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Exklusives Erlebnis

Übernachten im Schloss: In Sigmaringen ist das möglich

Sigmaringen / Lesedauer: 5 min

Oberhalb der Donau thront Schloss Suggenstein. Hochzeitsgesellschaften, Familien und Firmen nutzen das Gemäuer, während der Schlossherr weniger exklusiv residiert.
Veröffentlicht:20.09.2023, 17:02

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Vom Tor an der Friedhofstraße, das sich elektrisch öffnet, sind es noch knapp 100 Meter. Hinter dem grünen Kleid des dicht bewachsenen Parks lugt das Schloss mit dem markanten Stufengiebel und dem Türmchen hervor. Das 1904 erbaute Anwesen wird als Feriendomizil immer beliebter. Und das, obwohl die 300 Quadratmeter großen Räume nur komplett zu haben sind.

„Seit Juni war das Schloss durchgehend vermietet“, sagt der Schlossherr Michael Pelzel. Der Musiker aus Stäfa am Zürichsee hat Suggenstein 2015 für einen unteren siebenstelligen Betrag vom früheren Alno-Vorstandsvorsitzenden gekauft.

Schon damals hatte er angekündigt, die Schlossräume vermieten zu wollen. Erst an eine Produktionsfirma, die die noble Umgebung für Künstlerproduktionen nutzte. Künstler wie der Rapper Cro und oder Soulsängerin Ira May arbeiteten dort nach Angaben des Eigentümers an neuen Songs.

Mit Blick ins Grüne: Die frühere Terrasse des Schlosses wurde zu einem Speisezimmer umgebaut.
Mit Blick ins Grüne: Die frühere Terrasse des Schlosses wurde zu einem Speisezimmer umgebaut. (Foto: Michael Hescheler)

Als sie auszogen, mietete eine in Tuttlingen tätige Finanzmanagerin mit ihrer Familie das Anwesen für vier Jahre ‐ ihr Namensschild klebt noch am Eingang. Doch aus dem Schloss ist vor etwa einem Jahr ein Feriendomizil geworden. Über Buchungsportale im Internet steuert er die Vermietung, eine Minijobberin und Reinigungskräfte unterstützen ihn, wenn er selbst nicht in Sigmaringen weilt.

Ein Mieter erzählt

„Wir geben eine vierstündige Schulung für unsere Kunden und kochen danach für sie“, sagt der derzeitige Mieter, ein Außendienstmitarbeiter aus Belgien, der mit seinen Gästen lediglich für eine Nacht bleibt.

Über Airbnb ist er auf das Schloss aufmerksam geworden, von Sigmaringen hat er zuvor noch nie etwas gehört. In den insgesamt sieben Schlafräume auf den beiden oberen Etagen und im Keller gibt es genügend Rückzugsmöglichkeiten, auch für kleinere Firmengruppen, die den besonderen Ort nutzen, um kreativ etwas auszuarbeiten.

Der Lieblingsort des Schlossherrn

Ein Rückzugsort und der Raum, in dem sich Eigentümer Michael Pelzel am wohlsten fühlt: die Bibliothek. Schwere Bücherregale aus Holz paaren sich mit modernen Sesseln aus Kuhleder.

Behutsam hat der Eigentümer den Stil des Vorbesitzers erweitert. Die Kunstwerke an den Wänden tragen seine Handschrift genauso wie die skurrilen, in Goldtönen gehaltenen Tierlampen.

Das wichtigste Schlafzimmer

„Für das Hauptschlafzimmer habe ich eine Jugendstilkommode gefunden, die demnächst aufgebaut wird“, sagt der Vermieter und zeigt stolz an die Wand, an der im Moment noch eine unscheinbare Bank steht.

Während das Bett von den aktuellen Gästen nur einseitig belegt ist, schlafen in diesem Zimmer häufiger Hochzeitspaare, die das Schloss für sich und ihre Gäste buchen. Vom halbrunden Balkon aus genießen die Besucher einen tollen Blick in den Garten. Zum Schlafzimmer gehört ein großzügiges Bad mit runder Badewanne.

Das Internet führt den Schweizer nach Sigmaringen

Der Schweizer Musiker entdeckte das zum Verkauf stehende Schloss im Internet, einen Bezug zu Sigmaringen hatte vorher nicht. „Als Schlossfreak habe ich nach so etwas gesucht“, erzählt Michael Pelzel.

Die Traumwelt, die Hermann Burger in seinem Roman Schilten aufzeigt, werde in Suggenstein für ihn Wirklichkeit. In Anlehnung an den Roman taufte er seine Wohnung im Nebengebäude „Pächterhaus“.

Der Schlossherr: Michael Pelzel hat Schloss Suggenstein 2015 gekauft.
Der Schlossherr: Michael Pelzel hat Schloss Suggenstein 2015 gekauft. (Foto: Michael Hescheler)

Sie ist die frühere Hausmeisterwohnung. Durch eine schmiedeeiserne Türe führt eine Treppe hinunter in das Reich des Musikers. Der im Eingangsbereich thronende Flügel ist ein Ort der Schöpfung für den Komponisten.

Nebenan befindet sich eine kleine Wohnung mit drei Betten, die häufiger von Radfahrern genutzt wird. In dem Appartement nächtigten die Gäste des Vorbesitzers.

Die Geschichte des Schlosses

Errichtet wurde Suggenstein 1904 vom Sigmaringer Gastwirt Johann Riegger, der in der Stadt den „Kronprinzen“ (vormals „Ochsen“) an der Josefinenstraße betrieben hatte.

Im Goldgräberrausch in den USA soll er zu Geld gekommen sein und sich deshalb Suggenstein geleistet haben. Vermutlich stand auf dem Felsen im Mittelalter eine Ritterburg.

Schloss Suggenstein bietet 27 Schlafplätze.
Schloss Suggenstein bietet 27 Schlafplätze. (Foto: Michael Hescheler)

Der Gastwirt soll mit seinem Pferdefuhrwerk in Sigmaringen bis in die 1940er-Jahre den selbst gebrannten Schnaps ausgeliefert haben. Ein Vermächtnis Rieggers ist die Schnapsbrennerei im Nebengebäude und der riesige Gewölbekeller im Bauch des Schlosses, der als Lagerraum genutzt wurde.

Ich mache nur einen kleinen Gewinn.

Michael Pelzel

Vom Kellertor und der markanten Laterne kann man nur einen kleinen Teil des Schlossgartens überblicken, der beinahe hinab bis an die Donau reicht. Das schmale, langgezogene Grundstück misst etwas mehr als drei Hektar. Wer einmal um das Grundstück gehen möchte, muss 20 Minuten einplanen.

Das kostet eine Übernachtung

Die aus der Vermietung erzielten Einnahmen reichten, um die Kosten für den Unterhalt und die weitere Einrichtung zu decken. „Ich mache nur einen kleinen Gewinn“, sagt der Schweizer in aller Bescheidenheit.

Pro Nacht verlangt er 350 Euro für acht Gäste. Je nach Personenzahl steigt oder sinkt der Preis. Die Konstellationen wechseln häufig: „In der kommenden Woche hat ein Pärchen das ganze Schloss gemietet.“

Eine großzügige Badewanne gehört zum Bereich, den vornehmlich Hochzeitspaare buchen.
Eine großzügige Badewanne gehört zum Bereich, den vornehmlich Hochzeitspaare buchen. (Foto: Michael Hescheler)

Unterm Dach befinden sich in einem riesigen Schlafzimmer zehn Betten. Wenn Großfamilien Suggenstein für ein Treffen buchen, richten in dem Raum häufig die Kinder ihr Lager ein. Versteckt über eine Seitentüre gelangt der Besucher in das Türmchen, das eigentlich nur zur Zierde gebaut wurde, das die Gäste künftig aber begehen können.

Vor wenigen Tagen war deshalb ein Schlosser da, der eine feste Treppe konstruieren soll. Momentan kann der Turm nur über eine Aluleiter bestiegen werden. Wenn die Treppe fertig ist, ist Schloss Suggenstein um eine weitere Attraktion reicher.