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Bundesverdienstkreuz

Friedrich Wilhelm von Hohenzollern gestorben: Keiner war länger im Amt als er

Sigmaringen / Lesedauer: 5 min

Friedrich Wilhelm von Hohenzollern gestorben: Keiner war länger im Amt als er
Veröffentlicht:16.09.2010, 20:00

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Kein Hohenzollern-Fürst war länger im Amt als er: Friedrich Wilhelm von Hohenzollern ist in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Mehr als 45 Jahre stand er an der Spitze des Adelshauses.

Von unserem Redakteur Michael Hescheler

Beim Fidelisfest hatte der Fürst seinen letzten öffentlichen Auftritt in Sigmaringen . Den Gottesdienst in St. Johann verfolgte er wie fast immer sonntags von der fürstlichen Loge aus. Der Hochzeit seines ältesten Sohnes Karl Friedrich blieb er fern – sein angeschlagener Gesundheitszustand hat die Reise ins badische Umkirch nicht mehr zugelassen.

Das Familienschloss nahe Freiburg, das sein Vater von einem Großonkel geerbt hatte, war einer der Eckpfeiler in der Biografie Friedrich Wilhelms. Als ältester Sohn des Fürsten Friedrich und seiner Gemahlin Margarete kam er dort am 3. Februar 1924 zur Welt. Seine Jugend und seine Schulzeit verbrachte der Adelsspross hauptsächlich in Freiburg. In einem Vortrag wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag fasste er sein Leben zusammen. Seine Kindheit - in der Familie wuchsen sechs Kinder auf - umschrieb er mit dem Attribut sorglos. „Ich nahm von den wirren politischen Verhältnissen, die draußen tobten, keinerlei Kenntnis.“Konflikte mit den Nazis.

Wie seine Vorfahren wollte er nach dem Abitur militärischen Dienst leisten. Hitlers sogenannter Prinzenerlass, der alle Mitglieder ehemals regierender Häuser für wehrunfähig erklärte, durchkreuzte dieses Vorhaben. Der Erbprinz wurde stattdessen zum Arbeitsdienst abkommandiert. Während der Geburtstagsfeier für seinen Vater teilten die Nazis der fürstlichen Familie per Telegramm mit: Das Schloss Sigmaringen ist mit sofortiger Wirkung beschlagnahmt. Die Hohenzollern mussten der Vichy-Regierung von Marschall Pétain Platz machen. „Wir werden uns in den nächsten Tagen noch sehen“, drohte ein Gestapo-Mann dem Erbprinzen bei der Räumung seines Zimmers. Friedrich Wilhelm und seine Familie wurden verhaftet und nach Schloss Wilflingen gebracht.

Der Vorwurf: Die Nazis bezichtigten ihn in einem Verhör, er hätte einen regimekritischen Brief seines Vetters melden müssen. Die Hohenzollern-Familie ging zwar verbal auf Konfrontation zu den SS-Leuten, zu einem Prozess kam es aber nicht. „Ich bin klug geworden aus dem Dritten Reich“, sagte Friedrich Wilhelm in einem SZ-Interview anlässlich seines 85. Geburtstags. Ihm sei sehr schnell ein Licht aufgefangen. Seine Mutter habe die Propaganda hinterfragt und Einfluss auf ihn ausgeübt.

Die letzten Kriegsmonate erlebte Friedrich Wilhelm in Umkirch . In seinem Vortrag „Mein Leben“ schildert er eine Bombendetonation im Schloss. Er habe am Morgen des 16. März 1945 im Bett gelegen und gesehen wie ein Jagdbomber im Sturzflug auf das Schloss zuflog und eine Bombe abwarf. Von einer kolossalen Detonation und Explosion ist die Rede. „Ich hatte schon damit gerechnet: Jetzt ist Schluss. Ich blicke aber seitlich aus dem Bett und stellte fest, dass die gesamte Decke heruntergekommen war…, aber meine Pantoffeln unversehrt unter dem Bett standen.“

Die französischen Besatzer beschlagnahmten das Schloss und quartierten die Familie aus. Der Erbprinz begann in Freiburg sein Studium der Betriebswirtschaftslehre. In Genf, seinem zweiten Studienort, wurden ihm die Entbehrungen der Nachkriegszeit bewusst. Die Schweiz kam ihm wie das Schlaraffenland vor. Ein Jahr nach dem Abschluss des Studiums, als 26-Jähriger, übernahm er als Generalbevollmächtigter seines Vaters die Geschäfte der fürstlichen Unternehmen.

Seine Frau Prinzessin Margarita zu Leiningen lernte er 1950 auf einer Wallfahrt nach Rom kennen, ein Jahr später heirateten sie. Das Fürstenpaar freute sich über drei Söhne – Prinz Ferdinand, Prinz Albrecht und Erbprinz Karl Friedrich, der ihm auf dem Chefsessel nachfolgen wird. Eine unglaubliche Menschenkenntnis und einen sechsten Sinn, diese Eigenschaften schätzte er an seiner Gemahlin. Er habe mit ihr unendlich glückliche Jahre verbracht. Fürstin Margarita starb 1996. „Mit ihrem Tod trat das Schwerste für mich ein. Ich bin nun allein.“

Hüttenwerk gerettet

Mit dem Tod seines Vaters 1965 wurde Friedrich Wilhelm vom Bevollmächtigten zum alleinigen Chef des Hauses. In seinen Memoiren erwähnt er dies mit keiner Silbe. Dafür geht er ausführlich auf die Rettung des vom Konkurs bedrohten Hüttenwerks Laucherthal ein. Sein Verdienst.

Der Fürst trennte sich von Besitztümern, um die Arbeitsplätze in dem mit rund 100 Millionen Mark überschuldeten Betrieb zu retten. Eine zweite weitsichtige unternehmerische Entscheidung: Am Großen Arber gelang es, aus dem Grundbesitz Kapital zu schlagen, indem die Hohenzollern einen modernen Tourismusbetrieb mit modernen Liftanlagen etablierten. In Sigmaringen entstand die Marstall-Passage, wurde der Hofgarten erneuert und in das Gewerbeaufsichtsamt investiert.

Mit einer Vielzahl von Orden und Ehrenzeichen wurde er dafür ausgezeichnet: Der Fürst trug die Ehrenbürgerzeichen von Sigmaringen, Sigmaringendorf, Bayerisch Eisenstein und Umkirch, er war Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Verdienstmedaille des Landes.

Obwohl er fast vollständig erblindet und an einen Rollstuhl gebunden war, ließ sich der Fürst bis vor wenigen Monaten regelmäßig in seinem Büro im Wilhelmsbau sehen. Diese Arbeitsleistung wirkte motivierend auf seine Mitarbeiter. Friedrich Wilhelm galt in der Unternehmensgruppe (früher Hofkammer) als sehr präsent. „Er war nie unsichtbar“, bemerkte eine Mitarbeiterin.

Pflichten des Hauses eingehalten

Er könne für sich behaupten, die Pflichten seines Hauses eingehalten zu haben: Zuverlässigkeit, Treue, Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit. „Ich persönlich glaube, dass ich dem Wahlspruch unseres Hauses Nihil sine Deo (Nichts ohne Gott) gefolgt bin.“

Er habe seit der Begegnung mit ihm (Schlaganfall im Jahre 2002) keine Furcht mehr vor dem Tod, schreibt der Fürst am Ende seiner Lebenserinnerungen. „Ich gehe meinen Weg, der sich täglich verkürzt und hoffe auf Gottes Gnade.“ Als er diesen Satz schrieb, ahnte er nicht, dass Gott ihm noch nahezu sieben Jahre schenken würde.

Der Fürst wird am Donnerstag, 23. September, um 11 Uhr in der Familiengruft der Hedinger Kirche beigesetzt.