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Kein Kontakt mehr

Geschäftsführer von Boxtango hat sich abgesetzt

Ostrach / Lesedauer: 4 min

Der geplante Container–Terminal steht vor dem Aus. Das Finanzamt hat als Gläubiger Insolvenz für das Unternehmen beantragt. Wie es nun weitergeht. 
Veröffentlicht:01.08.2023, 05:00

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Der Stillstand ist zum Dauerzustand geworden. Auf dem Gelände von Boxtango am Fabrikweg tut sich seit Monaten nichts mehr. Nun hat das Finanzamt Sigmaringen die Insolvenz für das Unternehmen beantragt.

Seit Mitte 2015 gibt es Boxtango in Ostrach. Auf dem Gelände des früheren Holzhofes der Gemeinde war ein Container–Terminal geplant. Mittels Spezialfahrzeug sollten die Container ohne Kran unkompliziert zwischen Lastwagen und Zug verladen werden.

Der Wirtschaftsingenieur und Geschäftsführer Martin Burkhardt überzeugte damals unter anderem Verwaltung, Gemeinderat, Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Auf dem rund zwei Hektar großen Gelände neben den Bahnschienen kam das Geschäft mit den Containern aber nie richtig ins Rollen.

Konkurs in der Schweiz

Boxtango hatte auch einen Sitz im schweizerischen Herisau. Dort sieht es nicht besser aus. Das Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden hat am 19. Juli entschieden: „Die Gesellschaft ist nach den Vorschriften über den Konkurs zu liquidieren.“

Wir konnten bislang keinen Kontakt zu ihm herstellen.

Insolvenzverwalter Matthäus Rösch

Der Grund ist ein sogenannter Organisationsmangel. Der liegt in der Schweiz vor, wenn eines der gesetzlichen Organe fehlt oder nicht richtig zusammengesetzt ist. Bedeutet: Wenn beispielsweise kein Geschäftsführer mehr vorhanden ist. Denn der Boxtango–Chef scheint sich abgesetzt zu haben.

Der Briefkasten am Büro-Container quillt über. 
Der Briefkasten am Büro-Container quillt über.  (Foto: Julia Freyda)

„Wir konnten bislang keinen Kontakt zu ihm herstellen“, sagt der zuständige Insolvenzverwalter Matthäus Rösch. Das scheint schon länger schwierig zu sein, zeigt ein Blick vor Ort. Briefkästen quellen über: Sowohl am Bürocontainer am Fabrikweg als auch an einer Wohnung an der Buchbühlstraße, die als zusätzliches Büro angemietet war. Auf Anrufe und E–Mails gibt es keine Reaktionen.

Insolvenzmasse feststellen

Bereits seit November soll Burkhardt abgetaucht sein. Für den Insolvenzverwalter beginnt nun eine Detektivarbeit, um im Verfahren voran zu kommen. „Wir werden vermutlich Briefkästen und Container auf dem Platz öffnen lassen, um zu sehen, was drin ist“, sagt Rösch. Denn herauszufinden gilt es, was überhaupt an Insolvenzmasse vorhanden ist.

Martin Burkhardts Ideen waren nicht schlecht, aber er konnte anderen nicht vertrauen oder Arbeit delegieren.

Ehemaliger Kollege

Zu Bestzeiten haben sechs Mitarbeiter bei Boxtango gearbeitet. Zwar kam der Containertransport nicht wirklich ans Laufen, aber der mit Holzzügen. „Der hat den Betrieb am Leben gehalten. Martin Burkhardts Ideen waren nicht schlecht, aber er konnte anderen nicht vertrauen oder Arbeit delegieren“, sagt ein ehemaliger Kollege von Burkhardt, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Er selber habe im November zuletzt Kontakt zu ihm gehabt. „Damals sagte er mir, die Firma ist pleite. Das war schon früher absehbar und ich hatte ihm im Februar 2022 schon geraten, die Insolvenz anzumelden.“ Das hat nun das Finanzamt Sigmaringen als Gläubiger übernommen.

Gemeinde schaltet Anwalt ein

Auch die Gemeinde Ostrach ist von dem Fall betroffen. „Wir haben schon länger einen Rechtsanwalt eingeschaltet und sind unter anderem mit der Gläubigerbank, die das Projekt finanziert hat, in einem engen Austausch“, sagt Bürgermeister Christoph Schulz. Hintergrund ist ein Rückkaufrecht, das die Gemeinde in den Kaufvertrag aufgenommen hatte, falls das Projekt scheitert.

„Es gehört noch nicht wieder der Gemeinde“, sagt Schulz. Man könne es brauchen, aber nicht um jeden Preis. Sollte es im Rahmen des Insolvenzverfahrens verkauft oder versteigert werden, könne dies auch im Sinne der Gemeinde sein. Der Bebauungsplan ermöglicht dort nur Gewerbe und auch die Gemeinde verfolge weiter das Ziel einer gewerblichen Nutzung auf der Fläche.

Weiter Interesse an Güterverkehr

Der Bürgermeister bereut die damalige Entscheidung für Boxtango nicht. „Es war absolut richtig, dem Projekt eine Chance zu geben“, sagt Schulz. Denn die Eigentümergemeinden der Bahnstrecke haben Interesse an einem Güterverkehr. Das bleibe auch so, sei aber eine Herausforderung. „Boxtango war engagiert und hatte Unterstützung von IHK und Regionalverband. Dass es trotz dieses Rückhalts nicht geklappt hat, zeigt diese Schwierigkeit“, sagt der Bürgermeister.