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Alles in Handarbeit: Duo baut eine Mikrobrauerei auf

Stetten am kalten Markt / Lesedauer: 3 min

Mit einem 30–Liter–Kochtopf wagen sich zwei Männer ans Brauen. Wenig später sind sie professionell aufgestellt. Ein Besuch.
Veröffentlicht:03.09.2023, 05:00

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„Wir drücken keine drei Knöpfe. Wir machen alles von Hand“, sagt Timo Locher, während er zwischen sechs glänzenden Edelstahltanks steht. Neben ihm nickt Eric Lehmann zustimmend. Gemeinsam haben die beiden die Heuberger Biermanufaktur in Stetten am kalten Markt aufgebaut. Laut Locher „die erste Mikrobrauerei im Kreis Sigmaringen“.

Los geht alles aber eine Nummer kleiner: Mit einem 30–Liter–Kochtopf. Locher und Lehmann, die sich seit 35 Jahren kennen, experimentieren in einer ehemaligen Werkstatt eines Sanitärdienstes ein wenig herum.

Werkstatt wird Brauerei

Das Ziel: eigenes Bier brauen. Das Resultat: schmeckt. Die Konsequenz: professionelles Equipment muss her. Aber was? Das Duo macht sich auf Messen schlau. 2016 bauen sie den Flachbau im Hinterhof schließlich zur Brauerei um — ab jetzt heißt es 300 statt 30 Liter.

In den Stahltanks kann das Bier reifen.
In den Stahltanks kann das Bier reifen. (Foto: Lukas M. Heger)

Unterstützung bekommen die beiden inzwischen Endvierziger von einem Braumeister. „Er hat uns das alles beigebracht und auch beim Aufbau der Anlage geholfen“, so Locher.

Wirt und Betriebswirt

Gebraut wird seitdem, wenn Zeit da ist. Lehmann ist Betriebswirt und hauptberuflich Prokurist einer Medizintechnikfirma, Locher verdient seine Brötchen als Wirt der „Unfassbar“ in Stetten — in der selbstverständlich auch das Selbstgebraute ausgeschenkt wird. „Im Schnitt brauen wir alle zwei Wochen. So ein Brautag geht auch mal zehn Stunden“, erklärt Locher.

Wir töten nicht alles ab wie die Großbrauereien.

Timo Locher

Festgelegt sind die Brauereibesitzer bei den Bierstilen nicht. „Wir können das Bier machen, das wir wollen“, sagt Lehmann. Helles, dunkles, Weizen, Pils, Frühlingsbier, Porter oder Doppelbock haben schon ihren Weg in Flaschen und Fässer der Heuberger gefunden. Der Hopfen kommt aus Tettnang, das Malz aus Bamberg.

Dokumentation ist wichtig: Drin ist, was draufsteht.
Dokumentation ist wichtig: Drin ist, was draufsteht. (Foto: Lukas M. Heger)

Ist das Bier abgefüllt, heißt es (relativ) schnell sein. Zumindest beim Trinken. „Wir pasteurisieren nicht und töten somit nicht alles ab wie die Großbrauereien. Das geht dafür auf die Haltbarkeit“, sagt Locher. Ein Verkauf im Supermarkt scheidet somit vorerst aus.

Vertrieb vor Ort

„Das ist ein Handicap“, gibt Locher zu. In Flaschen und Fässern gibt es die Bierkreationen der Heuberger direkt bei der Brauerei zu kaufen, ausgeschenkt wird es im „Gasthaus zum Kreuz“ und in der „Unfassbar“ in Stetten. In Zukunft will das Duo den Vertrieb ausweiten.

Helles: Eins der Produkte der Heuberger Biermanufaktur.
Helles: Eins der Produkte der Heuberger Biermanufaktur. (Foto: Lukas M. Heger)

Aber der Laden läuft. Gerade erst haben Lehmann und Locher die Bundeswehr für eine Veranstaltung mit hunderten Flaschen Bier beliefert. Inklusive individuell gestaltetem Etikett.

Im September soll das nächste Bier fertig sein. Doch alles zu seiner Zeit — die auch das Gebraute sich nehmen darf, wie Locher sagt: „Bei uns darf das Bier reifen. Auch mal zwei Wochen länger.“

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