StartseiteRegionalRegion SigmaringenVeringenstadtJapaner wollen einzigartiges Veringer Hemd mit schockierender Geschichte

Schauriger Schatz

Japaner wollen einzigartiges Veringer Hemd mit schockierender Geschichte

Veringenstadt / Lesedauer: 4 min

Anna Kramerin hat vor ihrem Tod auf eine Art gelitten, wie man es sich heute nicht mehr vorstellen mag. Ihr Hemd belegt ihr furchtbares Schicksal - und weckt Begehrlichkeiten.
Veröffentlicht:09.02.2024, 05:00

Artikel teilen:

Anna Kramerin hat vor ihrem Tod gelitten. Zehn Verhöre, Folter und schließlich die Hinrichtung mit dem Schwert musste die 60-Jährige über sich ergehen lassen.

Damals, 1680, wurde sie als die letzte von etwa fünf Frauen in Veringenstadt als Hexe gebrandmarkt und hingerichtet. Als einzige dieser Frauen entgeht Anna Kramerin dem Tod im Feuer, was Veringenstadt heute ein einmaliges Stück Geschichte beschert.

Es gibt wohl kein weiteres erhaltenes Schandkleid

Während ihres vierwöchigen Arrests, während dessen sie ein als Schandkleid geltenden Hexengewand tragen musste, wurde sie zum Tode durch das Schwert verurteilt und ihr nackter Körper anschließend verbrannt.

Das Schandhemd der Bader-Ann ist das wohl einzige noch erhaltene aus der Zeit der Hexenprozesse, sagt Rosmarie Elser.
Das Schandhemd der Bader-Ann ist das wohl einzige noch erhaltene aus der Zeit der Hexenprozesse, sagt Rosmarie Elser. (Foto: Julia Brunner)

Das galt als Akt der Gnade und nur durch diesen ist das Schandkleid, das als Hexen angeklagte Frauen tragen mussten, erhalten geblieben. Ein Schandkleid, von dem es heute wohl kein zweites mehr gibt.

Da wurde ein großer Trubel um das Hexenhemd gemacht.

Manfred Saible

Vor zehn Jahren war es Anlass dafür, dass sich die japanische Tourismusbranche für Veringenstadt und die heute als „Bader-Ann“ bekannte Anna Kramerin interessierten. Manfred Saible hat 2014 als Stadtführer den Japanern Veringenstadt gezeigt. „Da wurde ein großer Trubel um das Hexenhemd gemacht“, sagt er. Ein Bus mit japanischen Journalisten, unter anderem ein Fernsehteam und Vertreter vom Radio, sei in die Stadt gekommen.

Eine japanische Tourismusagentur hatte den Plan, einen Hexenweg durch Deutschland anzubieten. Veringenstadt sollte Startpunkt für diesen sein. Um dafür zu werben, hatten die Japaner auch Interesse an dem einzigartigen Hexenhemd der Bader-Ann. „Die wollten das Hemd haben, aber das haben wir nicht herausgegeben“, so Saible.

Japaner stellten Duplikat des Hexenhemds her

Er und Rosemarie Elser, die beide als Stadtführer tätig sind und das Vorstandsteam des Strübhaus Museums bilden, hätten sich dafür eingesetzt, dass das Hemd nicht nach Japan ausgeliehen wird. Zwei Jahre lang versuchten die Japaner, das Schandhemd von Anna Kramerin zu bekommen. „Die Japaner haben dann ein Duplikat für eine Ausstellung hergestellt und später hat dieses Veringenstadt erhalten“, sagt Rosemarie Elser.

Das Original des Hexenhemds befindet sich im Museum im Rathaus. „Das geben wir auch nicht mehr her. Nur noch die Kopie davon wird an Ausstellungen verliehen“, sagt Bürgermeister Maik Rautenberg. „Das Hexenhemd der Bader-Ann ist nach meinem Wissen das einzige noch erhaltene Schandkleid“, sagt auch Rautenberg.

Im zweiten Stock des Rathauses befindet sich der große Saal, früher der Bürgersaal. Heute werden darin mehrere Austellungsstücke aus der Menschheitsgeschichte in Veringenstadt gezeigt.

Vor über 340 Jahren wurde Anna Kramerin in diesem Saal zum Tode verurteilt. In einem Nebenraum wird das Schandhemd ausgestellt, dazu ein Replikat des Schwerts, mit dem Kramerin getötet wurde und Folterinstrumente, mit denen die 60-Jährige gepeinigt wurde.

Das Hemd hing hier oben. Manche Kinder haben sich das als Mutprobe angezogen, habe ich früher gehört

Rosemarie Elser

Rosemarie Elser kann sich noch gut daran erinnern, dass sie als Kind dort oben gespielt hat. „Das Hemd hing hier oben. Manche Kinder haben sich das als Mutprobe angezogen, habe ich früher gehört“, sagt sie.

Skulptur der Bader-Ann bekommt einen neuen Standort

Um dieses einzigartige Stück Ortsgeschichte prominenter zu präsentieren, soll die Bader-Ann auf der neuen Homepage der Stadt mehr Raum einnehmen. Die Seite soll Anfang Februar für die Bürgerinnen und Bürger abrufbar sein.

Die Skulptur der Bader-Ann steht noch neben dem Strübhaus.
Die Skulptur der Bader-Ann steht noch neben dem Strübhaus. (Foto: Julia Brunner)

Auch die 1994 von der Künstlerin Monika Geiselhart erstellte Skulptur der Bader-Ann soll besser in der Stadt platziert werden. Momentan steht die Skulptur neben dem Strübhaus. Am 12. Mai wird sie am Engelhof zwischen zwei Bäumen prominenter platziert. Die japanischen Gäste von 2014 werden dann wohl nicht dabei sein.

Lange hätten sie versucht, den Hexenweg zu etablieren, erinnert sich Manfred Saible, doch mit dem Beginn der Corona-Pandemie ist der Kontakt nach Veringenstadt abgebrochen.