StartseiteRegionalRegion SigmaringenScheerVorsitzender der Kapelle wird gebräutelt - und hält dicht

Mit Videos und Bildergalerie

Vorsitzender der Kapelle wird gebräutelt - und hält dicht

Scheer / Lesedauer: 2 min

Die Identität der Bräutlinge bleibt bis zum Ende ein Geheimnis in Scheer. Aufmerksamen Zuschauern dürfte aber eine Kleinigkeit nicht entgangen sein.
Veröffentlicht:12.02.2024, 17:00

Artikel teilen:

Die Stadtkapelle spielt, die Rußler färben den Frauen die Wangen, die Handwerksgesellen verteilen Brezel und alle feiern in der Stadthalle bei Kesselfleisch, Speck, gekochten Eiern und Brot ein rauschendes Fest. Während die Tradition des Bräutelns für die meisten Narren, Einwohner von Scheer und ihre Gäste am Rosenmontag einen gewohnten und liebgewonnenen Ablauf hat, sind es für einzelne ganz besondere Stunden.

Geheimnis wird gelüftet

„Es war nicht leicht für die Braut, sich im Vorfeld nicht zu verraten“, sagt Stadtrat Christian Baumgart als die Masken des Brautpaars am Mittag gefallen sind und ein wohl gehütetes Geheimnis endlich gelüftet ist. Unter dem holden hölzernen Antlitz der Braut steckt Christoph Ehm, Vorsitzender der Stadtkapelle.

Jennifer Kuhlmann

Seine Hochzeit liegt schon etwas zurück, aber aufmerksamen Blicken war es natürlich nicht entgangen, dass er sich nicht unter den spielenden Musikern befunden hatte, die um den Kondebrunnen marschierten und den Hochzeitszug anführten. „Er hat aber bis zuletzt alle Nachfragen abgewehrt und dicht gehalten“, lobt Baumgart.

Eins ist nämlich klar: So unfassbar viele Hochzeiten von potenziellen Kandidaten für das Duo auf der Stange gibt es pro Jahr in Scheer nicht. Und dann hatte man sich im vergangenen Jahr sogar gleich zwei Paare gegönnt - so nach Corona und wegen der neuen Masken. „Da können sich viele schon ausrechnen, wen wir fragen werden“, sagt Thomas Eisele, der Vorsitzende der Bräutelzunft. „Es muss ja auch für alle passen.“

So eine Überraschung

Christoph Ehm und sein für diesen Tag angetrauter Bräutigam Achim Haga genießen es jedenfalls sichtlich, in die vielen überraschten und freudigen Gesichter zu schauen. 300 Personen passen in die Stadthalle, es ist mal wieder rappelvoll.

„Es ist immer toll zu sehen, wie bunt gemischt das Publikum ist“, freut sich Zunftmeister Uwe Lang. Er selbst war vor 32 Jahren Bräutler. „1991 ist die Fasnet wegen des Golfkriegs abgesagt worden“, erinnert er sich. „Im Jahr danach hatten wir zwei Brautpaare, zu einem davon gehörte ich.“

Zugezogene sind eingeladen

Zur Tradition gehört auch, dass zugezogene Einzelpersonen und Familien explizit zum Bräuteln in die Stadthalle eingeladen werden. „So habe ich die Fasnet in Scheer kennengelernt“, sagt Christoph Baumgart, der in Mengen aufgewachsen und dann nach Scheer gezogen ist. „Es hat mir das Einleben in der Stadt viel einfacher gemacht, weil ich gleich viele Leute kennengelernt habe.“

Jennifer Kuhlmann

Zwischen gekochten Eiern, Limonade und Bier ist auch die Bürgermeisterwahl am Sonntag Thema. Und, wie es in den kommenden Jahren um die Halle bestellt sein wird. „Das ist immer noch unser großes Sorgenkind“, so Eisele. „Ein Zelt fürs Bräuteln aufzustellen, weil die Halle zu ist, wäre für uns eine Katastrophe.“