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Klippenecker

Denkinger Plätzlenarr feiert Geburtstag

Denkingen / Lesedauer: 3 min

Anfang der 1970er Jahre schnitzte Bernhard Streicher eine neue Maske
Veröffentlicht:07.01.2014, 21:10

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Zu den schönsten Narren der Region gehört der Klippenecker Plätzlenarr. Er ist die heutige Narrenhauptfigur der Denkinger Zunft und feiert in diesem Jahr seinen 40. Geburstag. Beim feierlichen Abstauben von Häs und Maske am Dreikönigstag durch die Räte der Narrenzunft wurde auch der Plätzlenarr vom Staub befreit. Damit ist er bereit für die fünfte Jahreszeit.

Denkingen war früher ein armes Dorf. Nach mündlicher Überlieferung fertigten anno dazumal Mesnerbuben aus dem Sonntagsrock ihres Vaters und einer bunten Kirchenfahne das erste Narrenhäs (vermutlich Plätzle). Das rote Käppchen ist dem damaligen Denkinger „Kappenbuben“ zu verdanken. Trotz der seinerzeit herrschenden Armut symbolisieren die beiden Fuchsschwänze den bis zum heutigen Tage bestehenden Reichtum an Wald und Füchsen auf der Gemarkung Denkingen. Irrtümlicherweise wird der Fuchsschwanz meist als Zeichen der Schläue des Narren gedeutet. Bilder aus dem Mittelalter belegen indessen, dass Narren und Außenseiter der Gesellschaft als Kennzeichen Fuchsschwänze und Schellen trugen.

Ein festtägliches Schwarz ist die Grundfarbe des Klippenecker Plätzlenarren. Die bunten Farben (rot, gelb,grün, blau) der Plätzle zeigen die Freude des Narren. Der Narr ist sehr diszipliniert, freigebig und freundlich. Um den Narr zu beleben, wurde er mit zwei Geschellriemen ausgestattet, um nach dem Sinnbild aus früheren Zeiten die guten Geister zu wecken und die bösen zu vertreiben.

Bereits Anfang der 1970er Jahre versuchte Bernhard Streicher eine neue Maske zu schnitzen. Sie sollte frei sein von den in unserem Raum vorkommenden Typen der bekannten schwäbisch-alemannischen Fasnet . Die ersten zwei Masken waren für die Fasnet 1973 fertig. Tochter Susanna drängte ihn das ganze Jahr über, endlich auch ein entsprechendes Häs zu machen. Er besann sich auf das der Überlieferung zugrunde liegende Plätzlehäs. Nach seinen Vorstellungen nähte Maria Hafner (Zunftnäherin bis zum heutigen Tag) das erste Häs. Beim Umzug 1974 erfreuten die ersten drei Klippenecker Plätzlenarren die Zuschauer.

Dann ging es rasch aufwärts. 1975 waren es bereits 13, und bei Neugründung der Narrenzunft 1976 wurden bereits 50 Plätzlenarren registriert.

Ein Heuberger Holzschnitzer liefert seit einiger Zeit die Masken, während Lothar Wagner bereits über 30 Jahre die Fleckle ausstanzt. Seit vielen Jahren sind Hanne und Birgit Kaufmann Anlaufstelle für die Häsbestellungen. Sie sind auch zuständig für das Maskenannähen und die Beschaffung der Narrenutensilien wie Schleife, Wisch und Korb.

Am Dreikönigstag besuchten die Narrenräte alle Hästräger und staubten in einer feierlichen Zeremonie Häs und Maske „von allem Staub und Trübsal ab, damit Heiterkeit und Frohsinn einziehen kann, auf dass dem Träger des Kleides eine frohe Fasnet möge beschieden sein“.

Seit Neugründung der Narrenzunft 1976 (die erste Zunft wurde bereits 1949 ins Leben gerufen) stauben die Räte in Frack und Zylinder ab. Inzwischen mussten sie weit mehr als 400 Hästräger besuchen. Für die kommende Fasnetsaison ist man also gerüstet.

Früher war die Fasnet keineswegs eine humorige, sondern eine sehr ernste Sache. Schon vor mehr als 1000 Jahren gingen vermummte Gestalten um. Man wollte mit den teuflisch wirkenden Schreckensmasken den gigantischen Dämonenkampf zwischen Winter und Sommer beenden. Wärme, Wachstum und Fruchtbarkeit sollten angelockt werden.

Und dann war da noch etwas, was uns heute wohl zum Schmunzeln veranlasst. Die Vielzahl der toten Seelen sollte vom Drängen zur Wiederkehr abgehalten werden. Später haben sich zu den „schiachen Gestalten“ (wüste) die schönen zugesellt wie der Denkinger Plätzlenarr.