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Seltener Einblick

So viel Gewinn machen Vereine bei Dorffesten

Sigmaringendorf / Lesedauer: 3 min

Zuerst müssen sie Aufwand und Geld in die Organisation stecken, bevor sich ein Fest lohnt. Der Straßenfestförderverein gibt Einblicke - und verrät, wie sich Geld sparen lässt.
Veröffentlicht:25.11.2023, 05:00

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Hinter den meisten Dorffesten stecken Vereine. Die Mitglieder planen den Ablauf, übernehmen Schichten am Festwochenende und kümmern sich um Auf- wie Abbau. Das ist auch beim Straßenfest in Sigmaringendorf der Fall, nur dass dort seit diesem Jahr ein Förderverein auf den Plan tritt, der statt der ortsansässigen Vereine erstmals die Organisation übernommen hat (siehe Infokasten). Er zeigt beim Kulturausschuss am Mittwoch auf, wie viel eine solche Veranstaltung kostet und warum sich der Gewinn am Ende sehen lassen kann.

Welche Kosten kommen auf den Veranstalter zu?

Der veranstaltende Verein hat in Sigmaringendorf andere Kosten als die Vereine, die mit einem Stand teilnehmen, denn er muss zusätzlich die Organisation zahlen. „Der teuerste Faktor war mit gut 2900 Euro definitiv der Sicherheitsdienst“, sagt der Fördervereinvorsitzende Markus Speh.

Der sei bei einem solchen Fest gerade samstagabends nötig. Darüber hinaus mussten die Bands bezahlt werden sowie Werbung, Müllcontainer, Toilettenwagen und die Ausstattung.

Das Team des Straßenfestfördervereins mit Bürgermeister Philip Schwaiger (Mitte) bei seinem ersten Straßenfest: Andreas Bauer (links), Andrea Beiter (Zweite von links), Markus Speh (Dritter von rechts), Martina Möller (Zweite von rechts) und Timo Degler (rechts).
Das Team des Straßenfestfördervereins mit Bürgermeister Philip Schwaiger (Mitte) bei seinem ersten Straßenfest: Andreas Bauer (links), Andrea Beiter (Zweite von links), Markus Speh (Dritter von rechts), Martina Möller (Zweite von rechts) und Timo Degler (rechts). (Foto: Straßenfestförderverein Sigmaringendorf )

Wie generiert der Verein Einnahmen?

Die größte Einnahmequelle seien die Getränke, sagt Kassiererin Martina Möller. Wichtig sei dabei die Familienfreundlichkeit gewesen. Entsprechend habe der Förderverein mit den anderen gemeinsam die Preise festgelegt. „Vier Euro für ein Bier waren unsere Schmerzgrenze“, ergänzt Speh als Beispiel.

Insgesamt haben die Vereine ungefähr 104.300 Euro Umsatz erwirtschaftet, nach Abzug der Ausgaben blieben etwa 52.050 Euro übrig. Diese Summer wird in Sigmaringendorf gespalten: 20 Prozent des Gewinns bekommen die teilnehmenden Vereine, 80 Prozent erhält der Veranstalter, also der Förderverein. Nach Abzug der Ausgaben, die er hatte, bleiben 18.800 Euro übrig.

Wie lässt sich bei einem Fest Geld sparen?

Dadurch, dass alles teurer geworden ist, musste der Förderverein die Preise anpassen, um Gewinn zu machen, sagt Speh. Außerdem achten die Vorstandsmitglieder darauf, nicht die teuerste Band zu buchen. Bei den Blaskapellen gelte die Vereinbarung des Gegenspielens: Tritt eine Gruppe in Sigmaringendorf auf, revanchiert sich die Musikkapelle. Auch das spare Geld.

Das ist die Sondersituation in Sigmaringendorf
Hintergrund

Das ist die Sondersituation in Sigmaringendorf

Früher haben ortsansässige Vereine in Sigmaringendorf das Straßenfest organisiert. Aufgrund fehlender Ehrenamtlicher funktioniert das seit einigen Jahren nur noch schleppend. Deshalb hat sich vor drei Jahren der Straßenfestförderverein gegründet. Aus jedem Verein im Ort wird ein Vertreter entsendet, sodass am Ende durch den Förderverein alle anpacken und gemeinsam das Straßenfest stemmen. Die Organisation der Aufgaben übernimmt der Förderverein – auch 2024 wieder.

Was passiert mit den Einnahmen?

Die liegen fürs Erste auf dem Konto des Fördervereins. Der Hintergedanke ist laut Speh, dass die Vereine im Ort Anträge für größere materielle Anschaffungen bei der Sitzung des kommunalen Kulturausschusses stellen können. Die findet einmal im Jahr statt. Es steht aber auch im Raum, die Summe fürs nächste Fest als Grundstock zu verwenden und die Unterstützung der Vereine erst 2025 zu starten.

Was ist die größte Herausforderung für einen Verein bei der Organisation eines Fests?

Da nennen Möller und Speh zweierlei. Zum einen sei es schwierig, alles Nötige im Blick zu behalten und die Schichtpläne zu organisieren.

Zum anderen sei das Finanzielle ein großes Thema: Bislang können Vereine einen Freibetrag für die Umsatzsteuer bei der Gemeinde nutzen. Das sei ab 2025 nicht mehr erlaubt, so Speh. Das heißt, die Vereine müssen mehr Umsatzsteuer abführen, womit sich die Frage stellt, wie sich ein solches Fest künftig lohnt.