Spaichingen

Mit dem 20-Tonner durch Europa

Spaichingen / Lesedauer: 3 min

Das große Ganze sehen. Mit „Planetary Biology“ über den Petrischalenrand hinausblicken.
Veröffentlicht:29.11.2023, 17:34

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Der Spaichinger Biologe Moritz Winker kehrt an das Gymnasium in Spaichingen zurück. Dort, wo er seine ersten wissenschaftlichen Schritte gegangen ist, gibt er Einblicke in seinen aktuellen Forschungsschwerpunkt „Planetary Biology“ und in die Arbeit am „Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie“ - kurz EMBL.

Der Weg dorthin für ihn jedoch keineswegs vorgezeichnet. Biologie habe ihn zwar auch an der Schule schon interessiert, aber er habe nie in seiner Zeit am Gymnasium Spaichingen nie das Gefühl gehabt, „dass ich absolut den Plan für mich raus hab, dass ich genau weiß, wo es hingehen muss.“ Klar sei für ihn nur gewesen, erzählt Winker, „dass ich auch sehen wollte, wie die Dinge passieren. Dass ich mich nicht nur mit trockener Theorie auseinandersetze, sondern auch selber Sachen in die Finger bekomme.“

Training an High End Geräten

Deswegen forscht Winker heute in Heidelberg, wo der Hauptsitz des EMBLs steht. Dort trainiert Moritz Winker andere Wissenschaftler im Umgang mit den hochmodernen Geräten. Andere Forscher bei ihrer Arbeit zu unterstützen mache ihm besonders Spaß. Auch, weil er selbst „keine brennende Forschungsidee“ habe, die er unbedingt umsetzen müsse.

Lieber habe er sich zusammen mit Masterstudierenden, die er während seiner Doktorarbeit betreut hat, mit deren verschiedenen Themen auseinandergesetzt. So habe sich auch „Planetary Biology als Themengebiet sozusagen aus Versehen ergeben.

Vom Labor ins echte Leben

In dieser Wissenschaft gehe es darum, so Winker, über Grenzen des Labors hinweg Biologie zu betreiben und sich zu fragen: „Was können wir Neues lernen, das man übersieht, wenn man den Kontext nicht so sehr in Betracht zieht?“ Also nicht nur zu wissen, wie der Transport von Stoffen über eine Zellwand funktioniert, sondern auch, ob und wie dieser Transport beispielsweise im Hamburger Hafenbecken funktioniert, wo die Zelle von vielen äußeren Faktoren beeinflusst wird.

Dafür brauche es teures Gerät, dass sich die meisten Institute nicht mal eben leisten können. Hier kommt das Heidelberger EMBL ins Spiel. Das Institut wird gefördert von 26 europäischen Staaten, Israel und Australien.

Dadurch habe es ganz andere finanzielle Möglichkeiten, als beispielsweise universitäre Forschungseinrichtungen, sagt Winker. Die Technik, die in den Laboren des EMBLs steht, werde aber nicht nur von Wissenschaftlern des Instituts genutzt, sondern aus ganz Europa.

Labor auf Rädern

In diesem Jahr mussten Wissenschaftler in den Küstenregionen Europas nicht einmal zu einem der sechs Standorte des EMBLs, um dessen Geräte zu nutzen. Mit einem modern ausgerüsteten Labor auf Rädern ist ein Team des Instituts Quer über den Kontinent gefahren.

Von Nordfrankreich ging es an den Küsten der Nord- und Ostsee durch die baltischen Staaten nach Skandinavien und von über die britische Insel zurück an die Atlantikküste Spaniens und Portugals. Bei jeder Station hatten auch örtliche Forscher Gelegenheit, mit dem EMBL zusammenzuarbeiten.

Im nächsten Jahr wolle auch Winker der Expedition einen Besuch abstatten. Dann gehe es nämlich an der Mittelmeerküste entlang von Spanien bis nach Griechenland. Zuvor stattet er aber noch seinem Geburtsort Spaichingen und seiner alten Wirkungsstätte am Gymnasium einen Besuch ab.


Vortrag