StartseiteRegionalRegion SigmaringenSigmaringenAuf diesen fünf Säulen steht das Imperium der Firma Steidle

Bau ist längst nicht alles

Auf diesen fünf Säulen steht das Imperium der Firma Steidle 

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Die Sigmaringer Traditionsfirma erfindet sich immer wieder neu. Im Jahr des 200. Geburtstags blicken wir in das Innere des Unternehmens.
Veröffentlicht:09.12.2023, 17:00

Artikel teilen:

In den 1960er-Jahren hatte die Firma Steidle 800 Mitarbeiter am Bau und in den Zulieferbetrieben beschäftigt. Im Jahr des 200. Geburtstags ist das Unternehmen völlig neu aufgestellt. In fünf Geschäftsbereichen erwirtschaften für das Sigmaringer Unternehmen rund 120 Mitarbeiter zwischen 30 und 35 Millionen Umsatz pro Jahr.

Wir werfen einen Blick in die fünf Geschäftsbereiche. „Dass wir so breit aufgestellt sind, das war früher und das ist heute für uns wie eine Lebensversicherung“, sagt Unternehmenschef Hans Steidle.

1. Das Flaggschiff

Der Geschäftsbereich Bauen ist nach wie vor das Flaggschiff der Sigmaringer Firma Steidle.
Der Geschäftsbereich Bauen ist nach wie vor das Flaggschiff der Sigmaringer Firma Steidle. (Foto: Steidle)

Größter Unternehmensbereich ist nach wie vor der Bau, das Flaggschiff der Firma Steidle. Sein Unternehmen ist im Gewerbebau aktiv, baut Häuser und Brücken, dichtet Tiefgaragen ab oder saniert Kläranlagen.

Verglichen mit den 150 Mitarbeitern, die Anfang der 1990er-Jahre in diesem Firmenbereich arbeiteten, wurde diese Abteilung verschlankt. 40 Spezialisten arbeiten für den Hochbau - je nach Bedarf werden Leistungen über Subunternehmen zugekauft. In der Projektentwicklung hat Steidle in den letzten Jahren allein in Sigmaringen über 100 Wohnungen geplant und gebaut, zum Beispiel im Stadtteil Gorheim.

Die meisten Wohnungen verblieben im Bestand der Familie und werden vermietet. Steidle rechnet damit, dass der Wohnungsbau massiv rückläufig sein wird. Vergleichen mit dem Jahr 2019 seien die Baupreise um 20 bis 30 Prozent gestiegen.

Der zweite Grund für die Vollbremsung sind die Zinsen, die von annähernd null auf etwa vier Prozent gewachsen sind. Deshalb seien weitere eigene Projekte nur machbar, wenn Steidle mehr eigenes Kapital bei der Finanzierung einbringt und höhere Mieten verlangt. Zahl der Mitarbeiter: 40.

2. Das Garagenwerk wird erweitert

Im Garagenwerk werden künftig Technikboxen gebaut. Deshalb investiert Steidle in eine neue Produktionslinie.
Im Garagenwerk werden künftig Technikboxen gebaut. Deshalb investiert Steidle in eine neue Produktionslinie. (Foto: Steidle)

Neben Fertiggaragen setzt Steidle im kommenden Jahr in Krauchenwies verstärkt auf ein neues Produkt: Technikboxen für Glasfaserverteiler, Kläranlagen, Pumpwerke oder andere Zwecke. Eine neue Produktionshalle wird an das Krauchenwieser Werk angedockt. Sie ist die Reaktion auf eine spürbar steigende Nachfrage, während der „Hype“ um Fertiggaragen zuletzt abflachte.

Inhaber Hans Steidle
Inhaber Hans Steidle (Foto: Steidle)

Die neue Halle soll im kommenden Jahr in Betrieb genommen werden. „Die Produktionslogik ist die gleiche, aber der Markt ist neu für uns“, sagt der Firmenchef. Verglichen mit Wettbewerbern bietet das Sigmaringer Unternehmen deutlich kürzere Lieferzeiten an. Aus diesen Gründen sieht Steidle der Zukunft in diesem Geschäftszweig positiv entgegen. Zahl der Mitarbeiter: 20.

3. Quarzsand für den Export

Den Abbau von Quarzsand betreibt Steidle in seinem Werk in Wald und Rengetsweiler bei Meßkirch. Die Tonbestandteile des Rohsandes werden dort herausgewaschen und das Erzeugnis für den Sportplatz- und Golfplatzbau in der Region, in Vorarlberg und in der Ostschweiz verwendet. Die andere Hälfte der in Rengetsweiler geförderten Menge wird in Krauchenwies weiterverarbeitet.

Dort wird der Quarzsand in unterschiedliche Körnungen getrennt, sodass er in der Putz- und Glasindustrie eingesetzt werden kann. Die Bad Wurzacher Glasfabrik und namhafte Putzhersteller wie Sto oder Maxit beziehen von Steidle Quarzsand. Steidle rechnet mit stabilen Geschäften in den kommenden Jahren, da die Förderung in Rengetsweiler noch für die weitere 25 Jahre gesichert ist. Zahl der Mitarbeiter: 12.

4. Bioenergie made in Krauchenwies

In Krauchenwies werden Holz-Pellets hergesetellt.
In Krauchenwies werden Holz-Pellets hergesetellt. (Foto: Steidle)

Herstellung von Holz-Pellets: Wegen der Energiewende setzt Steidle ein größeres Augenmerk auf diesen Geschäftsbereich. In Krauchenwies produziert Steidle Pellets und erzeugt im dortigen Biomasse-Heizkraftwerk neben Ökostrom die Wärmeenergie, die für die Trocknung des aus den umliegenden Sägewerken angelieferten Sägemehls erforderlich ist.

Das Heizkraftwerk gehört Steidle komplett, das Pelletwerk ist ein Joint Venture, an dem die Firma Schellinger zu 40 Prozent beteiligt ist und die Vermarktung der Pellets übernimmt. Zahl der Mitarbeiter: 10.

5. Der Holzbau als kleinster Geschäftszweig

Kleinster Geschäftszweig ist der Bau von Holzschalungsträgern.
Kleinster Geschäftszweig ist der Bau von Holzschalungsträgern. (Foto: Steidle)

Holzschalungsträger für die Bauwirtschaft stellt Steidle an seinem Sigmaringer Stammsitz her. Zudem fertigen die Mitarbeiter der Industriezimmerei Nagelplattenbinder. „In diesem Bereich suchen wir nach neuen Produkten“, so der Firmenchef.

Zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt Steidle eine Holzbauweise, deren Hauptvorteil in einem sparsamen Einsatz von Material besteht. Zahl der Mitarbeiter: 8.

Die Söhne Matthias, Konstantin und Jonathan (von links) wollen das Familienunternehmen von Hans und Jacqueline Steidle übernehmen.
Die Söhne Matthias, Konstantin und Jonathan (von links) wollen das Familienunternehmen von Hans und Jacqueline Steidle übernehmen. (Foto: Steidle)

Anmerkung: Im Zentralbereich erledigt die Firma die übergeordneten Tätigkeiten. Zahl der Mitarbeiter: 30.