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Kündigungen

Formel D schließt Standort: 70 Mitarbeiter verlieren ihren Job

Immendingen / Lesedauer: 4 min

Die Niederlassung wurde erst 2020 eröffnet, jetzt ist schon wieder Schluss. Die Gemeinde hofft, dass sich bald eine neue Firma ansiedelt. Das ist der Stand der Dinge.
Veröffentlicht:07.02.2024, 11:50

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Die Firma Formel D hat ihren Standort in Immendingen dicht gemacht. Bereits im November war den etwa 70 Mitarbeitern des auf die Automobilbranche spezialisierten Servicedienstleisters gekündigt worden. So geht es nun weiter.

Mehrere Krisen folgen aufeinander

„Der Standort ist geschlossen, das ist richtig“, sagt Christoph Hunold, Personalchef des Unternehmens auf Nachfrage. „Im November haben wir den Mitarbeitern mitgeteilt, dass wir zum 31. Dezember 2023 zu machen werden.“

Eröffnet worden war der Immendinger Standort des global tätigen Unternehmens Ende 2020 in der Corona-Pandemie. Es folgten weitere Krisen, „die man nicht so erwarten konnte“, sagt Hunold. Er zählt den Halbleitermangel sowie die in Folge des Ukraine-Russland-Krieges auftretende Energiekrise auf. All diese Ereignisse seien nicht ohne Auswirkungen auf die Marktsituation und das Geschäft des Servicedienstleisters geblieben.

Die Pläne für den Standort auf dem Talmannsberg waren lange vor Ausbruch dieser Krisen gemacht worden. „Die Situation war nicht planbar. Jedes Mal, wenn wir gedacht haben, dass es besser wird, sind wir eines besseren belehrt worden“, so der Personalchef.

Weitere Standorte nicht von Schließung bedroht

Er betont: „Es war nicht in unserem Interesse, den Standort zuzumachen.“ Dennoch komme irgendwann der Punkt, an dem ein Unternehmen wirtschaftliche Entschlüsse treffen müsse. „Dann ist es irgendwann eine kaufmännische Entscheidung“, sagt er zur Schließung des Standorts in Immendingen.

Wir haben alles, was möglich war, um den Standort zu erhalten, versucht.

Christoph Hunold

Weitere Standorte der Firmengruppe sind laut Hunold nicht von Schließungen betroffen. „Das ist der einzige Standort, deswegen tut uns das auch so weh“, sagt der Personalchef. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe weltweit rund 10.500 Mitarbeiter. In Deutschland sind es etwa 2.000, wie Hunold mitteilt. „Da wir versuchen, nah am Kunden zu sein, verteilen sich die Standorte quer durch die Bundesrepublik.“

Mercedes-Benz will sich nicht näher äußern

So auch in Immendingen, wo sich Formel D unter anderem wegen Aufträgen beim benachbarten Prüf- und Technologiezentrum von Mercedes-Benz angesiedelt hatte. Auf Nachfrage beim Autobauer teilt Tim In der Smitten, Unternehmenssprecher von Mercedes-Benz, mit: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu privatwirtschaftlichen Geschäftsbeziehung mit Dienstleistern und Zuliefern nicht äußern können. Wichtig ist in dem Zusammenhang jedoch, dass sich die Mercedes-Benz Group stets an vertragliche Abmachungen gehalten hält, beziehungsweise gehalten hat.“

„Wir haben alles, was möglich war, um den Standort zu erhalten, versucht“, erklärt Hunold.

Unter anderem sei versucht worden, das eigene Portfolio zu diversifizieren, „um zusätzliche Standbeine aufzustellen“ und weitere Kunden oder Zulieferer für den Standort Immendingen zu gewinnen, so Hunold. „Das ist uns leider nicht wie gewünscht gelungen.“ Zuletzt hätten sich die Tätigkeiten in Immendingen rein auf den Bereich Testing beschränkt, „und damit eben keine Diversifizierung“ stattgefunden.

Gemeinde daran interessiert, dass Gebäude wieder vermietet wird

Was die Mitarbeiter angehe, seien diese bei der Jobsuche unterstützt worden, teilt Hunold auf Nachfrage mit. Beziehungsweise sei geschaut worden, wie sie - je nach persönlicher Situation - auch an anderen Standorten eingesetzt werden könnten. „Wir stehen vor der herausfordernden Situation, Mitarbeiter zu finden. Als Peoplebusiness sind Mitarbeiter unser höchstes Gut. Für einige Mitarbeiter ist eine Möglichkeit gefunden worden“, berichtet er.

Ich denke also, dass es eine Nachnutzung geben wird.

Manuel Stärk

Und wie geht es mit dem Grundstück und dem Firmengebäude auf dem Talmannsberg nun weiter? Da die Firma Formel D nur Mieter des Gebäudes ist, „ist es Eigentümersache, was da passiert“, sagt Immendingens Bürgermeister Manuel Stärk auf Nachfrage. „Wir als Gemeinde sind natürlich an einer Nachnutzung interessiert“, betont er. Sprich daran, dass das Gebäude an einen anderen Interessenten vermietet werde. „Es laufen viele Gespräche.“

Gewerbesteuereinnahmen gehen stetig bergauf

Bisher hätten Anfragen an Bestandsgebäuden seitens der Gemeinde immer abgelehnt werden müssen, weil schlicht keine zur Verfügung gestanden hätten. „Ich denke also, dass es eine Nachnutzung geben wird“, sagt Stärk. Wie Hunold berichtet, habe es auch schon erste Besichtigungen gegeben.

Insgesamt steht es um das Gewerbe in der Gemeinde gut, so Stärk auf Nachfrage. „2023 haben wir erstmals mehr als drei Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen erzielt“, berichtet er. „Damit planen wir auch in 2024.“ Einen Einbruch könne er nicht vernehmen, dass es immer wieder Schwankungen gebe sei aber auch klar.

„Es ging zuletzt stetig bergauf mit der Gewerbesteuer.“ Auch was das Interesse an Grundstücken angehe, sei eine Nachfrage da, so sei erst jüngst wieder ein Grundstück im Gewerbegebiet Donau-Hegau II veräußert worden.