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Blick durchs Schlüsselloch

So lebt es sich in einem ehemaligen Wasserschloss

Menningen / Lesedauer: 4 min

Familie Joos baut das ehemalige Wasserschloss in Menningen um. Für unsere Serie „Blick durchs Schlüsselloch“ gibt sie einen Einblick in ihr Zuhause.
Veröffentlicht:28.08.2023, 17:14

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Wohnen in einem ehemaligen Wasserschloss — ein Traum, der nur für die Wenigsten in Erfüllung geht. Lena und Jürgen Joos mit ihren vier Kindern haben ihn sich in Menningen–Leitishofen verwirklicht und wohnen inzwischen in ihrem ehemaligen Schloss. Für die Sommer–Serie „Blick durchs Schlüsselloch“ gewährt die Familie einen Einblick in einige Räume des Hauses und in den Garten und erzählt, welche Hürden sie auf sich genommen haben.

Aus Bayern zurück in die Heimat

Vor drei Jahren hat die Familie Joos das alte Schloss in Menningen–Leitishofen gekauft und daraufhin in Abstimmung mit dem Denkmalamt, größtenteils selbst umgebaut. Im Dezember 2021 konnte die Familie nach einem Jahr Bauzeit schließlich einziehen. „Wir wollten immer ein altes Gebäude“, erzählt Lena Joos, die gebürtig aus Meßkirch kommt.

Man hat wirklich einen anderen Bezug zu seinem Zuhause, wenn man gefühlt jeden Stein einmal in der Hand hatte.

Lena Joos

Nach dem Abitur sei sie mit ihrem Mann zusammen nach Bayern gezogen, zusammen hätten sie bereits zwei Häuser gebaut. „Wir haben aber immer sehr modern gebaut und ich wollte gerne wieder zurück in die Heimat“, erzählt sie. Bei dem Gebäude hätten sie dann die einmalige Gelegenheit ergriffen. „Und wir fühlen uns hier wirklich richtig wohl und wurden gut aufgenommen“, sagt sie.

Fast alles selbst gemacht

Im Gebäude hätten sie die ehemaligen Rundbögen wieder freigelegt, die nun für ein offenes Wohnkonzept sorgen. Auch die Rundbögen an einigen Fenstern hätten sie freigelegt und neben der Eingangstür ein großes bodentiefes Fenster mit Rundbogen eingebaut. In der Küche haben sie zudem eine Wand komplett natürlich belassen. „Mein Mann ist Geschäftsführer bei einer Firma für Windenergieanlagen und ist handwerklich sehr begabt. Ich habe nach meinem BWL–Studium in einer Baufirma gearbeitet“, sagt Joos.

Nur die Gewerke Sanitär und Elektrik hätten die beiden vergeben. „Man hat wirklich einen anderen Bezug zu seinem Zuhause, wenn man gefühlt jeden Stein einmal in der Hand hatte“, sagt sie. Vor allem die Restauration der Treppe sei sehr mühsam gewesen. „Aber alles in allem gibt es keinen Punkt, den ich beim Umbau hervorheben möchte. Es war alles anspruchsvoll“, sagt sie.

Gebäude hat eine lange Geschichte

Im Dachstuhl des Gebäudes ist an einem Balken noch die Jahreszahl 1732 zu lesen, wie SZ–Mitarbeiter Karl Mägerle bereits in früheren Recherchen herausfand. So war das Gebäude früher ein Wasserschloss und nachdem es 1852 an die Pfarrgemeinde Menningen verkauft wurde, schließlich ein Pfarrhaus, bevor es rund 20 Jahre leer stand und schließlich verkauft wurde.

Anlass für eine damalige Kernsanierung dürfte laut Mägerle wohl der Übergang des Gebäudes vom Mitte des 17. Jahrhunderts erloschenen Geschlecht der Gremlich an das Haus von Fürstenberg gewesen sein, das in der Folge größere Umbauarbeiten an dem Gebäude vornahm.

Eis für Radfahrer und Spaziergänger

Nun war es aber an der Familie Joos dem Haus wieder neues Leben einzuhauchen. In der oberen Etage gibt es neben den fünf Schlafzimmern ein zusätzliches Wohnzimmer mit einer kleinen Küchenzeile. „Natürlich ist das Haus groß, aber mit vier Kindern brauchen wir auch etwas mehr Platz“, sagt Joos. Aber nicht nur die Wohnfläche ist groß, sondern auch das zugehörige Grundstück der Familie, auf dem inzwischen einige Ziegen weiden und ein großer Gemüsegarten die Familie saisonal versorgt.

Es waren intensive Jahre, aber wir sind froh, dass wir den Schritt gewagt haben.

Lena Joos

Am Eingang der Hofeinfahrt gibt es zudem eine kleine Hütte, in der Radfahrer und Spaziergänger die Möglichkeit auf ein Hofeis oder frische Blumen haben. „Schon während der Umbauzeit haben wir bemerkt, dass extrem viele Radfahrer vorbeikommen, da hatten wir die Idee mit dem Eis“, sagt Lena Joos. Diese werde auch jetzt, nach der Corona–Zeit immer noch gerne angenommen. „Es waren intensive Jahre, aber wir sind froh, dass wir den Schritt gewagt haben“, sagt Joos abschließend.