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Anlaufstelle

Wie die Gegend zu seinen Geistern kam

Seitingen-Oberflacht / Lesedauer: 3 min

Zahlreiche Besucher lauschen im Museum Seitingen-Oberflacht alten Sagen
Veröffentlicht:26.02.2018, 17:32

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Das Museum in Seitingen-Oberflacht ist Anlaufstelle für 50 große und kleine Besucher gewesen, die mehr über Geister, Räuber, aber auch gute Menschen und andere skurrile Personen aus der Region erfahren wollten. Die Tuttlingerin Birgit Leibold hielt eine Märchenstunde ab, in der es um nicht nur regionale Sagen ging, die bis heute erzählt werden.

Sagen, so Brigit Leibold , seien mündlich überlieferte Erzählungen, die oft an historische Ereignisse, Personen oder Orte erinnern, und mit erfundenen Fakten ausgeschmückt wurden. So zeigt die Statue „Mutter Baar“ an der Donauquelle in Donaueschingen der Donau den Weg. Ein Zeitgenosse wollte einmal durch das Absperren des Wassers den Wienern zeigen, wie mächtig die Quelle ist.

Ganz in der Nähe ist die Kolbinger Steige. Dort soll sich der Vogt Kolb ab und an noch bemerkbar machen. Ein Bursche aus Mühlheim überfiel vor 200 Jahren eine Bäuerin, die gerade mit einem vollen Korb auf dem Weg von Kolbingen nach Mühlheim war. Entsetzt lief sie heim. Der Bursche machte sich nach dem Mahl Richtung Kolbingen auf. Dort angekommen, wurde er gleich geschnappt und zum Tode verurteilt. Allerdings wurde das Urteil um sechs Wochen verschoben und der Bursche kam auf freien Fuß, sollte sich aber in sechs Wochen zur Hinrichtung wieder in Kolbingen melden.

Er tat dies tatsächlich. Seine Ehrlichkeit beeindruckte so sehr, dass man ihn zum Vogt ernannte. Er soll noch heute über die Steige ziehen. Eine bekannte Figur in Tuttlingen ist der Kannitverstan. Ein Handwerksbursche aus Tuttlingen kam in Amsterdam an und betrachtete die prunkvollen Bauten und Schiffe.

Auf Nachfragen, wem dieser Reichtum gehöre, bekam er immer die Antwort: Kannitverstan – wobei er dies auf eine Person bezog, die Holländer aber nur gesagt haben: „Kann nicht verstehen“. In der Heimat angekommen, erzählte er seine Erlebnisse mit dem Herren Kannitverstan, und bis heute erinnert die Figur an diese Geschichte.

In Seitingen-Oberflacht gibt es hinter dem Kirchberg Richtung Filder die Anstatt mit der Eustasiuskapelle. Auch dort gibt es ein Relikt aus vergangenen Zeiten mit einer interessanten Geschichte, was den Namen und die Herkunft angeht. Ein weiteres Gebiet ist der Hohenkarpfen. Dort hausten schon allerlei Personen, und die Gemäuer auf dem Berg wurden für die verschiedensten Zwecke benutzt.

Mystisches Ambiente im Museum

Der Sage nach soll es dort oben einen Schatz geben. Der Name soll seinen Ursprung vom Adel haben, der allerdings etwas anders ausgesprochen wurde. Woher die Karpfen im Gemeindewappen kommen, darüber gibt es auch nur Spekulationen. Aber heute noch sollen die Geister den Berg und den Schatz behüten. Bei der Fasnet sind diese Geister auch noch für den Narrenverein Seitingen-Oberflacht aktiv und weisen so auf die Geschichte des Hohenkarpfens hin.

Einige der Besucher der Sagenstunde konnten sich in die Sagen einbringen und ergänzten den Vortrag. Viele waren beeindruckt, weil in jeder Sage ein Funken Wahrheit steckt, der bis dato unbekannt war. Musikalisch untermalt wurden die Zaubersagen ebenfalls von Brigit Leibold und ihrer Querflöte, die damit ein mystisches Ambiente zauberte.