StartseiteRegionalRegion TuttlingenIrndorfUnprofessionell: Bürgermeister kritisiert Raiffeisenbank und erhebt Vorwürfe

Eine Gemeinde ist verärgert

Unprofessionell: Bürgermeister kritisiert Raiffeisenbank und erhebt Vorwürfe

Irndorf / Lesedauer: 5 min

Die Bank schließt drei Filialen. Das sei schlecht kommuniziert worden, so ein Vorwurf eines Bürgermeisters. Der Vorstand wehrt sich gegen die Kritik.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:00

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Die Raiffeisenbank Donau-Heuberg schließt zum Ende des Jahres drei Filialen: Mahlstetten, Buchheim und Irndorf. Glücklich ist darüber niemand aus den Gemeinden. In Irndorf aber ist man „verärgert“, wie Bürgermeister Jürgen Frank nun in einem offenen Brief an Vorstand und Aufsichtsrat schreibt. Er wirft der Bank unprofessionelles Verhalten und schlechte Kommunikation vor. Bei der Raiffeisenbank sieht man das gänzlich anders.

In der Novembersitzung habe sich der Gemeinderat mit der Schließung der Filiale befasst und „sein größtes Unverständnis für diese Maßnahme ausgedrückt“, schreibt Frank in seinem Brief, der unserer Redaktion vorliegt.

Er kritisiert, dass weder die Gemeinde, noch er selbst oder der Gemeinderat im Vorfeld der Entscheidung oder danach darauf angesprochen oder informiert worden seien. Stattdessen habe man es aus „einer lapidaren Pressemitteilung erfahren“ müssen.

Bank ist „sichtlich überrascht und irritiert“

Bei der Raiffeisenbank war man „sichtlich überrascht und irritiert“ von dem Brief, wie Vorstand Matthias Frei in einer Stellungnahme schreibt. Darin schildert er einen gänzlich anderen Ablauf. Der Vorstand habe die Bürgermeister der drei betroffenen Gemeinden im Oktober kontaktiert und um einen persönlichen Gesprächstermin gebeten.

In Buchheim und Mahlstetten sei ein solcher auch zustande gekommen und man habe über die bevorstehenden Schließungen und die Ursachen informieren können.

Vorstand: Bürgermeister hatte keine Zeit

Ebenso habe man versucht, einen Gesprächstermin mit Herrn Frank zu bekommen. „Leider ohne Erfolg. Er teilte uns mit, dass er aus zeitlichen Gründen in diesem Jahr keinen Termin mehr mit dem Vorstand der Raiffeisenbank Donau-Heuberg vereinbaren kann.“

Dass man in Irndorf nun über die Tagespresse von der Filialschließung erfahren musste, bedauere er, so Frei in seinem Schreiben. Aber: Das „haben wir jedoch an dieser Stelle nicht zu vertreten“.

Frank kritisiert weiterhin, dass die Leidtragenden die Irndorfer seien, vor allem die älteren, die kein Onlinebanking haben oder ohne weiteres über die verbleibenden Zweigstellen an Bargeld gelangen könnten. Darüber hinaus sei der „Frust nach der Filialschließung seitens der Kreissparkasse immens“ gewesen.

Bürger erwarteten „Rücknahme dieser Entscheidung“

Danach seien viele Irndorfer zur Raiffeisenbank gewechselt in dem Vertrauen auf die Zusicherung des Vorstandes, dass „die Zweigstelle Irndorf auf lange Sicht erhalten“ bleibe.

Daher sei die Bevölkerung nun verärgert und „erwartet die Rücknahme dieser Entscheidung“. Oder zumindest „eine weitere Gewährleistung von Dienstleistungen (Bargeldausgabe)“.

Ich wurde frühzeitig in einem Gespräch informiert und von der Schließung in Kenntnis gesetzt.

Benedikt Buggle

Den vielen Faktoren, die 2017 zur Filialschließung der Kreissparkasse geführt hätten, könne sich nun auch die Raiffeisenbank „nicht länger verschließen“, so Frei. „Wir haben seit diesem Zeitpunkt jedoch über viele Jahre die Versorgung vor Ort gewährleistet und sind unserer Zusicherung von damals auch nachgekommen.“ Doch das stark veränderte Kundenverhalten und vor allem fehlendes Personal „zwingen uns nun leider diesen Schritt zu gehen“.

In Buchheim und Mahlstetten ist man zwar über den Wegfall an Infrastruktur auch nicht glücklich, hat aber Verständnis. „Ich wurde frühzeitig in einem Gespräch informiert und von der Schließung in Kenntnis gesetzt“, sagt Benedikt Buggle, Bürgermeister von Mahlstetten, auf Nachfrage. Darüber hinaus habe die Raiffeisenbank auch ganz formell gekündigt, da sie ihre Filiale in den Räumen des Rathauses betreibt.

Nicht schön, aber nachvollziehbar

Klar, sei das gerade in einer kleinen Gemeinde ein Verlust, aber er könne es auch nachvollziehen. „Wenn nur zwei Kunden während der Öffnungszeiten kommen, dann ist das frustrierend.“

Einen Geldautomaten wird es laut Buggle nach der Filialschließung nicht geben. Das sei wohl angedacht gewesen, aber schlussendlich sei es zu teuer und zu aufwändig. Matthias Frei bestätigt das: In keiner der drei Gemeinden sei ein Geldautomat vorgesehen.

Ähnlich sieht man das in Buchheim, wie Bürgermeisterin Claudette Kölzow schon vor ein paar Wochen mitteilte. Sie wurde Ende Oktober von der Bank informiert. Sonderlich glücklich sind weder sie noch der Gemeinderat, aber man könne sich auch nicht vor den Tatsachen wie Personalmangel und ein deutlicher Rückgang an vor Ort getätigten Transaktionen verschließen.