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Unternehmerabend

Trigema-Chef plädiert für gerechten Lohn

Bad Saulgau / Lesedauer: 2 min

Wolfgang Grupp verurteilt Produktion im Ausland
Veröffentlicht:12.11.2013, 19:05

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„Interessante Ansätze“, sagen die einen, „ich kann mir nicht vorstellen, in seiner Firma zu arbeiten“, sagen die anderen. Wolfgang Grupp, Inhaber des Textilherstellers Trigema in Burladingen, ist es beim zweiten Bad Saulgauer Unternehmerabend am Montagabend im Alten Kloster wieder einmal gelungen, die mehr als 120 Gäste aus Gewerbe, Industrie und Handel zu provozieren und zu polarisieren.

„Gegen den Trend: Produktionsstandort Deutschland“ lautete der Titel seines mehr als einstündigen Vortrags, in dem er sich wie gewohnt mit einem Bekenntnis zum Standort in Deutschland deutlich positionierte. „Es ist ein Verbrechen gegenüber dem Heimatland, nicht in Deutschland zu produzieren. Unser Standort ist besser als sein Ruf“, sagte der 71-Jährige, der seit 45 Jahren das Unternehmen erfolgreich führt. 1969 lag der Jahresumsatz bei 8,7 Millionen Euro, 2012 bei 87 Millionen Euro.

In diesen 45 Jahren gab es bei Trigema keine Kurzarbeit, keine betriebsbedingten Kündigungen – „und das, obwohl die Textilbranche eine aussterbende Branche ist“, so Grupp. Schuld am Untergang der Textilbranche seien die Kunden, die Versand- und Kaufhäuser, von denen in den vergangenen Jahren immer mehr pleitegegangen sind, weil sie auf Produkte aus Billig-Lohn-Ländern gesetzt hatten. „Das liegt an der Gier und am Größenwahn der Manager, die keine Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen“, ergänzte der Trigema-Chef mit seiner patriotischen Firmenphilosophie.

Der Mindestlohn sei für Grupp eine Selbstverständlichkeit. „Es ist eine Schande, dass wir darüber diskutieren müssen. Jeder Mitarbeiter muss so viel verdienen, dass er davon leben kann.“

Wandel der Zeit erkennen

Für ihn sei es im tagtäglichen Berufsleben von großer Bedeutung, dass technische Produkte nicht ins Ausland ausgelagert werden, dass die Ausbildung der Mitarbeiter an erster Stelle steht, dass rechtzeitig der Wandel der Zeit erkannt wird, dass Entscheidungen getroffen werden. Wenn ein Mitarbeiter der Färberei ihn nachts anrufe, um zu fragen, welche Farbe der Stoff haben soll, könne er den Mitarbeiter nicht vertrösten. „Sonst denkt er von mir, ich habe keine Ahnung. Also bekommt er von mir eine Antwort“, schilderte Grupp ein Beispiel. Probleme müssten sofort gelöst werden.

Trigema beschäftigt 1200 Mitarbeiter, die meisten davon arbeiten in der Produktion, 32 in der Verwaltung in einem Großraumbüro. Grupp stellt in der Regel Personal aus der Region ein. Stellenanzeigen muss Wolfgang Grupp nicht inserieren. „Alle führenden Positionen werden mit ehemaligen Lehrlingen besetzt.“ Grupp motiviert seine Mitarbeiter, fordert aber auch viel von ihnen. „Ich gebe ihnen Arbeit, sie müssen dafür Leistung bringen.“

Wolfgang Grupp, der froh ist, in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen zu sein, hat eine klare Meinung von Gewerkschaften und von Betriebsräten. „Gewerkschaften finde ich toll, man braucht sie nur nicht.“