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Jagdgesetz

Plan eines neuen Jagdgesetzes bringt Jäger in Rage

Mengen / Lesedauer: 4 min

Thema emotional von Jägern und Naturschützern aufgeladen – Tiere könnten von Jagdliste gestrichen werden
Veröffentlicht:15.08.2013, 18:25

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Die Landesregierung will das Jagdgesetz überarbeiten und holt dafür verschiedene Interessensgruppen an einen Tisch. Bei den Jägern auch in Mengen regt sich Widerstand. Sie befürchten Einschränkungen. Naturschützer befürworten die Überarbeitung des Gesetzes.

„Ein neues Jagdgesetz ist und war nicht nötig“, sagt Walter Burchardt, Kreisjägermeister des Altkreises Saulgau mit knapp 400 Mitgliedern. Er könne sich jedoch einige Verbesserungen vorstellen. „Das Gesetz ist verstaubt und nicht mehr zeitgemäß, eine Novellierung seit Jahren erforderlich“, sagt hingegen Andre Baumann , Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Baden-Württemberg. Das sei jedoch eine Herkulesaufgabe, weil das Thema mit Emotionen von beiden Seiten, Naturschützern und Jägern, aufgeladen sei, so Baumann. Der Nabu sei nicht gegen eine naturverträgliche Jagd. „Wir brauchen die Jäger“, sagt Baumann.

Jäger befürchten Kirrungsverbot

Der Mengener Hegeringleiter Max Gutknecht befürchtet ein Kirrungsverbot. Bei der Kirrung locken Jäger Tiere mit Futter auf einen Platz, um sie zu jagen. „Wenn man das nicht mehr machen kann, dann kriegt man die Rehe nicht mehr“, sagt Gutknecht. In den dichten Wäldern sei das Wild schwer zu sehen. Das wirke sich auch finanziell aus. Jäger müssten nämlich für Wildschaden aufkommen, der zum Beispiel den Landwirten entsteht, wenn Wildtiere ihre Felder zerstören. Würden weniger Tiere gejagt, könne auch der Schaden zunehmen. Außerdem vermehrten sich zum Beispiel Rehe sehr schnell. „Dieses Risiko kann sich keiner mehr leisten“, sagt Gutknecht. Obwohl es bisher in Mengen noch keine großen Wildtierschäden gegeben habe, haben die Mengener Jäger eine Wildschadenskasse ins Leben gerufen. Aus dieser sollen Schwarzwildschäden bezahlt und die einzelnen Jäger finanziell entlastet werden.

Das Kirren jedoch sei laut des Nabu-Landesvorsitzenden keine Lösung, sondern das Problem selbst. Die Mengen an Futter um die Tiere zu locken, kämen einer Fütterung gleich, sagt er. Das läge auch an der Konkurrenz der Jäger untereinander, die die Tiere im eigenen Revier jagen wollten. Er fordert ein Verbot der Kirrung oder eine Beschränkung des Futters. Unterschiedliche Positionen gibt es auch zum Thema Fuchsjagd. „Die Fuchsjagd braucht man in dieser Form nicht. Das ist kompletter Quatsch“, sagt Baumann vom Nabu . Eine Regulierung des Fuchsbestandes sei in Baden-Württemberg und auch im Landkreis Sigmaringen nicht nötig. Nur in wenigen Bereichen müsse der Fuchs gejagt werden.

„Ich will die Herrschaften hören, wenn es tollwütige Füchse auf den Spielplätzen gibt“, sagt hingegen Kreisjägermeister Burchardt. Die Schonzeiten der Füchse hielten die Jäger sowieso ein, sagt er. Er fürchtet, dass Füchse strenger geschont werden sollen und verschiedene Jagdarten eingeschränkt werden könnten. Die Baujagd, bei der ein Hund den Fuchs aus dem Bau scheucht, damit der Jäger ihn schießen kann, sei dringend notwendig, so Burchardt. Sonst sei es schwer an die Füchse ranzukommen und sie zu schießen, so Burchardt.

Bruch der Tradition

„Ich verstehe die Aufregung nicht so ganz, schließlich haben wir den jetzigen Stand gemeinsam erarbeitet“, sagt Andre Baumann vom Nabu. Er sieht den Grund dafür in einem Bruch der Tradition. Die Verkürzung der Liste der Tiere, die gejagt werden dürfen, sei für die Jäger ein Tabubruch. Er schlägt vor, Tiere wie die Wildkatzen, Luchse und Wölfe ganz von der Liste zu streichen.

Mengens Hegeringleiter Max Gutknecht befürchtet jedoch, dass sich niemand mehr zuständig fühle, wenn Tiere von der Liste gestrichen würden. Es gehe den Jägern nicht nur ums Schießen, sondern darum, einen artgerechten Wildbestand zu erhalten, sagt er. Baumann erwarte jedoch von den Jägern, sich auch für die Tiere einzusetzen, die nicht auf der Liste stehen.

„Die Rehe, Hirsche und Wildschweine sollen weiter gejagt werden“, so Baumann „aber schon das kriegen die Jäger seit Jahren nicht in den Griff.“ Bäume würden sterben, weil die Tiere alles wegfressen, so Baumann. „Darauf sollten sich die Jäger konzentrieren“, sagt Baumann.

„Wichtig ist uns Jägern, dass ein Gesetz nicht auf ideologischer, sondern auf wissenschaftlicher Basis gemacht wird“, sagt Kreisjägermeister Burchardt. „Ich habe die Befürchtung, dass man zwar gehört wird, aber doch andere Dinge beschlossen werden“, sagt der Mengener Hegeringleiter Max Gutknecht. „Wir arbeiten mit den Jägern gut zusammen“, sagt Baumann vom Nabu. Es gehe darum eine gemeinsame Lösung zu finden und so emotionsarm wie möglich zu diskutieren.

Die Überarbeitung des Landesjagdgesetzes

Seit Oktober 2012 treffen sich Arbeitsgruppen und ein Koordinierungskreis und diskutieren die Überarbeitung des Landesjagdgesetzes. Die Landesregierung will, dass alle Interessensgruppen, Jäger, Naturschützer, Wissenschaftler und Touristiker, gemeinsam Lösungen erarbeiten, um das Gesetz an die heutigen Erkenntnisse der Wildökologie sowie an den Natur- und Tierschutz anzupassen. Die Politik halte sich momentan raus, sagt Hanne Neebuhr, persönliche Referentin des jagd- und tierschutzpolitischen Sprechers Reinhold Pix (Grüne). Bis Ende des Jahres soll laut Zeitplan ein Gesetzesentwurf vorliegen, der auf Grundlage der Lösungsvorschläge aus den Gruppen formuliert werden soll. Anfang 2014 soll das Gesetz im Landtag beschlossen werden und im April soll es inkrafttreten.