StartseiteRegionalRegion TuttlingenSpaichingenPflicht zur PV-Anlage auf dem eigenen Dach: Kontrollen stehen an

Grüner Strom

Pflicht zur PV-Anlage auf dem eigenen Dach: Kontrollen stehen an

Spaichingen / Lesedauer: 4 min

Seit anderthalb Jahren müssen auf Neubauten die Anlagen installiert werden. Jetzt bekommen Besitzer Post vom Amt.
Veröffentlicht:11.02.2024, 05:00

Artikel teilen:

Einschlägige Propagandisten drücken gerne mal den seelischen Alarmknopf: Die Solaranlagenpflicht für bestehende Häuser - wie sollen das die Oma und der Opa, die in ihrem 60er-Jahre-Häuschen sitzen und nicht mehr umbauen wollen, nur bezahlen? Gar nicht.

Denn für die Oma und den Opa gilt die Pflicht nicht. Gemeint bei dieser Pflicht sind Neubauten mit Bauantrag ab 1. Mai 2022 und seit 2023 (Baubeginn) für grundlegende Dachsanierungen. Beide Male werden die Investitionen in die Kalkulation einbezogen. 2024 ergeben sich aber Änderungen für die Heizung. Und die betreffen Oma und Opa womöglich schon.

Demnächst kommt Post vom Amt

Aber: Weil die Solaranlagenpflicht auf Neubaudächern und grundlegenden Dach-Sanierungen ein Jahr Frist einhält, weil das Haus ja erst gebaut werden musste, bekommen Häuslesbauer und Dachsanierer demnächst Post vom Baurechtsamt. Da wird dann gefragt, ob und welche Anlagen auf dem Dach installiert sind.

Wir haben das selbst nicht für möglich gehalten.

Ralf Laban

Denn auch wenn diese Angaben keine Voraussetzung für Genehmigungen gewesen waren: Die Pflicht gilt und wird kontrolliert.

Umsetzung der Pflicht wird überprüft

Auch Nicht-Wohngebäude und offene Parkplätze für mehr als 35 Autos mit Bauantrag nach 1.1.2022 werden demnächst kontrolliert. Zwar ist diese vom Regierungspräsidium festgelegte Reihenfolge (statt gleich Voraussetzung für die Baugenehmigung zu sein) aufwändiger für die Baurechtsbehörde, aber jetzt bereite sich die Behörde vor, die Umsetzung der Pflicht nachzuhalten, sagt Baurechtsamtsleiter Christian Frank.

Was sich zum 1.1.2024 verändert hat ist, dass neue - also nicht die bestehenden - Heizungsanlagen zu 65 Prozent aus erneuerbarer Energie gespeist werden müssen. Das hat indirekt natürlich auch etwas mit Photovoltaik zu tun, weil die gerade für wenig gedämmte Häuser notwendige Wärmepumpe mit Strom betrieben wird.

Sonne bringt Anlagen zum Schnurren

Seit einigen Tagen schnurrt die Photovoltaikanlage wieder mehr. Die Besitzer merken, dass die Sonne wieder etwas höher steht. Wer dann per Zeitschaltuhr Wasch- und Spülmaschine nacheinander ab zirka 10 Uhr laufen lässt, kann sie vom selbst produzierten Strom speisen.

Es gibt Leute, die 80 Prozent und darüber hinaus ihres Stromverbrauchs selber produzieren, sagt Ralf Laban von der Firma LR-Solarstrom. „Wir haben das selbst nicht für möglich gehalten, aber sie haben uns die Abrechnungen gezeigt und wir haben uns gefreut.“

Strom verbrauchen, wenn er produziert wird

Voraussetzung ist eben: Strom vor allem dann zu verbrauchen, wenn er produziert wird, beziehungsweise für abends und nachts einen Speicher zu besitzen. Das Übliche sind aber 60 bis 70 Prozent.

Finanziell lohnt sich das Einspeisen des Stromes vom Dach nicht mehr, seit die Einspeisevergütungen nach und nach abgeschmolzen wurden. Aber die Strompreise sind gestiegen und jede selbst verbrauchte Kilowattstunde muss nicht bezahlt werden. eine Häuslesbaueranlage von 13.000 bis 15.000 Euro amortisiere sich in zehn Jahren.

Neubauten aus einer Hand

Labans Firma bestückt in der Regel bereits bestehende Häuser mit PV-Anlagen. Neubauten werden oft aus einer Hand von Baufirmen gebaut und bestückt.

Dann gibt es noch die Firma, die auf Dächern von Hausbesitzern PV-Anlagen installieren, ohne dass es jene einen Cent kostet. Dafür müssen die Hausbesitzer aber den Strom über diese Firma beziehen.

Neuerung für Wallboxen

Neu ist, dass seit 2024 installierte Wallboxen für Autos und Wärmepumpen per Fernschaltung gedrosselt werden können müssen, wenn das Netz überlastet ist. Dann lädt das Auto langsamer, läuft die Wärmepumpe mit geringerer Kraft, es gibt aber eine Entschädigung. Für Hausbesitzer wäre das kaum spürbar, so die Ankündigungen. Erfahrungswerte gibt es noch nicht.

Noch vor zwei Jahren herrschte ein regelrechter Nachfrage-Boom für PV-Anlagen in Spaichingen und Umgebung - Wartefristen ein Jahr. „Jetzt sind wir bei einem halben Jahr“, sagt Laban.

Kredite zu klein für die Bank

Problematisch, so erzählten es die Kunden, sei die Finanzierung über die Bank, KFW-Kredite etwa, da die Banken wegen des Aufwands häufig nicht mehr vermittelten. Zu klein, die Kredite.

Für die Kreissparkasse gelte das nicht, so die Pressesprecherin der KSK Tuttlingen, Abetare Bajraj, auf unsere Anfrage, alle Möglichkeiten würden angeboten. .Aber: Rückzahlungsfähigkeit vorausgesetzt - könne die Kreissparkasse sogar bessere Konditionen anbieten.

Die Kredite der KfW für PV-Anlagen begännen bei 5,21 Prozent Zinsen. Wenn die Finanzierung im Rahmen von größeren Modernisierungs- oder Hausbauten erfolgten, könne hier die Kreissparkasse bei entsprechender Bonität deutlich günstiger liegen, so Bajraj.

Die Kreissparkasse sei derzeit dabei, weitere spezielle Finanzierungslösungen zu entwickeln, um die wirtschaftlich und gesellschaftlich notwendigen Maßnahmen auf dem Weg zur CO2-Neutralität aktiv zu fördern.