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Restaurant–Test: Was georgische Küche aus dem Naturfreundehaus kann

Balingen / Lesedauer: 3 min

Unter Kubdari oder Pkhali kann sich hier kaum jemand etwas vorstellen. Unser Gastro–Kritiker hat die georgischen Gerichte bei einem Besuch im Naturfreundehaus Stadtmühle probiert.
Veröffentlicht:22.07.2023, 05:00

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Was die Küche Georgiens für die Sowjetunion war, ist die Küche Italiens für Europa. So jedenfalls sehen es manche Kenner. Ob dieser Vergleich statthaft ist, darf bezweifelt werden. Unzweifelhaft aber ist, dass Georgien über eine reichhaltige Esskultur verfügt. Nur leider ist sie in unserer Region äußerst selten anzutreffen. Das galt bis Oktober 2022 auch für Balingen, bis eine georgischstämmige Familie das Naturfreundehaus Stadtmühle nach längerem Leerstand pachtete.

Vor dem historischen Gebäude befindet sich ein Biergarten unter dem gnädigen Schatten eines riesigen Walnussbaums. Und dieser Schatten ist an einem der heißesten Sonntage des Jahres auch bitter nötig. Zumal am Rand des Gartens ein junger Mann im Schweiße seines zerfließenden Angesichts Kohlen auf einen riesigen Grill schüttet. Der Gastraum im Gebäude zeigt mit roten Sitzmöbeln im Kontrast zu offenen Balken einen etwas gewagten Stilmix. Gemütlich wirkt’s trotzdem.

Veganer Start ins Menü ist gelungen

Im Service flitzen zwei junge Damen zwischen den Tischen und moderieren auch gerne die vielfältige Karte, auf der sich deutsche und georgische Speisen versammeln. Den veganen Start machen sogenannte Pkhali. Diese Paste auf Basis von verschiedenen Gemüsen und zerstampften Walnüssen ist ein farbenfroher Einstieg. Besonders die Variante mit Blaukraut lässt den Gaumen aufhorchen: Kreuzkümmel und Knoblauch spielen eine Rolle, aber auch eine angenehme Schärfe von Chili. Variationen mit Spinat, Karotte und roter Bete machen das Quartett komplett. Schmackhaft auch: gegrillte Aubergine mit Walnussfüllung.

Pkhali im Balinger Naturfreundehaus.
Pkhali im Balinger Naturfreundehaus. (Foto: Nyffenegger)

Rustikal und rassig abgeschmeckt

Um einen der Hauptgänge — ein traditionelles Schaschlik — entsteht Verwirrung. Denn es wird mit Pute, Lamm oder Schwein angeboten, erreicht aber unter den Gästen nicht den jeweiligen Adressaten. Und so kommt es, dass das bestellte Schwein die Pute ist, was aber nichts schadet. Denn das rustikal gegrillte Geflügel präsentiert sich in vollem Saft. Noch dazu sehr rassig abgeschmeckt, wobei der Koch mit dem Salz an die Grenze dessen geht, was Bluthochdruckpatienten noch verkraften können. Der frische Beilagensalat leidet an penetrantem Dill–Aroma, das leider in einen künstlichen Salatsoßen–Grundgeschmack eingebettet ist.

Rustikal: das Schaschlik im Balinger Naturfreundehaus.
Rustikal: das Schaschlik im Balinger Naturfreundehaus. (Foto: Nyffenegger)

Kubdari: Hackfleisch im Hefefladen

Ganz und gar prächtig ist indes der, die oder das Kubdari. Ein mit viel Hackfleisch gefüllter Hefefladen, der in seiner Reichhaltigkeit auch begnadete Esser satt macht. Der Clou: Während des Ausbackens saugt sich der Teig mit Fleischsaft voll. Bei diesem kulinarischen Gesamtkunstwerk spielt Knoblauch eine der Hauptrollen. Später schreitet der Koch würdevoll durch den Garten und man kann erkennen, dass da einer stolz ist auf das, was er tut. Grund genug — bis auf kleinere Schwächen — hat er jedenfalls.

Restaurant im Naturfreundehaus Stadtmühle

Stadtmühle 1

72336 Balingen

Tel. 07433—9990520

geöffnet Donnerstag bis Sonntag ab 17 Uhr, Samstag und Sonntag zusätzlich von 12—15 Uhr, mittwochs auf Anfrage, Montag und Dienstag Ruhetage. Hauptgerichte 11,90—23,50 Euro.