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Traum erfüllt

Dieses Paar wohnt mit Mitte 20 im Eigenheim – wie geht das?

Sigmaringendorf / Lesedauer: 6 min

Sie haben sich erfüllt, was sich viele junge Menschen nicht mehr leisten wollen. Für junge Bauwillige haben sie Tipps - und warnen vor einer bestimmten finanziellen Falle.
Veröffentlicht:24.12.2023, 14:00

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Oberhalb der Maisfelder, nahe der Donau, steht in einem Neubaugebiet im beschaulichen Sigmaringendorf ein Haus. Auf 140 Quadratmetern leben hier seit Juni 2022 Viktoria Weinberg (26) und Janik Streich (26).

Das junge Paar hat sich erfüllt, was sich viele junge Menschen nicht mehr leisten wollen oder können: ein Leben im Eigenheim. Wie sie sich das mit Mitte 20 finanzieren und welche Tipps sie für junge Bauwillige haben.

Warum Eigenheim statt Miete?

Janik: Ich hatte den Traum schon früh. Schon als ich 2017 von zu Hause ausgezogen bin, da war ich 21, habe ich überlegt: Willst du wirklich zur Miete wohnen und das Geld einem anderen geben, statt es in deine eigene Zukunft zu investieren? Umso länger ich Miete gezahlt habe, umso öfter dachte ich: Nein, willst du nicht. Drei Jahre später, als ich mit Viktoria zusammengekommen bin, ging dann alles ganz schnell.

Viktoria: Ich hatte den Traum nie. Ich dachte immer: Ich bin jung, ich habe gerade angefangen zu arbeiten, das brauche ich nicht. Aber letztlich war es dann für uns beide die richtige Entscheidung. Es gibt noch heute Tage, an denen ich zu Janik sage: Wir haben ein Haus – einfach ein Haus!

Wie könnt ihr euch das mit Mitte 20 leisten?

Viktoria: Im Endeffekt ist es nicht wesentlich teurer als eine Miete – und geht dafür in die eigene Tasche. Und wir haben beide Vollzeit-Jobs: Ich bin Versicherungskauffrau und Janik Gießereimechaniker. Wir haben uns ein Modell ausgesucht, bei dem wir 30 Jahre abbezahlen und mit dem wir auch langfristig finanziell klarkommen. Und man muss sagen: 2020 haben wir extrem von der Niedrigzinsphase profitiert. Wir haben ein Prozent bekommen. Verglichen mit heute, hatten wir echt Glück. Dazu kommt: Hier kann man sich das noch leisten, in der Großstadt sind die Preise ganz anders.

Auf die Küche sind die beiden besonders stolz. „Für die Planung haben wir fast länger gebraucht als für das Haus an sich“, sagt Viktoria.
Auf die Küche sind die beiden besonders stolz. „Für die Planung haben wir fast länger gebraucht als für das Haus an sich“, sagt Viktoria. (Foto: Viktoria Weinberg)

Welche Hürden gibt es für junge Menschen beim Hausbau?

Viktoria: Dass wir so jung sind, war auf jeden Fall ein Thema. Vor allem bei der Bank waren sie überrascht. Da gab es auch Andeutungen, ob wir überhaupt lange zusammenbleiben werden. Aber Vorurteile gibt es immer. Wir haben das angesprochen und geklärt. Man muss auch sagen: Es kommt nicht jeden Tag vor, dass zwei damals 23-Jährige da sitzen und eine so große Summe von der Bank haben möchten. Als sie dann wussten, dass wir beide Vollzeit arbeiten, war das kein Thema mehr.

Wie haben Freunde und Familie auf eure Pläne reagiert?

Janik: Meine Eltern wussten schon lange von meinen Plänen. Sie waren also vorgewarnt und haben uns zu jeder Phase unterstützt. Meine Freunde waren anfangs schon sehr überrascht. Jetzt sagen sie aber alle: „Hey, voll das schöne Haus!“ Der erste zieht schon nach.

Viktoria: Anfangs kam schon auch die Frage, ob ich mir auch wirklich sicher bin. Letztlich waren aber alle sehr befürwortend und unterstützend und immer da, wenn wir sie gebraucht haben.

So fing alles an
Vom Kennenlernen bis zum Bauprojekt

So fing alles an

Viktoria und Janik kennen sich schon aus Realschulzeiten in Sigmaringen. „Aber oberflächlich, wir wussten nur, dass der andere existiert“, sagt Viktoria. Viele Jahre später, Anfang 2020, wurden sie ein Paar. Von da an ging alles ganz schnell: Nach wenigen Wochen zog Viktoria zu Jannik in die Mietwohnung.

Kurz darauf bewarben sie sich „auf gut Glück“, wie sie sagen, auf einen Bauplatz in Sigmaringendorf. Wenig später kam die Zusage des Bürgermeisters per Telefon, als sie gerade auf dem Weg waren, sich ein neues Auto zu kaufen. Das Auto sagten sie ab, den Bauplatz zu – Geld sparen für das Eigenheim. Im September 2021 verlegten sie die Bodenplatte in Eigenleistung, das Haus setzte ein Bauunternehmen darauf.

Seit Juni 2022 wohnen die beiden in ihren eigenen vier Wänden. Heute lautet ihr Fazit: „Ein Hausbau ist mit vielen Entscheidungen, Diskussionen und Herausforderungen verbunden. Das kann einem viele Nerven rauben. Es ist auf keinen Fall leicht, aber letztlich doch machbar.“

Warum Sigmaringendorf?

Janik: Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Meine Familie lebt hier, meine Kumpels leben hier, ich spiele hier Fußball. Es ist Heimat. Die Großstadt wäre gar nichts für uns – zu viele Menschen. Und natürlich sind die Preise dort auch ganz andere.

Viktoria: Weil es hier einfach schön ist. Und alles ist irgendwie netter und ruhiger. Die Menschen, die Nachbarn sind offen und grüßen immer mit einem Lächeln. Und hier läufst du gefühlt zehn Schritte und bist im Wald. Oft laufen wir auch einfach barfuß los. Das geht in der Großstadt nicht.

Was hat euch beim Hausbau am meisten überrascht?

Janik: Die Baunebenkosten. Man sagt immer grob, dass es zehn Prozent von der Finanzierungssumme sind. Die Banken rechnen oft mit unter zehn Prozent. Tatsächlich betragen sie aber 15 bis 20 Prozent. Dass es so über die Stränge schlägt, hätten wir nicht gedacht. Weil es auch nirgends fest mit einkalkuliert ist.

Du musst alles bedenken, was schon vor dem eigentlichen Bauen kommt: Notar, Vermessungen. Es waren allein mehrere Tausend Euro nur, damit jemand das Grundstück vermisst. Du bekommst auch ein anderes Verhältnis zum Geld. Ich vergleiche immer alles mit meinem ersten Auto, das hat 500 Euro gekostet. Da denkst du dann schon: Okay, jetzt waren allein die Pflasterarbeiten in der Einfahrt so teuer wie drei Autos.

Den gemeinsamen Abend verbringt das Paar gerne auf ihrer Couch. Im Winter sorgt der Holzofen für ein gemütliches Ambiente.
Den gemeinsamen Abend verbringt das Paar gerne auf ihrer Couch. Im Winter sorgt der Holzofen für ein gemütliches Ambiente. (Foto: Viktoria Weinberg)

Welche Tipps habt ihr für junge Menschen, die bauen wollen?

Viktoria: Fenster sind zum Öffnen da. Wir haben den Fehler gemacht, uns im Wohnzimmer für zwei große, feststehende Fenster zu entscheiden. Das bereuen wir. Nicht nur, weil es zum Putzen anders geschickter wäre.

Im Nachhinein war es das gesparte Geld nicht wert. Aber vieles weiß man vorher einfach nicht oder schätzt es falsch ein. Du bist euphorisch und machst Fehler. Und man muss sich bewusst sein, dass es dann keinen Vermieter mehr gibt, der sich kümmert, wenn etwas mit dem Strom oder Wasser nicht stimmt. Du bist dann selbst verantwortlich für alles.

Janik: Geht nur einmal zum Notar. Wer zweimal geht, zahlt zweimal. Das mussten wir leider feststellen. Und plant langfristig. Wir haben ein ebenerdiges Bad, das rollstuhlgerecht ist. Du verbringst dein Leben in deinem Haus und weißt nie, was im Alter kommt.

Auch unsere zwei Zimmer im oberen Stockwerk: Derzeit sind das ein Sportzimmer und ein Kunst- und Arbeitszimmer. Eigentlich sind es aber potenzielle Kinderzimmer. Und natürlich: Bedenkt die Baunebenkosten.