StartseiteRegionalRegion SigmaringenSigmaringen300 Jahre Fasnetskult: So feiern die Narren den Bräuteltag

Fest zum Jubiläum

300 Jahre Fasnetskult: So feiern die Narren den Bräuteltag

Sigmaringen / Lesedauer: 4 min

Mehrere Zünfte kommen am Sonntag in Sigmaringen zusammen und zeigen ihre Bräuche. Wir zeigen, wie die sich unterscheiden.
Veröffentlicht:19.02.2023, 17:45

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Normalerweise bräuteln die Zünfte am Fasnetsmontag oder -dienstag, und zwar nicht um den Sigmaringer Marktbrunnen, sondern in ihren jeweiligen Heimatorten. Doch an diesem Sonntag haben sich etliche Bräutlingszünfte in der Kreisstadt versammelt, um das 300–jährige Bestehen der Tradition in Sigmaringen zu feiern.

Nach einem Umzug von der Stadthalle zum Marktplatz zeigten sie dort, wie ihr Brauch funktioniert und was dahinter steckt. Ein Überblick.

So läuft das Bräuteln in Sigmaringen

Frisch verheiratete Ehemänner, Ehejubilare und verheiratete Zugezogene werden am Fasnetsdienstag von den ledigen Bräutlingsgesellen auf einer Stange um den Marktbrunnen getragen und werfen dabei Brezeln, Würste und Süßigkeiten aus. Frauen bleibt der Ritt auf der Stange allerdings verwehrt.

Wer nicht gebräutelt werden möchte, kann sich freikaufen. Der Brauch geht auf eine Beilage zur Renteirechnung aus dem Jahr 1723 zurück, in der das Bräuteln erstmals erwähnt wurde.

So läuft das Bräuteln in Laiz

Die Laizer Balkenstrecker führen das Bräuteln auf den Dreißigjährigen Krieg zurück. Nach Kriegsende, als die ersten Männer wieder Hochzeit und damit Lebensfreude feiern wollten, wurden sie um den Dorfbrunnen getragen, als Zeichen der Bevölkerung auf neue Hoffnung.

Die erste Erwähnung des Bräutelns in Laiz geht auf das Jahr 1659 zurück. Dort findet es montags statt. Gebräutelt werden Frischvermählte, Ehejubilare, Neubürger und frisch gewählte Ortschaftsräte. Die Devise verkündet ein Balkenstrecker am Sonntag: „Wir bräuteln jeden.“ Das heißt, auch Frauen dürfen auf die Stange.

So läuft das Bräuteln in Bingen

Mit mehreren Gruppen und etlichen Begleitern sind die Binger am Sonntag in Sigmaringen vertreten. Ihre Bräutlingstradition geht ins 17. Jahrhundert zurück. Damals war während der Fastenzeit nicht nur massiges Essen und Trinken verboten, sondern auch der eheliche Verkehr und Hochzeiten. Also feierten die Binger die Zeit danach, indem sie damals die Braut mit einer gepolsterten Stange durch den Ort trugen.

Anders als in Sigmaringen werden auch heute noch junge, fruchtbare Frauen auf der Stange getragen, erklärt ein Zunftmitglied. Die Frauen werfen jedoch keine Süßigkeiten, sondern werden selbst hochgeworfen. Gebräutelt werden grundsätzlich aber Männer, und zwar alle, die zugezogen sind, das erste Kind bekommen oder frisch geheiratet haben. Jährlich sind es am Fasnetsdienstag 13 bis 15 Bräutlinge, begleitet vom Schnäppermarsch.

So läuft das Bräuteln in Inzigkofen

Erste Aufzeichnungen zum Bräuteln in Inzigkofen gab es 1824. Seither findet es am Fasnetsmontag statt. Der Bräutling wird um den Brunnen getragen und wirft Würste und Wecken in die Menge. Dazu spielen der Spielmannszug der Ledigen Gesellschaft mit Trommlern und Pfeifern, die Musikkappelle Inzigkofen oder ein Fanfarenzug. Im Anschluss folgt die Taufe von unten her:Der Bräutling wird mir dem Fuß in den Brunnen getaucht — fällt aber, je nach Benehmen auf der Stange, auch mal hinein, so ein Mitglied der Ledigen am Sonntag.

Die Bandbreite der Gründe, um gebräutelt zu werden, sind in Inzigkofen breit gestreut: Auf der Stange reiten dürfen die Inzigkofer, die standesamtlich geheiratet haben, silberne und goldene Hochzeit feiern, ein Amt im Gemeinderat übernehmen oder zum Bürgermeister gewählt worden sind. Auch zugezogene Ehepaare dürfen gebräutelt werden.

So läuft das Bräuteln in Haigerloch

Der Bräutelbrauch ist von Sigmaringen nach Haigerloch gekommen. Laut Mitglied der Narrenzunft war das 1860. Dabei muss es schnell zugehen: Das Bräuteln findet dort nur im Schaltjahr statt. Das heißt, mehr als 100 Bräutlinge dürfen auf die Stange, und das in drei Stunden. „Das sieht wild aus‟, sagte ein Zunftmitglied am Sonntag. Auch hier werden die Bräutlinge von unten getauft: Wer sich auf der Stange benimmt, muss nur mit dem Fuß in den Brunnen, wer das nicht tut, wird hinein geworfen. Gebräutelt werden alle Männer, die in den vergangenen vier Jahren geheiratet, gebaut haben oder zugezogen sind. Dabei erklingt der Bräutelmarsch.

Das Bräuteln findet, abgesehen vom mit Sigmaringen durchs Fürstenhaus verwobenen Haigerloch, nur sehr regional statt. Auch Jungnau, Sigmaringendorf, Scheer, Krauchenwies, Ablach, Laucherthal sowie Unter– und Oberschmeien bräuteln. Sigmaringendorf hat zwar mit der Strohmannszunft am Sonntag teilgenommen, allerdings war die fürs Bräuteln zuständige Ledigengesellschaft nicht dabei. Die übrigen Gemeinden waren ebenfalls nicht mit Bräutlingsgruppen vertreten.