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Mühlheims größter Männerchor ist auf Tour

Mühlheim / Lesedauer: 3 min

Beim Sagt-er werden kuriose Begebenheiten ausgepackt. Vorsänger Raphael Krämer macht da auch vor der Lokalprominenz nicht Halt.
Veröffentlicht:12.02.2024, 17:08

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Mühlheims größter Männerchor ist am Rosenmontag einmal mehr durchs Städtle gezogen. Vorsänger Raphael Krämer glossierte kuriose Begebenheiten des vergangenen Jahres und bekam dafür Zuspruch von den Sagt-er-Mannen. Neben Stadtarchivar Ludwig Henzler wurden unter anderem auch Stettens Ortsvorsteher Emil Buschle sowie Bürgermeister Jörg Kaltenbach aufs Korn genommen.

1892 wird das Sing- und Rügespiel erstmals in Mühlheim aufgeführt

Pünktlich um 9 Uhr marschierte die Sagt-er-Schar durchs Stadttor. Angeführt wurde der Tross von Raphael Krämer, gekleidet mit roter Weste, kariertem Frack und Zylinder. Umringt von seinen Sagt-er-Mannen, allesamt in weißen Hemden sowie mit rotem Halstuch und schwarzen Mützen mit Zottel ausgestattet, besang Krämer so manches Malheur.

Linda Seiss

„Hiermit stell ich / Ihnen vor / Mühlheims größten / Männerchor. Dieser wird / vor allen Dingen / was hier geschah / in Versen singen“, führte der Sagt-er ein. Das Sing- und Rügespiel wurde übrigens das erste Mal 1892 in Mühlheim aufgeführt. Balthasar Leibinger hatte diese Idee von einem Besuch in Berlin mit nach Hause gebracht. Inzwischen ist diese Tradition nicht mehr wegzudenken.

Zotteln fliegen durch die Luft

Nach jedem Vers bestätigen die Sagt-er-Mannen - und auch die zahlreich anwesenden Kinder - das Gehörte: Sowohl mit einem lauten „Sagt er“, als auch einem kräftigen Nicken, bei dem die Zotteln durch die Luft fliegen. So auch, als Krämer pikante Details erzählte. „Beim Morgenduschen / die Nachbarn sehen / Karl-Heinz Schlesier / im Garten stehen. Einmal vergaß er / d’Badhos unbewusst / und Susen sah / sein Schniedelwutz!“

Linda Seiss

Mit lachenden Gesichtern stimmten die Sagt-er-Mannen ein und sagen den Refrain: „Tiralla-lalla-lalla-la - Tiralla-lalla-la!“, gekrönt von einem beherzten „Juuzger“ (fastnächtliches Jauchzen und Frohlocken). Dazu hakten sie sich in Zweier- oder Dreiergruppen zum Ringelreihen ein.

Linda Seiss

Auch am Narrenbrunnen sowie dem Rathaus gab der Vorsänger lustige Begebenheiten preis. „Es gratulierte / der Bürgermeister / zum Geburtstag / Herrn Jakob Schweitzer. Was nicht ganz stimmte / drum zog er heiter / zu Rudl Schweizer / drei Häuser weiter.“ Bei manchem Vers, mit Vorstellung und Abschluss waren es 16 an der Zahl, lieferte Krämer gar eine Showeinlage. Eine Zahnlücke imitierte er, als er eine Geschichte von Stadtarchivar Ludwig Henzler auspackte.

Krämers Ausblick: „Im nächsten Jahr sind andere dran“

„Olivensteine / im Mund abnagen / und dann bei Henzlers / im Topf vergraben. Mit Luft in den Zähnen / wurd Ludwig klar / dass der Kern / sein Stiftzahn war.“ Dieser nahm es mit Humor und stieg lachend in den Ringelreihen ein.

Linda Seiss

Auch Emil Buschle, Stettens Ortsvorsteher und Tuttlingens Erster Bürgermeister a.D., wurde besungen. „Ein Stationenweg / mitsamt Kapelle / plant Emil für Stetten / auf alle Fälle. Dann kommen Pilger / in großer Zahl / zum Nuntius Pacis / seinem Denkmal.“

Linda Seiss

Nach insgesamt fünf Stationen war der Spaß dann vorbei. Doch Krämer machte klar: „So nun wäre / ich am Schluss / aber Bitte / kein Verdruss. Es tue jeder / was er kann / im nächsten Jahr / sind andere dran.“