie wird sich das Spendenaufkommen entwickeln?