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Restaurantkritik "Aufgegabelt"

Was das Klebers in Bad Saulgau zu bieten hat

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Das Hotelrestaurant umweht das Flair einer alten Tradition. Aber die Küche der einstigen Kleberpost verbindet heute Bodenständigkeit mit Eleganz.
Veröffentlicht:30.12.2023, 05:00

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Hotelrestaurants haben oft eine gewisse Barriere. Wer dort nicht gerade als Übernachtungsgast residiert, ist sich oft nicht ganz sicher, ob er auch ohne Zimmer dinieren darf.

Im Hotel Kleber Post in Bad Saulgau ist das großzügig angelegte Restaurant Klebers selbstverständlich für alle Genussmenschen offen. Haben es sich in der Saulgauer Institution doch schon die Literaten der Gruppe 47 gutgehen lassen. Und was für Literaturpäpste gut ist, kann für unsereins nicht schlecht sein.

Steter Wandel in der Kleber Post

Natürlich war und ist auch der Betrieb in der Kleber Post stetigem Wandel unterworfen. Den kulinarischen Ruf des Restaurants begründete nicht zuletzt Micki Durach, der die Küche 2017 hinter sich ließ.

Jetzt haben Walter Varga und Christian Brändle das Sagen in allen kulinarischen Fragen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ihre Antworten sind durchweg überzeugend.

Egal ob es um die Klarheit der Fleischbrühe geht, in der formvollendete Grießnocken mit frischem Schnittlauch um die Wette schwimmen. Oder um den knackfrischen Beilagensalat, der seine aromatische Reifeprüfung dank des erfrischend-zartsäuerlichen Passionsfruchtdressings bravourös ablegt.

Nicht nur beim Essen, auch beim Ambiente hat der Gast im Klebers die Wahl - und zwar zwischen Moderne und Historie, denn eine von alten Zeiten inspirierte Gaststube wahrt den Geist von einst. Die modernen Bereiche spielen mit Eleganz aus Plüsch und Leder.

Große, weite Welt und schwäbischer Zungenschlag

Alte Schule ist der junge Herr im Service, den ein Hauch von großer weiter Welt umweht, der sich deshalb aber noch lange nicht seinen schwäbischen Zungenschlag verbieten lässt. Mit dieser Art weltoffener Heimatverbundenheit arbeitet dann auch die Küche. Sie ist nie überladen, handwerklich fehlerfrei und setzt auch regionale Gerichte schlank und leicht in Szene.

So wie das ausgezeichnete Welsfilet, dessen fleischige Struktur viel Saft hervorbringt. Der Lack aus Senfsoße überzieht das Gericht mit einer milden Schärfe, die im keine Minute zu lang gegarten Lauchgemüse abgefedert wird. Schön insgesamt: Es sind keine Feiglinge, die da in der Küche für die Würze sorgen.

Für den cremigsten Moment des genussvollen Menüs sorgt die Polenta mit schwarzem Trüffel, Blattspinat und einem sogenannten Stunden-Ei. Letzteres wird bei milder Hitze gegart, sodass Dotter und Eiweiß eine ähnliche, weiche Konsistenz annehmen.

Wie achtsam die Küche auch in Details ist, zeigt allein das Aussehen des Spinats: Er ist nur kurz blanchiert, und dann eiskalt abgeschreckt, sodass seine Farbe giftgrün erhalten bleibt.

Fehlerfrei dann auch der Abschluss in Form eines lauwarmen Apfeltartelettes, gekrönt von einer Nocke Lebkucheneis. Das ist kulinarische Intelligenz, die Eleganz und Bodenständigkeit lässig verbindet. Und es verspricht hohe Kunst, wenn es um Festmenüs geht - zum Beispiel zu Silvester.

Restaurant Klebers

Poststr. 1

88348 Bad Saulgau

Tel. 07581-5010

www.kleberpost.de

Küchenzeiten täglich außer Dienstag 12-14 Uhr und ab 18 Uhr, samstags nur abends, mittags kleine Karte. Hauptgerichte 16-35, Menü ab 61 Euro.