Funkmast

Bürger machen gegen Funkmast mobil

Herdwangen-Schönach / Lesedauer: 3 min

Bürger machen gegen Funkmast mobil
Veröffentlicht:08.03.2010, 15:40

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Dank des großzügig zur Verfügung gestellten „Unterschlupfs“ in der Braunschen Zimmereihalle ist am Sonntag der Herdwanger Bürgerprotest im „Branden“ nicht vom Eissturm verweht worden. Die Bürgerinitiative hat ein beachtliches Protestpotenzial aufgeboten.

Von unserem Mitarbeiter Ingo Selle

Etwa 1000 Unterschriften gegen den im Herdwanger Gewerbegebiet „Branden“ geplanten Mobilfunkmasten hat die „Bürgerinitiative für ein strahlungsarmes Herdwangen-Schönach “ inzwischen gesammelt. Rund 150 Interessierte sind – trotz widrigster Witterungsbedingungen – am Sonntagnachmittag zu einer bunten Informations- und Protestveranstaltung in die Zimmereihalle Braun gekommen und haben anschließend in einem Protestmarsch ein speziell angefertigtes Mobilfunk-Mastmodell eingeholt und aufgestellt. Der von den Protest-Aktivisten in der benachbarten Zimmerei Oppold zusammen gebaute Mobilfunkmast ähnelt verblüffend jenen frühen Ölbohrtürmen, mit denen der rüde Rockefeller seinen Reichtum begründet hat. Das symbolische „Abfackeln“ des Herdwanger Mastmodells musste am Sonntag allerdings wegen des Sturms entfallen – aber da will sich die Bürgerinitiative noch etwas einfallen lassen – der Mast steht jedenfalls praktisch direkt vor der Gewerbehalle, durch deren Dach der Sendespargel gesteckt werden soll.

Fanal wird gesetzt

Vor und nach dem Protestmarsch hat es ein buntes Informations- und Diskussionsprogramm gegeben, bei dem die – musikalisch durch Musikvereins-Mitglieder verstärkte - Dorfkapelle Lautenbach ihr fetziges Repertoire bei Kaffee und Kuchen, Getränken und Gesprächen zum Besten gibt. Die Gegensätze könnten nicht reizvoller gewesen sein: Zuerst intoniert die Dorfkapelle „Freude, schöner Götterfunken“, dann tanzen, schwarz gewandet und weiß geschminkt Dagmar und Wolfgang Steinhauser einen „Todes-Tango“ in künstlerischer Anspielung auf die zu erwartende Strahlenbelastung der Anwohner und Bevölkerung. Voll aus dem prallen Protestleben erläutert Initiativenmitglied und Gemeinderat Helmut Bußmann, das geplante, weitere „Rahmenprogramm“ des Nachmittags. Schautafeln, Schriftwechsel – auch mit der Umweltministerin – und Schriftbanner „Schützt unsere Kinder vor zusätzlicher Zwangsbestrahlung“ oder: „Herdwangen-Schönach Can Do!“, machen deutlich, worum es in der Sache geht. Vertiefend stellt Initiativenmitglied Thomas Stingl dar, warum sich in Herdwangen-Schönach eine Protestbewegung gegen den Mobilfunkmasten auf dermaßen breiter Basis der Bevölkerung gebildet hat. Als Absichten und Ziele der Bürgerinitiative konkretisiert Thomas Stingl drei Schwerpunkte: Die Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger, auch über die Empfehlungen des Bundesamtes für Strahlenschutz, zur Handybenutzung. „Wir möchten nicht das Handy kaputt reden, sondern Sie auffordern, dass Sie sich Gedanken über einen sinnvollen Umgang mit dem Handy machen“, betont Stingl und führt aus: „Der Grund, warum hier ein Mast gestellt werden soll ist nicht, weil mehr Gespräche geführt werden, sondern damit der Betreiber mit dem eigenen Netzausbau mehr Gewinn machen kann“. „Wir möchten keinen Krieg mit der Gemeindeverwaltung und auch keine Gemeinderäte persönlich angreifen, wir möchten eine sinnvolle, an Sachlichkeit orientierte Diskussion mit dem Gemeinderat, wir sind keine Meinungsmanipulatoren, sondern möchten Meinungsveränderung durch Aufklärung erreichen“, lobt Stingl auch die Amtsführung des neuen Bürgermeisters Ralph Gerster und seiner Bürgerfragestunde in den Ratssitzungen. „Es ist unser Ziel, heute eine Vision von einem strahlungsarmen Herdwangen zu haben“, schließt Thomas Stingl seine Ausführungen, die von lebhaftem Applaus und Zustimmungsrufen begleitet werden. „Ob dafür, oder dagegen, stehen Sie auf und äußern Sie ihre Meinung“, fordert er alle Bürgerinnen und Bürger zur Artikulation auf. Ob aufflammend oder nicht, der Symbolmast ist in jedem Falle ein Fanal des Bürgerprotestes gegen den geplanten Bau des realen Mobilfunkmasten im Branden.