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Blick durchs Schlüsselloch

So lebt ein Flüchtling in der LEA

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Sieben Quadratmeter pro Person. Mehr Platz gibt es in den Wohnblöcken der Erstaufnahmestelle nicht. Wir zeigen mit Fotos und Videos, wie es in den Zimmern aussieht. 
Veröffentlicht:17.08.2023, 17:00

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Vier Betten, vier Stühle, ein Spind mit vier Fächern, ein Tisch. Sieben Quadratmeter pro Person, so sieht die Lebensrealität der Flüchtlinge aus, die in der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Sigmaringen unterkommen. Dekoration gibt es nicht, alles ist kühl gehalten, in Grautönen. Wie sie es gestalten, obliegt den Flüchtlingen selbst, sagt Hardy Losekamm, Leiter der LEA. Dafür gibt es allerdings klare Regeln.

Die Art der Möbel erklärt ihr Zweck: Laut Losekamm sollen sie robust und zweckmäßig sein, denn die Flüchtlinge bleiben nicht allzu lange, sie sollen sich nicht einrichten, sondern das Nötigste vorfinden. Kurzfristig, fügt der LEA–Leiter an, können bis zu acht Menschen in einem Zimmer unterkommen, je nach Belegungszahlen oder im Fall der Ankunft einer Reisegruppe. Standard seien aber vier.

Genauer Blick auf die Zimmerbelegung

Damit es untereinander möglichst wenige Konflikte gibt, achten die Mitarbeiter der LEA stark darauf, welche Nationalitäten sich die Räume teilen, berichtet Charlotte Heilmann vom Regierungspräsidium, die in der Flüchtlingsaufnahme tätig ist.


Darüber hinaus seien Frauen und Kinder in einem separaten Familiengebäude untergebracht. Knallt es doch einmal, stehen derzeit aber noch genügend Gebäude zur Verfügung, um die Belegung zu entzerren und Abstand zu ermöglichen, fügt sie an.

Alltag mit wenig Privatsphäre

Privatsphäre ist trotzdem nur wenig vorhanden. Selbst beim Duschen lässt sich die Begegnung kaum vermeiden: Pro Flur gibt es einen Wasch–, einen Duschraum und einen Raum mit Toiletten. Zwei Bewohner dürfen gleichzeitig duschen.

Vier Stühle und vier Betten sind Usus. Wenn viele Flüchtlinge ankommen, müssen sie aber zusammenrücken. Bis zu acht Menschen haben in einem solchen Raum Platz.
Vier Stühle und vier Betten sind Usus. Wenn viele Flüchtlinge ankommen, müssen sie aber zusammenrücken. Bis zu acht Menschen haben in einem solchen Raum Platz. (Foto: Mareike Keiper )

Für die Zukunft sind laut Losekamm Trennwände geplant, um ein wenig mehr privaten Raum zu schaffen. Die Umbauarbeiten haben zwar schon begonnen, doch wann alle 19 Gebäude über Trennwände verfügen, hänge von den Haushaltsmitteln ab, fügt der LEA–Leiter an.

Rückzugsmöglichkeiten auf dem Gelände gibt es aber durchaus: Sowohl im Freien haben die Flüchtlinge etliche Sitzecken, teils unter Bäumen, teils überdacht, als auch beispielsweise den Raum der Stille, in dem Stühle stehen und zum Verweilen einladen. Darüber hinaus dürfen sie das Gelände laut Losekamm auch jederzeit verlassen. „Wir müssen bloß wissen, wer da ist“, sagt er, denn so falle auch auf, wenn jemand fehlt. Dafür gibt es die Einlasskontrolle, unter anderem zumindest.

Das ist in der LEA verboten

Denn sie hat einen weiteren Zweck: die Kontrolle. Bestimmte Gegenstände sind im LEA–Komplex verboten. Das soll einerseits verhindern, dass Gegenstände als Waffe verwendet werden können, zum Beispiel Glas oder Scharfkantiges, andererseits haben die Verbote auch mit dem Brandschutz zu tun. Das ist übrigens auch der Grund, warum keiner der Räume abschließbar ist, selbst die Duschräume nicht.

Vier Spinde für vier Menschen: Mehr Platz für ihr Hab und Gut haben die Flüchtlinge nicht.
Vier Spinde für vier Menschen: Mehr Platz für ihr Hab und Gut haben die Flüchtlinge nicht. (Foto: Mareike Keiper )

Erlaubt sind inzwischen allerdings Handy und Ladegerät sowie ein Föhn, außerdem kleine Leuchten mit Akku– oder Solarantrieb. Was Strom aus der Steckdose benötigt, ist, abgesehen von den zwei Ausnahmen, untersagt. „Wir rechnen aber schon damit, dass es irgendwann Diskussionen um Glätteisen und Lockenstäbe gibt“, sagt Heilmann schmunzelnd.

Ebenfalls verboten ist das Mitbringen größerer Möbelstücke, wie Betten oder Teppiche. Da der Transfer häufig per Bus läuft, sei der Transport ansonsten nicht zu gewährleisten.

Wenig zwischenmenschliche Probleme — zumindest anfangs

Beschwerden hören Heilmann, Losekamm und sein Team allerdings kaum. „Das wird oft akzeptiert“, sagt Heilmann. „Die Menschen hier haben nur eine geringe Anspruchshaltung.“ Auch die Tatsache, dass sie mit Fremden ein Zimmer teilen, habe noch nie große Probleme gemacht. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt. „Meistens treten sie eher später auf, wenn es menschelt“, so Heilmann.

Es stehen fünf Duschen pro Flur zur Verfügung. Allerdings werden nur zwei gleichzeitig benutzt. Abschließbar ist der Raum nicht, soll aber Trennwände erhalten.
Es stehen fünf Duschen pro Flur zur Verfügung. Allerdings werden nur zwei gleichzeitig benutzt. Abschließbar ist der Raum nicht, soll aber Trennwände erhalten. (Foto: Mareike Keiper)

Doch selbst wenn es irgendwo hakt, gibt es eine Lösung: Auf dem Gelände befindet sich laut Losekamm eine Beschwerdestelle. Und nicht zuletzt ist der Aufenthalt begrenzt. Derzeit sind die Flüchtlinge durchschnittlich drei bis vier Monate in der LEA, bevor es weiter geht.