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Bürgerentscheid

Kolbingen will keine Windräder

Kolbingen / Lesedauer: 3 min

Ob im Gewann „Gihwinkel“ zwei Windkraftanlagen errichtet werden sollen — darüber haben die Kolbinger am 2. Juli in abgestimmt. Das Ergebnis war eindeutig.
Veröffentlicht:02.07.2023, 18:50

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In Kolbingen wird es so schnell keine Windkraftanlagen geben. Zwei Drittel der Bürger stimmten am Sonntag bei einem Bürgerentscheid gegen die Pläne, Windräder zu errichten. 

66 Prozent sprachen sich nun gegen die Windräder aus, 34 Prozent dafür. Diese Zahlen gab Bürgermeister Christian Abert nach der Auszählung am Sonntagabend bekannt. Erfreulich für ihn dabei: Die Wahlbeteiligung lag bei 65 Prozent der Wahlberechtigten, 666 von möglichen 1024 Stimmen wurden abgegeben. Vier Stimmen waren ungültig. 

Bei der Auszählung des Bürgerentscheids.
Bei der Auszählung des Bürgerentscheids. (Foto: Kornelia Hörburger)

Zwei Grundstücke zur Pacht angefragt

„Soll die Gemeinde Kolbingen Flurstücke auf dem Gewann Gihwinkel für die Errichtung von zwei Windenergieanlagen verpachten?‟ – Die Antwort auf diese Frage hatten Gemeinderat und Bürgermeister den Kolbinger Bürgern in einer Bürgerbefragung am Sonntag überlassen. Denn das Vorhaben galt als umstritten. Schon 2020 hatte die Firma Enercon Anlagen bauen wollen, sich dann aber zurückgezogen. Nun kam die Anfrage von der Firma Atteric. 

Nach der Auszählung äußerten sich die Initiatoren allesamt zufrieden mit dem Verlauf der Wahl. „Ich bin froh über die hohe Wahlbeteiligung‟, sagte Bürgermeister Christian Abert. Er freute sich sehr darüber, dass so viele Kolbinger die Gelegenheit zur Mitentscheidung wahrgenommen hätten: „Das bestätigt unsere Entscheidung für eine Bürgerbefragung.‟ Abert geht davon aus, dass sich die Bürger, auch durch die Informationsveranstaltung im Vorfeld, mitgenommen gefühlt haben.

Bürgermeister war eigentlich dafür 

Abert hatte die Pachtanfrage von Atteric an die Gemeinde befürwortet. Deshalb sagte er weiter: „Ich bin nicht begeistert vom Ergebnis, aber zwei Drittel zu einem Drittel sprechen eine klare Sprache. Ich werde das selbstverständlich respektieren, akzeptieren und umsetzen.‟

„Ich bin schon enttäuscht, denn ich war ja dafür. Aber gewählt ist gewählt.‟

Gemeinderat Torsten Eichhorn

Fünf Gemeinderäte hatten sich im Vorfeld für und fünf gegen die Windräder ausgesprochen. Gemeinderat Torsten Eichhorn sagte nach der Wahl: „Ich bin schon enttäuscht, denn ich war ja dafür. Aber gewählt ist gewählt.‟ Und auch Eichhorn war froh, dass so viele Kolbinger ihr Votum abgegeben und so als Bürger die Entscheidung herbeigeführt hätten.

Jetzt geht die Suche nach Alternativen los

Gemeinderat Christian Dieth hatte sich im Vorfeld gegen das Projekt ausgesprochen. „Ich bin sehr erleichtert darüber, dass das Ergebnis so eindeutig ausgefallen ist‟, kommentierte Dieth die Wahl. „Jetzt müssen wir Alternativen erarbeiten.‟

„Ich bin sehr erleichtert darüber, dass das Ergebnis so eindeutig ausgefallen ist.‟

Gemeinderat Christian Dieth

Diese Aufgabe, Alternativen zur Energiegewinnung zu entwickeln, nannte auch Gemeinderat Kurt Schad als nächste Aufgabe. Er räumte dabei auch ein, dass er in erster Linie den Standort Giwinkel für ungeeignet gehalten habe.

Respektvoller Umgang betont

Schad und Dieth betonten, dass die Gemeinderäte trotz gegensätzlicher Auffassungen und inhaltlich kontroverser Diskussionen stets respektvoll miteinander umgegangen seien. Dieth erklärte: „Deswegen können und werden wir heute Abend auch alle gemeinsam noch zusammensitzen und etwas trinken.‟

Geplant waren nordwestlich des Sportplatzes zwei Windräder mit einer Turmhöhe von 175 Metern und eine Flügellänge von 86 Metern. Höchster Punkt wäre demnach in 260 Meter Höhe. Solche Anlagen haben laut Alterric pro Jahr einen Ertrag von 30 Millionen Kilowattstunden. Damit ist rein rechnerisch die Versorgung von 10.000 Haushalten möglich