StartseiteRegionalRegion TuttlingenImmendingenRückkehr nach 100 Jahren: Gemeinde ergattert seltenes Sammlerstück

Wahre Rarität

Rückkehr nach 100 Jahren: Gemeinde ergattert seltenes Sammlerstück

Immendingen / Lesedauer: 3 min

Ein Zeitungsbericht machte den Museumsleiter auf das Stück aufmerksam. Es offenbart etwas über die Immendinger Geschichte, das bisher kaum jemand wusste.
Veröffentlicht:22.11.2023, 11:50

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Das Immendinger Heimatmuseum ist um eine Rarität reicher. Der Gemeindeverwaltung ist es gelungen, einen vor hundert Jahren in der damaligen Maschinenfabrik entwickelten und produzierten Benzinmotor erwerben zu können. Das Exponat kann bei der Öffnung des Museums zum Weihnachtsmarkt am Sonntag, 3. Dezember, von 14 bis 16 Uhr, besichtigt werden.

Der Motor, der bei 3000 Umdrehungen pro Minute acht PS leistete, hat schon einen weiten Weg hinter sich, bis er nun wieder an den Ort seiner Herstellung zurückkehrte. Von einem Sammler im englischen Edinburgh erworben, kam er in der Folge in das Eigentum eines Professors der Technischen Universität Wien.

Durch einen im Internet veröffentlichten Zeitungsbericht kam das Rathaus mit dem Eigentümer in Kontakt und nutzte die Möglichkeit, das gute Stück aus dessen Privatsammlung erhalten zu können.

Motorhersteller der 1920er-Jahre

Kaum bekannt ist, dass um jene Zeit in Immendingen bereits Verbrennermotoren gefertigt wurden. In der Betriebschronik, die in wesentlichen Teilen auf den langjährigen Mitarbeiter Josef Schmid zurückgeht, wird berichtet, dass zu Beginn der 1920er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zunächst luftgekühlte Motoren gebaut wurden, die in die ebenfalls hergestellten Sport- und Tourenmotorräder eingebaut wurden.

Namhafte Rennfahrer der damaligen Zeit haben die Beschleunigung und Leistung der Maschinen auch bei Rennen am Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen und am Schauinsland getestet.

Bauhofleiter Peter Disch (links) und Hans-Peter Kornmaier aus dem Immendinger Bauhof, polieren den Motor für die Präsentation im Museum auf.
Bauhofleiter Peter Disch (links) und Hans-Peter Kornmaier aus dem Immendinger Bauhof, polieren den Motor für die Präsentation im Museum auf. (Foto: Gemeinde Immendingen )

Die Fertigung der Motorräder wurde mit der Zeit eingestellt und durch den Bau von stationären Motoren ersetzt. Das Unternehmen firmierte damals unter der Bezeichnung „Maschinenfabrik Immendingen, Inhaber Johann Georg Mehne“. Daraus entstand die Bezeichnung „Mehne-Motoren“. Gebaut wurden zehn verschiedene Typen mit einer Leistung von einem bis 30 PS, die vielfach in tragbare Feuerlöschpumpen eingebaut wurden.

Bis zu hundert Stück pro Monat

Mit in die weitere Motorenentwicklung einbezogen wurde um 1930 der Immendinger Ingenieur Josef Iwangoff, der einen noch leistungsstärkeren Typ konstruierte. In der Blütezeit verließen monatlich bis zu hundert Stück das Werk. Der Hauptteil ging an den Inlandsmarkt an bekannte Feuerlöschgerätefirmen wie Metz, Karlsruhe, Magirus, Ulm und andere mehr. Abnehmer gab es jedoch auch aus der Schweiz, Schweden, Österreich und Jugoslawien.

Neben dem Feuerlöschmarkt hatte man von der Werksleitung auch andere Absatzfelder im Blick, wie den Einsatz in der Landwirtschaft. Versuche gab es mit dem Kramer-Schlepperwerk in Gutmadingen, der Firma Schutzbach in Möhringen, die damals auch Motormäher und später sogar Traktoren produzierte, sowie beim Schiffsbau am Bodensee.

Aus kommt im Sommer 1935

Im Sommer 1935 entschloss sich die Geschäftsleitung, den größten Teil des Maschinenparks für den Motorenbau zu veräußern, was das Aus für die Produktion bedeutete. Man beschränkte sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges auf Instandsetzungen und die Lieferung von Ersatzteilen. Von dem Immendinger Motor soll es inzwischen nur noch wenige Sammlerstücke geben.