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Zukunft des Klosters

So gehen die Mönche in Beuron mit der Überalterung um

Beuron / Lesedauer: 4 min

Früher lag vieles in den Händen des Konvents. Jetzt setzt es immer mehr auf Hilfe von außen — und auf ungewöhnliche Ideen.
Veröffentlicht:05.07.2023, 11:50

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Der Altersdurchschnitt liegt bei 68 Jahren. Wer hier an altgediente Vereinsstrukturen denkt, liegt falsch. Die Rede ist von den Mönchen, die in der Erzabtei St. Martin in Beuron leben. Der älteste unter ihnen ist 85 Jahre alt, der jüngste 42. „Im Vergleich zu anderen stehen wir noch gut da“, sagt Erzabt Tutilo Burger.

Dabei leben nur noch 30 Mönche in der großen Anlage. Die muss nichtsdestotrotz unterhalten und gepflegt werden, Arbeiten, die sich die Mönche früher untereinander aufgeteilt haben. Das ist jetzt nicht mehr in allen Bereichen möglich — und führt zu kreativen Überlegungen und Hilfe von außen.

Manches Handwerk ist ausgestorben

Die Geschäftsführung obliegt beispielsweise inzwischen Cellerar, also Wirtschaftsverwalter, Gernot Schmid, der einen engen Bezug zum Kloster hat, aber kein Mönch ist. Schreinerei, Hausmeisterservice, Küche und Bäckerei übernehmen heute ebenfalls externe Anbieter.

Vieles, was einst in den Händen der Klostergemeinschaft lag, gibt es laut Erzabt Tutilo inzwischen nicht mehr. Dazu zählen die Goldschmiede, die Imkerei, Metzgerei und Mosterei. Auch ein Sattler hat als Teil des Konvents im Kloster gelebt und sei für das Geschirr der Pferde, für die Matratzen und Stuhlbezüge verantwortlich gewesen.

Neuzugang verliebt sich und geht

Doch ihn gibt es nicht mehr — ein normaler Gang am Kloster. „Wir haben Abgänge durchs Sterben“, so Erzabt Tutilo. Seltener komme es auch vor, dass Mönche das Kloster verlassen — so auch der letzte Novize, der vor etwa zehn Jahren hinzugestoßen war. Er verliebte sich in die Bibliothekarin und entschied, sich wieder für den Rückzug aus den Reihen der Mönche.

Anfragen erhalten die Mönche auch heute noch. „Aber die meisten haben eine Schlagseite“, so der Erzabt. Manche gingen naiv an das Mönchtum heran, andere haben psychische Einschränkungen. Regelmäßig fragten auch psychiatrische Einrichtungen an, ob Patienten mit religiöser Veranlagung womöglich im Kloster Anschluss finden könnten. Aber das komme so nicht in Frage, das funktioniere nicht, sagt der Erzabt. Wer einfach so in den Alltag der Mönche reinschnuppern möchte, könne das unverbindlich über einen Besuch im Gästehaus tun.

Nachwuchs ist selten geworden

Besagtes Gästehaus gehört zu den Aufgaben, die die Mönche selbst bewältigen, genauso die Gartenanlage sowie den Kunstverlag und die Klosterbuchhandlung. Auch 80 Prozent der Kurse am Kloster liegen in den Händen des Konvents.

Doch ein Blick in die Zukunft zeigt, dass es nicht leichter wird. Auf der einen Seite gibt es zwar derzeit einen Postulanten, der sozusagen die Probezeit vor dem Noviziat durchläuft. Er ist 25 Jahre alt und damit deutlich jünger als der Schnitt. Allerdings betont Erzabt Tutilo auch: „Der Nachwuchs reicht nicht aus.“

Überalterung wird sich auf Alltag auswirken

Das Überaltern der Mönche wird sich weiter auf dem Betrieb auswirken. „Es wird irgendwann schwierig, die Gottesdienste abzubilden“, sagt er. Bei der Haushaltsführung hat er bereits kreative Ideen, die das Leben erleichtern: „Die Tischlesung findet irgendwann per Hörbuch statt, das Essen gibt es als Buffet.“ Pflegen derzeit die Mönche ihre Sanitäranlagen noch selbst, müssen das womöglich irgendwann Reinigungskräfte übernehmen.

Wer weiß, vielleicht finden in fünf bis zehn Jahren wieder mehr Menschen hier Halt.

Tutilo Burger

Wie es tatsächlich weitergeht, ist offen. „Wir sind auf das Interesse der Menschen angewiesen“, so der Erzabt. Er bedauert, dass die Akzeptanz für Religion in der Gesellschaft aktuell schwindet, ist aber sicher, dass je nach Lage das Kloster wieder an Relevanz gewinnt: „Wer weiß, vielleicht finden in fünf bis zehn Jahren wieder mehr Menschen hier Halt.“ Damit bezieht er sich auf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, in dem im Beuroner Kloster gleichzeitig 300 Mönche lebten.

Gleichzeitig nutzt Cellerar Gernot Schmid die Chance, in einem Seminar in den Austausch mit anderen Klöstern zu gehen, die sich ebenfalls in der Phase der Umstrukturierung befinden. Er vermutet dort ähnliche Probleme — bleibt aber optimistisch. Was in zehn Jahren ist, sei Kaffeesatzleserei.