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Hohes Narrengericht verhandelt acht Fällen

Hettingen / Lesedauer: 3 min

In der „hochfreiheitlichen Residenzstadt“ geht manches Drunter und Drüber
Veröffentlicht:09.02.2024, 14:59

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Das Narrengericht ist am Schmotziga der Höhepunkt bei der Ortsfasnet. Es tagte unter dem traditionell mit Schwalben aufgestellten Narrenbaum. Die Hettinger lieben es, mit immer neuen Themen die Mitbewohner zu überraschen. Zum Narrengericht fanden sich alle ein und erwarteten mit Spannung, was sie verpasst haben könnten oder weshalb die, die sich selbstverständlich unschuldig glauben, vor das Hohe Gericht zitiert worden sind.

Staatsanwältin Inge Knaus klagte würdig mit weißer Perücke in acht Fällen an. Richterin Anita Steinhart, Richter Fridolin Steinhart und Hubert Halder verurteilten mehr oder weniger milde. Zur entsprechenden Buße wurde diesmal eine Bilddokumentation derselben auferlegt. Offensichtlich wurden die ortsgemeinschaftsfördernden Strafen, wie die Begleitung der Sternsinger, nicht zur Zufriedenheit des Gerichts durchgeführt. Gerichtsbüttel Georg Liener schellte den Weg frei, damit das Hohe Gericht sicher durch die Menge zum Gerichtswagen fand. Er sammelte nach der Verhandlung die in bar zu entrichtenden Gerichtsgebühren von je zehn Euro in den Geldsäckel ein. Die stattliche Summe erhielt am Ende der Verhandlungen die Jugendfeuerwehr.

Im ersten Fall wurde in entschuldigter Abwesenheit Thea Gans verurteilt, die beim Jahreskonzert in ungebührlicher Kleidung Staat machen wollte. Die nächste Strafsache der Bürgerschaft traf Vater und Sohn Harald und Heiko Jäger. Die Anklage“"schlechte Vorbildfunktion und Nötigung von Familienmitgliedern“ hatte schließlich der Vater zu verantworten, da er es war, der das Familientaxi ohne Absprache mit dem Sohn in geselliger Besenwirtschafts-Runde mutwillig nach hinten verlängerte. Als Strafe darf er bei der nächsten Frauenfasnet nüchtern den Fahrdienst übernehmen.

In die weite Welt, nach Malle, wollte Michael Kindler mit seinen Kumpels in einem weiteren Fall reisen. Vorgeworfen wurden ihm „Missachtung behördlicher Vorschriften und Gedankenlosigkeit“. Erst verwechselte er den Führerschein mit dem Reisepass, dann war dieser bereits drei Jahre abgelaufen: Nach aufwändiger Umbuchung und einem Tag Verspätung konnte er schließlich seinen Freunden nachreisen. Entlastend, aber nicht strafmaßmildernd, verlas Richter Halder seine hochwohllöblich“ Entschuldigung an die Zunft und andere Meister der hochfreiheitlichen Residenzstadt, wegen Krankheit nicht anwesend sein zu können.

Auch Asterix (Simon Lieb) und Obelix (Lukas Litschko) mussten sich mit ihren Zunft-Kollegen Fabian Mey und Tim Reibel anhören, dass sie beim Fastnachtsumzug in Inzigkofen am Getränkestand die Aufstellung verpassten und nicht einmal bemerkten, dass ihre Felsaschlupfergruppe an ihnen vorbeizog. „Pünktlich und nüchtern“ müssen nun die Vier bei der Flurputzete erscheinen. Die nächste Anklage lautete auf „Falscheinschätzung, übertriebene Eitelkeit, Einkaufswut und unnötige Geldausgeberei“ und traf sieben vollschlanke Herren des Radtreffs. Dachten sie doch, ein T-Shirt in Größe L sei passend für alle und landeten nach mehreren Versuchen schließlich bei 4-XL. Jetzt dürfen sie im neuen Outfit „Mir send mid em Radl do“ beim Bürgerball singen.

Wenig löblich verhielten sich auch Michael Wessner und Neno Djordjevic beim Laternenbasteln im Kindergarten. Schließlich gelang ihnen die Fertigstellung. Das musste ausgiebig gefeiert werden. Sie schafften danach weder den Anstieg nach Hause, noch wussten sie, wo ihre Laternen geblieben waren. Als letzter wurde Reiner Kley aus der Menge geholt. Ihm wurde vorgeworfen, dass er missbräuchlich sein Saxophon mit „wärmenden Utensilien“ gefüllt hatte und sich dann beim Ringtreffen in Veringenstadt wunderte, wie anstrengend sich sein Instrument spielen ließ. Jetzt darf er bei der Kinderfasnet mit seinem Saxophon eine Polonaise mit den Kindern anführen. „Das lässt sich machen“, meinte Kley und zeigte sich, wie die anderen, mit dem Strafmaß zufrieden.