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Vorurteil Luxussport?

So viel kostet Golfspielen wirklich

Sigmaringen / Lesedauer: 3 min

Der Betreiber der Golfanlage Sigmaringen gibt Einblicke in seine Finanzen. Den hohen Ausgaben stehen auch hohe Einnahmen gegenüber. Was das für Spieler bedeutet.
Veröffentlicht:27.11.2023, 05:00

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Golf hat den Ruf als Luxussport. Nicht nur, dass die Mitgliedschaft in einem Golfclub als teuer gilt, auch seine Außenwirkung ist elitär. Doch handelt es sich womöglich um ein Vorurteil? Clubmanager Matthias Lupp gibt einen Einblick in die Finanzierung der 18-Loch-Golfanlage bei Inzigkofen und sagt, wie viel Geld jemand aufbringen muss, um auf dem Platz zu spielen.

Teure Grünpflege

Die Zahl, die über allem schwebt: eine Million Euro. So viel kostet laut Lupp der Golfbetrieb einer 18-Loch-Anlage durchschnittlich pro Jahr. Die Finanzierung obliegt der Zollern-Alb-Golfanlagen GmbH und Co. KG. Sie betreibt die Anlage.

Der Erstinvest für die Maschinen lag bei einer Dreiviertelmillion.

Matthias Lupp

Der größte Kostenfaktor ist deren Pflege. Für sie fallen um die 500.000 Euro jährlich an, sagt Lupp. Das hänge zum einen mit dem Personal zusammen. Fünf Mitarbeiter kümmern sich in Vollzeit ums Mähen, Vertikutieren, den Hecken- und Baumschnitt.

Das sind die größten Kostenfaktoren

Zum anderen kostet der Kauf und die Wartung der Mäher sowie der Bunkermaschinen, die Sandflächen ebnen, Geld. „Der Erstinvest für die Maschinen lag bei einer Dreiviertelmillion“, sagt Lupp. Infolge mussten die Betreiber Abschreibungen einplanen, um Ersatz beschaffen zu können – Geld, das jedes Jahr vorgemerkt werden muss.

Hinzu kommen Reinigungspersonal, ein Hausmeister, zwei Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft sowie ein Mitarbeiter auf Minijobbasis für die Verwaltung. Letztere seien nötig, weil täglich Spielbetrieb ist, die etwa 1000 Clubmitglieder sowie Gastspieler und das Greenfee, also die Gebühren für die Nutzung des Platzes, verwaltet werden müssen, erklärt Lupp. Außerdem kümmern sie sich um den Golfshop.

Software hilft in der Spielpraxis

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Software, denn seit der Pandemie gibt es ein Programm, durch das sich Spieler gezielt zu ihrem Wunschzeitpunkt auf dem Platz einbuchen können, was Wartezeiten verkürzt. Die Verwaltung mache insgesamt etwa 30 Prozent der Kosten aus.

Dafür braucht es genügend Einnahmen. Die fließen zu etwa 60 Prozent über die Mitglieder in den Club. Doch was heißt das konkret? Wer eine Mitgliedschaft mit bestehendem Spielrecht hat - wie die meisten -, zahlt jährlich 1675 Euro, also monatlich 140 Euro. Dafür können Spieler das ganze Jahr auf den Platz, außer bei Schnee. Für Neueinsteiger gibt es das günstigere Schnupperjahr.

Verschiedene Staffelungen für Golfspieler

Außerdem gibt es noch Altersstaffelungen. Beispielsweise zahlen Auszubildende und Studenten 320 Euro jährlich. Wenn beide Eltern aktive Mitglieder sind, fällt sogar nur der Clubbeitrag an, 18- bis 28-Jährigen zahlen in diesem Fall also 80 Euro.

Es ist schwer, Personal fürs Greenkeeping zu bekommen.

Matthias Lupp

Auch darüber hinaus gibt es Staffelungen, je nach Alter oder Wohnort. Wer mehr als 100 Kilometer entfernt vom Golfplatz wohnt, muss 333 Euro im Jahr zahlen. Zusätzlich benötigen die Golfspieler Ausrüstung, um loslegen zu können. Sie sei bereits ab 500 Euro erhältlich, sagt Lupp.

Durch den Golfshop kommen nochmal zehn Prozent Einnahmen hinzu, außerdem fließt Geld über die Cart- und Golfschrankvermietung und über Werbeeinnahmen. Plus und Minus gehen laut Lupp auf, „wenn man nichts macht“. Das heißt, dass Investitionen so nicht finanziert werden können.

Investitionen sollen Geld sparen

Größere Ausgaben wie der Aufbau der PV-Anlage auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes schießen die Gesellschafter vor und erwirtschaften das Geld wieder langfristig. Ziel sei es, über solche Investitionen wieder Geld zu sparen, sagt Lupp.

Durch die PV-Anlage fallen beispielsweise weniger Stromkosten an. Auch Mähroboter gibt es neuerdings. Sie sollen Personalkosten senken und mittelfristig Wartungskosten sparen. „Es ist schwer, Personal fürs Greenkeeping zu bekommen“, sagt Lupp mit Blick auf die aufwändige Pflege der Anlage, „im Sommer ist es Mehrarbeit, in der Nebensaison haben die Mitarbeiter Urlaub und bauen Überstunden ab.“

Deshalb versuchen die Betreiber, Stellen einzusparen, um dem Mangel an gutem Personal entgegenzuwirken - und dafür zu sorgen, dass sich die Finanzen die Waage halten.