StartseiteRegionalRegion TuttlingenRottweilDer kleine Krebspatient Daniel ist am Montag in Kamerun gestorben

Traurige Nachricht

Der kleine Krebspatient Daniel ist am Montag in Kamerun gestorben

Rottweil / Lesedauer: 4 min

Das Schicksal des kleinen Daniel aus Kamerun hat viele bewegt. Auch aus Spaichingen und Umgebung. Nun ist der Sechsjährige nur drei Wochen nach seiner Heimkehr gestorben.
Veröffentlicht:27.11.2023, 17:05

Von:
Artikel teilen:

Daniel, der kleine Junge aus Kamerun, viele kennen ihn, viele, auch aus Spaichingen und Umgebung, haben ihm geholfen und viele haben die letzten zehn Monate verfolgt, wie es ihm geht, ist am Montag in Kamerun gestorben.

"Ohne Schmerzen und ohne Kampf ist Daniel innerhalb von wenigen Minuten in seinem Bett eingeschlafen und wachte nicht mehr auf. Das mussten uns die Ärzte vom Krankenhaus in Meiganga am vergangenen Montag mitteilen.

Trost in der Trauer

Somit ist Daniel bereits drei Wochen nach seiner Rückkehr in seine Heimat friedlich verstorben. Noch am Tag vor seinem Tod war er auf, hatte gespielt. Zwar schon etwas müde, aber ohne Schmerzen“, berichtet die Rottweiler Zahnärztin Houma Kustermann.

Das ist schon etwas tröstlich, dass es ein so friedliches Ende gefunden hat.

Houma Kustermann

„Das ist schon etwas tröstlich, dass es ein so friedliches Ende gefunden hat.“ Kustermann und ihr Partner Jürgen Reiter hatten den kleinen Jungen am 5. Februar dieses Jahres mittels einem Notfallvisum nach Deutschland zur Behandlung gebracht.

Zunächst sahen die Überlebenschancen von Daniel nicht sonderlich gut aus. Aber die Ärzte und das Onkologische Team von Prof. Dr. Martin Ebinger, leitender Oberarzt der Kinder-Onkologie an der Uniklinik Tübingen, waren nach und nach optimistisch, weil der Tumor so gut angesprochen hatte auf die Behandlung mit den Chemotherapien.

Wieder zum Leben aufgewacht

„Auch Daniel vertrug die Behandlung unglaublich gut. Das schwerkranke Kind wachte wieder zum Leben auf. Durch alle Chemo-Blöcke hinweg blieb er lebensfroh. Nahezu unkaputtbar.“, erzählt Jürgen Reiter

Die große Empathie und phänomenale Spendenbereitschaft, die Daniels Fall erfahren durfte, machte es möglich, die Kosten seiner Behandlungen an der Universitätsklinik bezahlen zu können. Ende Juni kam dann der erste Rückschlag.

Neun Chemotherapie-Blöcke

Nach sechs Chemotherapie-Blöcken, berichteten die Ärzte, der Tumor sei immer noch aktiv. Die am 26. Juni geplante Operation konnte nicht stattfinden, drei weitere Chemo-Blöcke waren notwendig. Der Tumor sollte möglichst inaktiv sein, um seine Prognose auf Heilung reell zu halten

Am 30. August erfolgte dann die Operation. Nach sechs Stunden Operationszeit konnte Prof. Dr. Jörg Fuchs, einer der Neuroblastom Referenz-Chirurgen Europas und leitenden Chefarzt der Kinderchirurgie an der Universitätsklinik Tübingen, mitteilen, dass der Tumor „in toto“, also gänzlich, entfernt wurde.

Allerdings sei es nicht einfach gewesen, man hoffe den richtigen Zeitpunkt gefunden zu haben, denn Teile des Tumors waren immer noch aktiv.

Alle Schritte gegangen

Vier Wochen später folgte die geplante EMIBG, die Zerstörung der Tumorzellen durch Bestrahlung, über die Blutbahn. Diese drei Schritte: Chemotherapie, Operation und Bestrahlungen sind die grundlegenden Schritte, um ein undifferenziertes Neuroblastom zu behandeln.

„Nach dem Abschluss dieser Schritte Ende Oktober mussten die behandelnden den Ärzte bei den Kontrolluntersuchen feststellen, dass der Tumor sich nicht hatte aufhalten lassen. Im Gegenteil, er zeigte plötzlich hohe Aktivitäten! Das war nicht gut“, so Houma Kustermann.

Zuhause noch einmal aufgeblüht

In Absprache mit Daniels Eltern wurde daraufhin die sofortige Rückreise organisiert, um Daniel noch möglichst viel Zeit mit seiner Familie zukommen zu lassen. Und zuhause angekommen, blühte er regelrecht auf.

Wir wurden Zeugen dessen, dass wenn wir Menschen Daniel das Leben hätten schenken können, Daniel das bestmögliche Leben erhalten hätte.

Daniels Vater

Er war wieder der alte, unbeschwerte Daniel. „Wir waren voller Hoffnung, dass es ihm noch lange so geht“, erzählt Kustermann. Dem war aber leider nicht so, er war äußerlich stark, aber seine Blutwerte wurden immer schlechter und so ist er immerhin ohne Leiden gestorben.

Salomon, Daniels Vater, sagte dazu: „Wir wurden Zeugen dessen, dass wenn wir Menschen Daniel das Leben hätten schenken können, Daniel das bestmögliche Leben erhalten hätte. Einzig Gott schenkt das Leben. Einzig Gott nimmt es wieder.

Gott hat Daniel wieder zu sich gerufen. Wir sind sehr traurig.“

Viele glückliche Momente

Die enge Helfergruppe um Daniel hat folgendes formuliert: „Daniel war neun Monate lang mit seinem Vater bei uns. Trotz den Belastungen seiner Behandlung hatte er viele sehr glückliche Momente.

Die Solidargemeinschaft, die sich für ihn gebildet hat, hat es ihm ermöglicht eine wunderbare, wenn auch nur kurze, Kindheit erleben zu lassen. Als Menschen sind wir über unsere Möglichkeiten hinausgewachsen, haben einem fremden Kind das alles ermöglicht, was wir nur unseren eigenen Kindern möglich machen würden.

Gottesdienst am 5. Dezember

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass er nicht mehr leiden muss. Und das Erbe, das er uns hinterlässt: Uns als Gemeinschaft und das Vertrauen, dass er bei Gott ist. Das ist unser Trost.“

Am Mittwoch, 5. Dezember, um 17 Uhr findet in der Predigerkirche Rottweil ein Gottesdienst für Daniel statt.