StartseiteRegionalRegion TuttlingenSpaichingenStadt lässt knapp 30 Bäume fällen

Eingriff in die Natur

Stadt lässt knapp 30 Bäume fällen 

Spaichingen / Lesedauer: 4 min

Wiedermal geht es Bäumen im Spaichinger Stadtgebiet an den Kragen. Doch diesmal gibt es dafür gute Gründe - das war nicht immer so.
Veröffentlicht:10.02.2024, 17:00

Artikel teilen:

25 Pappeln, vier Birken und jede Menge Sträucher müssen bis Ende Februar weg. Der Umgang mit Bäumen im öffentlichen Raum Spaichingens unter der Ägide des Bürgermeister-Vorgängers ist eine ganz heiße Sache gewesen.

Zu viele Bäume wurden einfach abgeholzt oder vielleicht sogar auf Anweisung, so gestutzt, dass sie in den folgenden Jahren von selbst sterben sollten. Das ist inzwischen vollständig anders. Spaichingen hat in der Gärtnerei einen versierten Chef, dem etwas an der Natur liegt, und zwei Baumpfleger, die sich sachkundig um die Bäume kümmern. Jetzt müssen trotzdem einige Bäume fallen - diesmal aber mit gutem Grund.

Nicht mehr genug Wasser in der Krone

Vier Birken auf dem Friedhof sind schwer krank. Eine wird schwer vom Halimaschpilz geplagt, die anderen haben nicht mehr genügend feine Wurzeln - die sterben bei Trockenheit -, und deshalb gelangt nicht mehr genug Wasser in die Krone.

Und bei einer Birke wurden große Wurzeln gekappt bei der Neuanlage der Urnengräber. Kurz, diese Bäume werden ab Montag mit einer Hebebühne Stück für Stück gefällt, um zu verhindern, dass herabfallende dürre Äste Menschen verletzten.

Teile des Friedhofs gesperrt

Teile des Friedhofs werden also nächste Woche gesperrt sein, vielleicht auch noch übernächste Woche.

Dies aber nicht alles, was es zu den Spaichinger Stadtbäumen zu vermelden gibt und was im Statusbericht von Stadtgärtner Stefan Gaus steht. Zweites „Schlachtfeld“ wird das schon durch die Bauarbeiten links und rechts arg gerupfte Biotop hinter der Firma Nudelmacher.

Kanadische Pappeln werden nicht alt

Dort stehen 25 kanadische Pappeln, die schnell wachsen, aber auch schnell ihr Lebensende erreichen: Sie werden nur 60 bis 80 Jahre alt, bis sie absterben.

Für alle Hundebesitzer und Spaziergänger: Während der Arbeiten kann es sein, dass es auf dem Fußweg zu Beeinträchtigungen kommt.

Mitteilung der Stadt

Gaus vermutet, die betroffenen Bäume sind deshalb in einem sehr schlechten Zustand, weil sie an ihr Lebensende kommen. Sie werden auch noch vor Ende Februar gefällt. Einige Stämme bleiben als Lebensraum Totholzbaum stehen.

Feuchtgebiet ist ein Naturdenkmal

Und dann gibt es noch eine weitere Stelle, an der eine Firma aus Tuningen beschäftigt sein wird: Hinter dem Schwalbenweg zum Michelfeld hin bis hin zum Fußweg zur Aldinger Straße liegt das 1995 ausgewiesene „ Flächenhafte Naturdenkmal“ „Feuchtgebiet im Gewann Dörre“. Hier gibt es unter anderem geschützte Tümpel, Rohrkolben-Röhrichte, Nasswiesen und Feldgehölze.

Als Stadtgärtner Gaus danach sah, wurde klar: Nichts ist mehr so, wie es damals war, die Pflege hatte gefehlt. Jetzt wird die gesamte Fläche in zwei Abschnitten 2024 und 2025 gepflegt und in den ursprünglichen Zustand gebracht.

Der erste Abschnitt wurde an ein Landschaftspflegeunternehmen aus Bärenthal vergeben. Die Arbeiten beginnen im Laufe des Februars.

Beeinträchtigungen beim Gassigehen

Die Stadt lässt wissen: „Für alle Hundebesitzer und Spaziergänger: Während der Arbeiten kann es sein, dass es auf dem Fußweg zu Beeinträchtigungen kommt.“

Dass dort etwas geschehen muss, ist klar, die letzten Wasserpflanzen kümmern so vor sich hin, ein Entenpaar ist offenbar keine Störung gewohnt und fliegt laut protestierend davon, die ersten Singvögel balzen sich bereits an, alles ist verbuscht, im Sommer kommt da keine Sonne mehr durch.

Ab März brüten die Vögel im Gehölz

Doch warum muss jetzt alles gleichzeitig und bis Ende Februar sein? Weil Vögel zwischen März und Oktober ihre Jungen in den Gehölzen aufziehen, ist es nach Bundesnaturschutzgesetz verboten in der Zeit Bäume zu fällen und Hecken zu schneiden.

Insgesamt hat die Stadt 2928 Bäume im Baumkataster, dazu kamen bei der Kontrolle weitere 1866, sodass jetzt 4794 Bäume erfasst sind. Rund 750 Maßnahmen waren nötig - Beschnitte, Efeuentfernung oder eingehende Untersuchungen. 327 hat Gaus mit seinem Team schon abgearbeitet.

Bei elf Bäumen muss der Baumpfleger ran, acht davon müssen eventuell gefällt werden.

Für die Spaichinger wird’s bitter

Bitter wird es für die Spaichinger, wenn kurz- beziehungsweise mittelfristig die wunderschön blühenden und sich rot färbenden Blutpflaumen an der Dreifaltigkeitsbergstraße gefällt werden müssen. Eine ist schon umgefallen. Wahrscheinlich wurde ein Pilz bei den häufigen Pflegemaßnahmen eingeschleppt und verbreitet, vermutet Gaus.

Als Ersatz solle, so war auch die Meinung der TA-Mitglieder, an diese repräsentative Straße wieder ein so schön blühendes Gehölz gepflanzt werden.

Lösung für die Kreuzplatzlinden

Die von vielen sehr geliebten Kreuzplatzlinden haben nicht nur unter den rabiaten Schnitten an der Krone gelitten, sondern auch durch die Verdichtung des Bodens durch schwere Baumaschinen. Hier hat Stadtgärtner Gaus eine Lösung: Man kann Luft in den Boden Pressen und ebenso Gesteinsmehl, um den Boden aufzulockern, zu düngen und damit das Wachstum des zerstörten Feinwurzelwerks wieder anzuregen. Vielleicht überleben die Bäume dann doch länger als befürchtet.

Eine Idee, die gerade im Zusammenhang mit diesen Linden vor langem auch Stadtrat Zdenko Merkt eingebracht hatte, brachte jetzt auch der Stadtgärtner auf: eine Baumschutzsatzung.

Verkehrssicherungspflicht gilt auch für Privatleute

Im Rahmen von dieser könnte das Team der Stadtgärtnerei auch für Privatleute, die sich ja ebenfalls an die Verkehrssicherungspflicht halten müssen und dann auch für die Sorge der Bäume mit in die Pflicht genommen werden, beratend zur Seite stehen.

Ansonsten für 2024 gilt: Spaichingen wird weiter grüner und grüner nach der Stein- und Betonzeit. Sogar auf dem Marktplatz soll wieder Grün einziehen. Wir werden berichten.