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Fasnet

So war’s beim traditionellen Dorausschreien

Bad Saulgau / Lesedauer: 2 min

Das Dorausschreien ist für viele Kinder und Jugendliche ein absolutes Muss in der Sulgamer Fasnet. Aber nicht nur für die.
Veröffentlicht:11.02.2024, 17:03

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Das Dorausschreien ist für viele Kinder und Jugendliche ein absolutes Muss in der Sulgamer Fasnet. Und auch zahlreiche Ex-Saulgauer säumten am Sonntag die Straßen, schwelgten in Erinnerungen und manche stellten ihren Enkeln das Ereignis vor. Entgegen aller Befürchtungen klarte der Himmel nach einem verregneten Morgen gegen Mittag auf.

Eine alte Tradition

Als die Riege der Büttel durch kräftiges Ausschellen den Startschuss gegeben hatte, setzte sich, angeführt vom Jugendspielmannszug, ein altersmäßig dreigeteilter Zug von Kindern und Jugendlichen in Bewegung, um nach einem überliefertem Brauch die von Anwohnern aus den Fenstern geworfenen Gaben zu erbeuten. Auf ohrenbetäubende Doraus-Detnaus-Rufe flogen kiloweise Süßwaren, Weckle und Würste - alles hygienisch verpackt - aus den Fenstern der oberen Stockwerke.

Das Bad Saulgauer Dorausschreien gilt als der älteste Heischebrauch im süddeutschen Raum. Erstmals erwähnt wurde er im Jahr 1348, als verheerende Pest- Tuberkulose- und Lepraepedemien, verbunden mit einer bitteren Hungersnot, die Bevölkerung in Not und Elend stürzten.

Wer sich mit den Keimen infiziert hatte und meist dem Tod geweiht war, wurde außerhalb der Stadt ins sogenannte Siechenhaus verbracht, das sich auf Höhe des heutigen Salgo-Areals befand. Ehrbaren Bürgern ging die erbärmliche Lage der Armen und Kranken zu Herzen, und sie suchten nach Möglichkeiten zu helfen, ohne selbst angesteckt zu werden.

Fasnet muss ausfallen

Dazu hüllten sie sich von Kopf bis Fuß in dickes Sackleinen und befestigten Körbe an langen Holzstangen, mit denen sie von Haus zu Haus zogen, um Lebensmittel für die Notleidenden zu erbitten. Auf diesem Hintergrund entstand die Fasnetsfigur des Dorausschreiers, die um das Jahr 1934 von traditionsbewussten Saulgauer Bürgern als Zunfthäs kreiert und vorgestellt wurde.

Nachdem die Fasnet während des Zweiten Weltkrieges ausfiel, erlaubten die französischen Besatzer 1946 das Dorausschreien wieder, um den Kindern eine Freude zu machen.

Jung und Alt sind am Sonntag in der Stadt unterwegs.
Jung und Alt sind am Sonntag in der Stadt unterwegs. (Foto: Monika Fischer)

Bis heute sind Kleidung und Maske kaum verändert, nur der Korb hat, anders als im 14. Jahrhundert, keinen Boden, sodass die Gaben direkt zu den Umzugsteilnehmern durchrutschten und schnell in den bereitgehaltenen Umhängebeuteln und -taschen verschwanden. Vor einigen Gebäuden allerdings war der Stadtbach nicht abgedeckt, sodass manche Süßigkeiten unter großem „Ach“ der Kinder im Wasser landeten.

Seit einigen Jahren wird die Teilnehmerklientel in versetzt startende Kindergarten-,  Grundschul- und Teenagergruppen eingeteilt, sodass die Chancen, etwas zu erwischen, möglichst gerecht verteilt sind. Die verantwortlichen Zunftmitglieder im Häs schirmten auch diesmal den Narrennachwuchs sorgfältig mit Hexenbesen voneinander ab und achteten genau darauf, dass keine Raufereien entstanden. Desgleichen, dass der Narrenruf lautstark skandiert wurde - und natürlich, dass keine Erwachsenen ihrem Nachwuchs als „Fänger“ zuarbeiteten. Bleibt noch zu erwähnen, dass das über dreistündige Dorausschreien trocken und sogar mit ein paar Sonnenstrahlen über die Bühne ging.