Nahwärme

Mancher hat noch Bedenken

Spaichingen / Lesedauer: 3 min

Auch zur zweiten Informationsveranstaltung „Nahwärme“ kommen viele Böttinger
Veröffentlicht:24.07.2015, 19:58

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Groß war das Interesse der Böttinger auch bei der zweiten Informationsveranstaltung zum Thema „Nahwärme“. Interessierte sollten den ausgefüllten Datenbogen bis spätestens 14. August unverbindlich beim Bürgermeisteramt abgeben oder direkt an die Firma Solarcomplex zurücksenden.

Ein überzeugter Zuhörer zog nach der Veranstaltung Resümee: „Warum verzichten manche auf diese Chance? Können die nicht rechnen?“ „Ich möchte nicht arrogant klingen, aber die können in der Tat nicht rechnen“, antwortete Bene Müller . Der Gründungsgesellschafter und Vorstand der Firma Solarcomplex war zum zweiten Mal nach Böttingen gekommen, um die Pläne für das Nahwärmenetz zu erläutern.

Hubert Villing stellte die Frage, ob bei einem unerwarteten Ausfall eines Betriebs die Wärmelieferung gefährdet sei und ob dies zu einem Kostenrisiko für den Wärmepreis führen könnte. Müller verneinte beides, denn die Hackschnitzelanlage wird so ausgelegt sein, dass mit ihr alleine selbst am kältesten Tag des Jahres mehr als alle angeschlossenen Haushalte versorgt werden könnten. Der Preis sei an die Inflationsrate und an die Kosten für Holzhackschnitzel gekoppelt. Falls die Hackschnitzelanlage ausfällt, so versichert Robin Nothofer von Solarcomplex auf Nachfrage, ist ein Ölkessel bereitgestellt, der sofort automatisch anspringt. Solche Fälle seien allerdings sehr selten. Wenn jemals Hackschnitzelanlage und Ölkessel gleichzeitig ausfallen sollten, würde man für die Dauer der Reparatur eine mobile Anlage aufstellen. Das kam aber bisher nie vor.

Jetzt sind alle Böttinger dazu aufgerufen, den Datenerfassungsbogen unverbindlich auszufüllen und bis spätestens 14. August beim Bürgermeisteramt abzugeben oder direkt an die Firma Solarcomplex zu senden. Wer den Bogen ausfüllt, verpflichtet sich zu nichts, sondern unterstützt lediglich die Chance, dass Böttingen die Chance bekommt, von Heizöl unabhängig zu werden. Der Bogen lag kürzlich dem Gemeindemitteilungsblatt bei. Wer keinen hat, kann ihn beim Bürgermeisteramt bekommen. Ans geplante Nahwärmenetz können alle Haushalte mit Zentralheizung angeschlossen werden.

Wenn die Daten der abgegebenen Fragebögen ausgewertet sind, benennt die Firma Solacomplex die Kosten für die Nahwärme. Diese werden etwa 10 bis 30 Prozent unter den Heizkosten für eine Ölheizung liegen. Dann können Interessierte entscheiden, ob sie einen Nahwärmevertrag abschließen. Diejenigen, die bereit sind mitzumachen, beziehen regenerative Energie, sind unabhängig vom Ölpreis, müssen keine Wartungskosten für die bisherige Heizung oder Kosten für Sachverständige für die Überprüfung von Erdtanks zahlen. Wer sein Heizöl im Haus lagerte, kann sich über frei werdenden Platz freuen.

Für Kunden, die den Standardvertrag abschließen, fallen keine Anschlussgebühren an. Ein Standardvertrag lohnt sich in der Regel für Haushalte, die einen jährlichen Energieverbrauch von etwa 1500 Litern Heizöl hatten. Wer deutlich unter diesem Verbrauch liegt, fährt in der Regel mit einem „Mini-Vertrag“ besser. Dann fallen einmalige Anschlussgebühren in Höhe von 3000 Euro an. Während der 20-jährigen Laufzeit kann man von einer Vertragsart jederzeit problemlos in die andere wechseln, allerdings nur einmal. Die Anschlusskosten werden anteilsmäßig berechnet.

Nahwärme kommt von Biogasanlage

Der Kunde schließt einen Wärmelieferungsvertrag mit der Firma Solarcomplex ab und wird 20 Jahre lang mit regenerativer Wärme beliefert, die weniger kostet als bisherige Wärme durch eine Ölheizung. Die Firma Solarcomplex bezieht bei bestehenden Anlagen teilweise auch die Abwärme aus Industriebetrieben ein. In Böttingen soll in erster Linie die Abwärme der landwirtschaftlichen Biogasanlage der Familie Josef Mattes verwendet werden. Ein Defizit soll aller Voraussicht nach mit einer noch zu erstellenden Hackschnitzelanlage ausgeglichen werden.