StartseiteRegionalRegion SigmaringenBad SaulgauFür sein erstes Mal fährt dieser 32-Jährige mehr als 120 Kilometer

Fasnet

Für sein erstes Mal fährt dieser 32-Jährige mehr als 120 Kilometer

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Es war Liebe auf den ersten Blick: Ein Narr hat sich Hals über Kopf verguckt. Dafür nimmt er einiges in Kauf.
Veröffentlicht:09.02.2024, 12:01

Artikel teilen:

Die Dorauszunft Saulgau hat ein neues Mitglied aufgenommen. Florian Merck kommt aus Sindelfingen - rund 120 Kilometer von Bad Saulgau entfernt - und kann es gar nicht abwarten, am Fasnetssunntig zum ersten Mal als Dorausschreier dabei zu sein. „Ich habe mich in dieses Häs verguckt“, sagt der 32-Jährige.

Auf den Narrensprung in der Nähe von Sindelfingen am Fasnetssunntig verzichtet Florian Merck gerne. Eigentlich würde er in seinem örtlichen Narrenverein als Hexe den Umzug mitlaufen. Aber er zieht das Erlebnis vor, endlich das Häs des Dorausschreiers anzuziehen.

Sein Auto springt nicht an

„Ich freue mich riesig“, sagt Merck, der den Umzug beim großen Narrentreffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte in Weingarten am 21. Januar verpasste, weil sein Auto nicht angesprungen war. „Ich hätte heulen können“, sagt Merck.

Florian Merck freut sich auf seine erste Fasnet als Dorausschreier.
Florian Merck freut sich auf seine erste Fasnet als Dorausschreier. (Foto: Privat)

Dass der Sindelfinger so vernarrt in die Dorauszunft Saulgau ist, liegt vier Jahre zurück. Er schaute sich vom Anfang bis zum Ende den Umzug des großen Narrentreffens in Bad Cannstatt an, als er die Gruppe der Dorausschreier zum ersten Mal so richtig wahrgenommen habe und völlig fasziniert gewesen sei.

Ein wunderschönes Häs.

Florian Merck

„Ein wunderschönes Häs“, sagt Merck. Von diesem Zeitpunkt wurde er neugierig, wollte mehr wissen über den Heischebrauch und die Saulgauer Fasnet. Auf einer Facebookseite Fasnetsflohmarkt lernte er zufällig den Bad Saulgauer Steven König kennen, Mitglied der Dorauszunft. „Ich sammle Masken und bin auf eine Maske der Riedhutzel aus dem Jahr 1991 gestoßen, meinem Geburtsjahr.“

Seither blieben die beiden in Kontakt, trafen sich 2021 im Stadtmuseum bei der Ausstellung „Vom Kinderbrauch zum Kulturerbe“ anlässlich 75 Jahre Dorausschreien.

Spätestens bei dieser Ausstellung war ihm klar, irgendwann in seinem Leben das Häs das Dorausschreiers anzuziehen. „Ich bin stolz darauf, einen Dorausschreier zu repräsentieren.“

Ein guter Freund von ihm schnitzte die Maske mit einer Schwarzwurst im Mund. Selbst Florian Schmitt, Brauchtumsbeauftragter der Dorauszunft, habe die Maske gelobt. „Ich bin total zufrieden mit dem Ergebnis“, so Merck, dessen Häs von Alwin Blersch bemalt wurde.

Mittlerweile hat Merck die Narrenlieder auswendig gelernt, sich ausführlich über die Figur des Dorausschreiers informiert. Diese Tradition sei nicht zu vergleichen mit der Fasnet in seinem Ort. „Die schwäbisch-alemannische Fastnacht ist ein besonderer Schatz“, ergänzt er.

Wie ein Kind an Weihnachten

Erst an Dreikönig setzte sich Merck wieder ins Auto, um als neues Mitglied beim Häsabstauben dabei zu sein. „Das war ein tolles Gefühl“, ergänzt er. Er nutzte die Gelegenheit, um weitere neue Mitglieder kennenzulernen.

Sein Puls wird noch höher sein, wenn er am Fasnetssunntig beim Dorausschreien wieder in Bad Saulgau ist - seiner zweiten Heimat - wie er sagt.

Das wird ein mega Gefühl.

Florian Merck

„Das wird ein mega Gefühl“ - so als ob er als kleines Kind an Weihnachten vor dem Christbaum stehen würde und Geschenke auspacken dürfte.

Für Merck steht indes fest, dass er noch oft an der Bad Saulgauer Fasnet teilnimmt, der Zunft zu den Narrentreffen in der Region hinterher reist. 2025 wolle er vielleicht ein paar Tage länger bleiben, nicht nur beim Dorausschreien dabei sein, sondern auch den Umzug am Fasnetsdienstag mitlaufen und zuschauen, wie abends die Fasnet verbrannt wird.

Gut möglich, dass er dann auch seine heute vier Monate alte Tochter dabei hat. „Die ist auch schon infiziert“, sagt Merck, der inzwischen mit seinem Auto in der Werkstatt war, damit er nicht noch einmal fast heulen muss.