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Fünf Flaschen Wein

Narrengericht verurteilt Nacktschwimmer und Wurstsalatwerfer

Gammertingen / Lesedauer: 3 min

Das Hohe Gericht in Gammertingen muss über zwölf Fälle richten. Zwei Angeklagte müssen mehrfach Strafe zahlen. Eine Frau wird für einen ungewollten Anblick entschädigt.
Veröffentlicht:12.02.2024, 17:40

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Wurstsalatwerfer, Verwechslungskünstler oder Nacktschwimmer in der Lauchert - vor dem hohen Gericht in Gammertingen mussten sich am Montagnachmittag allerlei Bürger und Amtsträger ihren Taten aus dem vergangenen Jahr stellen.

Brolde Karl Bögle begleitete die Angeklagten zu den Richtern des Hohen Gerichts.
Brolde Karl Bögle begleitete die Angeklagten zu den Richtern des Hohen Gerichts. (Foto: Julia Brunner)

Insgesamt zwölf Fälle verhandelte das Gericht, dabei waren einige Gammertinger auch mehrfach angeklagt und mussten sich vor den drei Richtern Wolfgang Göggel, Wolfgang Steinhart und Ewald Thiel verantworten. Mit einem blauen Auge davon kam Gammertingens Bürgermeister Andreas Schmidt.

Heiratsurkunde mit mehreren Pannen

Erst seit Mitte 2023 im Amt hat er noch kein Schwerverbrechen zu verantworten, war aber aufgrund eines Urkundenfehlers zusammen mit der Stadtverwaltung, dem stellvertretenden Bürgermeister Karl-Heinz Hebeisen und dem Landratsamt angeklagt. Im Fall von Günter und Ursula Reiff wurde die diamantene Hochzeit am 25. Oktober gefeiert, Hebeisen überreichte als Vertreter der Stadt eine Ehrenurkunde zum 60. Ehejubiläum.

Doch zum Schreck der Eheleute mussten sie feststellen, dass auf der Urkunde Günter und Roswitha und nicht Ursula gratuliert wurde. Die Verwechslungskomödie nahm ihren Lauf. Das Landratsamt schickte Wochen später eine neue Urkunde. Beim ersten Versuch waren immerhin die Namen richtig, doch plötzlich wurden dem Paar fünf Ehejahre dazugerechnet und zur Eisernen Hochzeit gratuliert.

Neuer Versuch und wieder Pech: Am 2. Februar kam Hebeisen erneut mit einer Urkunde vorbei. doch dieses Mal war wieder der Name falsch. Das Gericht verurteilte das Paar dazu, erneut zu heiraten, dieses mal auf Kosten der Stadt. Hebeisen musste zehn Euro in die Narrenkasse zahlen und Bürgermeister Schmidt eine Runde Viertele Rotwein an das Gericht spendieren.

Auch beim Nachnamen einer Fragestellerin hapert es

Hebeisen war einer derjenigen, der mehrfach auf der Anklagebank Platz nehmen musste und das wieder wegen einer Namensverwechslung. Göckel oder Jäger? Spätestens nach der Bürgermeisterkandidatenvorstellung am 24. Februar 2023 wusste jeder anwesende Gammertinger wie Monika Jäger mit Nachnamen heißt.

Die Gammertinger Bürger lauschen gespannt den Vorwürfen, denen sich die Angeklagten stellen müssen.
Die Gammertinger Bürger lauschen gespannt den Vorwürfen, denen sich die Angeklagten stellen müssen. (Foto: Julia Brunner)

Nur Hebeisen und Lieb hatten immer wieder Probleme und mussten am Schluss sogar vom Publikum beim Namen der Fragestellerin unterstützt werden. Als Urteil wurden alle Beteiligten zur Narrenkasse gebeten.

Narr landet betrunken in der Lauchert

Auch die eigenen Narren ließ das hohe Gericht nicht ungeschoren für Missetaten davon kommen. Die Haussammler Johannes Wessner, Stefan Buck, Yannik Below, Timo Bollmann, Matthias Göckel und Armin Reiser hatten bei ihrer Arbeit deutlich einen über den Durst getrunken und sich früh morgens um sechs Uhr auf den Weg nach Hause gemacht.

Dort hielten sie eine Kneipp-Kur in der Lauchert am großen Schlossplatz für eine gute Idee, dabei kenterte Johannes Wessner jedoch und fiel komplett in die Lauchert. Auf Hilfe konnte er nicht hoffen: Während seine Kameraden ihn im Wasser liegen ließen, versuchte nur Timo Bollmann auf ungewöhnliche Weise zu helfen.

Der Nachteil war, dass dadurch im Wasser der Sauerstoff fehlte und zig Fische eingegangen sind.

Narrenrichter

Um Wessner aufzuwärmen, urinierte er von der Lauchertbrücke ins kalte Nass. „Der Nachteil war, dass dadurch im Wasser der Sauerstoff fehlte und zig Fische eingegangen sind“, gaben die Richter zu bedenken. Beim Urteil für die Haussammler regte sich die Zuhörerschar sichtlich. Ab Aschermittwoch bis Dreikönig 2025 soll für die Sammler ein absolutes Alkoholverbot gelten.

Zunftmeister steht zweimal vor Gericht

Auch Zunftmeister Harry Vojta kam nicht ungeschoren davon und wurde zweimal angeklagt: Wegen Wurstsalatweitwurf in das Dekolleté von Germa Zeiler bei der Feier des 175-jährigen Jubiläums der Stadtkapelle und einem Sprung ins kalte Nass beim Helferfest nach dem Ringtreffen. Immerhin behielt Vojta im Vergleich zum Nachtwächter Manfred Lieb seine Klamotten an.

Erika Oßwald bekommt Entschädigung von Nacktschwimmern

In einem Fall musste das hohe Gericht über eine weitere nackte Tatsache verhandeln. Nach einer Radrunde und einem anschließenden Saunagang vergnügten sich die Radfahrfreunde um Thomas Buck und Robert Türk im November nackt in der Lauchert. Erika Oßwald, die just in diesem Moment einen Spaziergang unternahm und die Nackedeis erblickte, sprach das Gericht für diesen Anblick eine Entschädigung von fünf Flaschen Wein zu.