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Action trifft Köpfchen

Arnold Schwarzenegger verhilft Schülern zu Weltmeister-Titel

Spaichingen / Lesedauer: 4 min

Die Spaichinger Schüler haben sich an der größten Schule der Welt gegen internationale Konkurrenz durchgesetzt. Der österreichische Action-Held sichert ihnen den Titel.
Veröffentlicht:28.11.2023, 11:50

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Mühelos springt Arnold Schwarzenegger über die völlig eingedellte Autotür und quetscht seinen muskulösen Körper hinter das Lenkrad des gelben Porsche 911 Cabrios. Zwei Einstellungen später fahren er und seine Begleitung mit quietschenden Reifen in die Nacht davon. Die zuvor ramponierte Fahrertür: wie neu. Diese Szene aus dem Film „Das Phantom-Kommando“ aus dem Jahr 1985 ist ein klassisches Beispiel für das, was man in der Filmbranche einen Anschlussfehler nennt.

Spaichinger gewinnen Wettbewerb in Mathe und Logik

Jakob Wengerin und Jonas Müther vom Gymnasium Spaichingen, beide 16 Jahre alt, haben diesen Fehler erkannt. Nicht etwa zuhause vorm Fernseher mit einer Schüssel Chips vor sich, sondern auf einer Bühne vor Publikum in Indien.

Wir hatten Strohbetten und am Anfang waren sehr viele Moskitos im Zimmer.

Jonas Müther

Und weil sie diesen Fehler schneller erkannt haben als Teams aus Thailand, Russland oder Brasilien, dürfen sie sich heute „Champion of Quanta“ nennen. Quanta - so heißt der jährlich ausgetragene internationale Wissenswettbewerb der „City Montessori School“ in Lucknow, Indien. Mit knapp 60.000 Schülerinnen und Schülern ist sie die größte Schule der Welt.

Gemeinsames Team aus Baden-Württemberg holt Gesamtsieg

Mit der Lösung dieser letzten Aufgabe in der Finalrunde haben Jakob und Jonas den 1. Platz in der Kategorie „Mathematics & Mental Ability“ sichergestellt und damit auch entscheidend zum Gesamtsieg für sie und vier weitere Schüler und Schülerinnen aus Baden-Württemberg beigetragen.

Die Vertreter der befreundeten Schülerforschungszentren in Tuttlingen, Lörrach und Stuttgart, die übrigens nicht zum ersten Mal Schüler nach Indien entsendet haben, haben sich als gemeinsame Mannschaft vom 15. bis 18. November in insgesamt sechs Kategorien gegen internationale Schülerteams durchgesetzt und den Pokal ins Ländle gebracht.

Finaleinzug mit Hindernissen

Und das trotz widriger Umstände: „Wir hatten Strohbetten und am Anfang waren sehr viele Moskitos im Zimmer“, sodass erst einmal der Kammerjäger kommen musste, erzählt Jonas. Der Geruch des versprühten Stoffes habe sich noch über mehrere Nächte gehalten. Ihrer Konzentration konnte das offenbar nicht schaden.

Wir haben also nach 20 Minuten abgegeben und alle anderen haben eine ganze Stunde geschrieben.

Jakob Wengerin

Im Gegenteil, sie haben sogar unter besonderen Wettbewerbsbedingungen geliefert: „Jemand hat uns gesagt, dass wir eine Viertelstunde Zeit hätten, obwohl es eine Stunde war. Wir haben also nach 20 Minuten abgegeben und alle anderen haben eine ganze Stunde geschrieben“, erzählt Jakob über die schriftliche Ausscheidungsrunde. „Wir waren alle richtig verwirrt“, ergänzt Jonas lachend.

Gereicht habe es trotzdem, um weiterzukommen. Um Schnelligkeit sei es eigentlich erst später bei den sogenannten „Buzzer“-Runden gegangen. „Wie bei einer Quizshow.“

„Beiwerk“ Mathematik

Allgemein sei der Sieg für die Spaichinger Schüler in „Mathematics & Mental Abilitys“, also in Mathematik und Logik, überraschend gekommen. Denn nominiert „waren sie eigentlich mit Fokus auf den Bereich Robotik“, berichtet Manuel Vogel, ihr Lehrer am Gymnasium Spaichingen.

Beim europäischen Robocup in Kroatien hatten sie den vierten Platz belegt. Mathe und Logik sei eigentlich nur „Beiwerk“ gewesen. In Robotik konnten Jakob und Jonas nicht den gleichen Erfolg einfahren. Ihr Roboter scheiterte am Hindernisparcours.

Mit Poesie bei der Abschlusszeremonie

Den Abschluss des Wettbewerbs bildete am letzten Tag eine fünfstündigen Abschlusszeremonie, bei der die Teams ein Stück Kultur aus ihren jeweiligen Ländern zum besten gegeben haben. „Wir dachten, es muss nichts besonderes sein. Aber dann kommen wir da an und alle tanzen“, erinnert sich Jakob und muss schmunzeln. „Wir haben deswegen noch ein Gedicht von Goethe vorgetragen.“

Nach den Anstrengungen des Wettbewerbs hatten die Schüler aus Baden-Württemberg noch einige Tage Gelegenheit, sich andere Orte Indiens anzuschauen. Das Taj Mahal ist den beiden genauso im Gedächtnis geblieben wie der Verkehr in den Städten Lucknow und Delhi. „Zum Glück wurden wir gefahren, sonst hätten wir das nicht überlebt“, scherzt Jakob.

Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf

Zurück in Spaichingen bereiten sie sich auf ihren nächsten Wettkampf vor. Am Schülerforschungszentrum in Tuttlingen, das ihnen die Teilnahme in Indien ermöglicht hat, basteln sie weiter an ihrem Roboter. Damit wollen sie beim nationalen Robucup im Februar auch in ihrer eigentlichen Kernkompetenz, der Robotik, wieder an alte Erfolge anknüpfen.