StartseiteRegionalRegion SigmaringenBad Saulgau„Bedrängt und eingeengt“: Schülerinnen erheben Vorwürfe gegen Lehrer

Aufregung an Schule

„Bedrängt und eingeengt“: Schülerinnen erheben Vorwürfe gegen Lehrer

Bad Saulgau / Lesedauer: 4 min

Unruhige Adventszeit am Störck-Gymnasium Bad Saulgau: Offensichtlich gibt es seit Jahren unterschiedliche Vorfälle. Jetzt werden sie öffentlich - und könnten Konsequenzen haben.
Veröffentlicht:08.12.2023, 17:09

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Diese Vorwürfe könnten Konsequenzen haben: Ein Lehrer des Störck-Gymnasiums Bad Saulgau soll sich Schülerinnen gegenüber unangemessen und grenzüberschreitend verhalten haben - und zwar offensichtlich über Jahre hinweg. Das Regierungspräsidium (RP) Tübingen will die Vorfälle an der Schule umfassend aufklären.

Brief an die Eltern

Unruhige Adventszeit am Störck-Gymnasium Bad Saulgau: Eltern einer elften Klasse haben kürzlich von einer Lehrerin einen Brief bekommen, in dem nach den mutmaßlichen Vorfällen die weitere Vorgehensweise beschrieben wird. Die Lehrerin sei von einigen Schülerinnen darauf angesprochen worden, dass sich ein Lehrer unangemessen und grenzüberschreitend verhalte, was den Schülerinnen sehr unangenehm sei.

Ich fühle mich von ihm bedrängt und eingeengt.

Eine Schülerin

Was ist mit unangemessen und grenzüberschreitend gemeint? Nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ hat der Lehrer die Schülerinnen im Alter von 16 Jahren weder unsittlich berührt, begrabscht noch hat er sie beschimpft oder beleidigt. Vorgeworfen wird ihm stattdessen, dass er im Gespräch mit den Schülerinnen keinen ausreichenden Abstand halten soll.

Außerdem soll er seine Blicke dorthin richten, wo sie nicht hingehören - in den Ausschnitt der Schülerinnen. „Ich fühle mich von ihm bedrängt und eingeengt“, sagt eine Schülerin. Eine andere Schülerin wiederum fühle sich in seiner Gegenwart unwohl, weil ihr der Lehrer viel zu nahe komme.

Bessere Noten

Die Vorwürfe gehen sogar noch ein Stück weiter. Schülerinnen erzählen sich, dass sie mit einem engen Oberteil eine bessere Schulnote bekommen würden. Die Vorfälle sollen sich indes schon seit vielen Jahren ereignen. Bislang hatten sich offensichtlich Schülerinnen nicht getraut, sich an eine Vertrauenslehrerin zu wenden - aus Angst, vom beschuldigen Lehrer möglicherweise schlechter benotet zu werden.

Nun hat aber eine Elftklässlerin ihren Mut gefasst und mit einer ihr vertrauten Lehrerin darüber gesprochen, die sich danach mit der gesamten Klasse darüber unterhielt. Da die Vorfälle große Wellen schlagen, ist mittlerweile das RP Tübingen um die Aufklärung des Falls bemüht.

Schutz der Persönlichkeit

Auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ antwortet die Pressestelle, dass das RP aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes zu dem aktuellen Geschehen nur sagen könne, dass es alle ihm zur Kenntnis kommenden Vorwürfe ernst nehme und denen auch nachgehe. „Am Ende der Aufklärung eines solchen Sachverhalts ist dann jeweils zu entscheiden, welche Reaktion seitens der Schulaufsicht erfolgen soll“, so der Pressesprecher.

Das RP sei als Schul- und Dienstaufsicht dem Schulgesetz verpflichtet, das jeder Schülerin die Achtung ihrer Würde und die Entfaltung ihrer Persönlichkeit zusichere. An jeder Schule stünden Schulsozialarbeiter und Beratungslehrer als erste Ansprechpartner zur Verfügung.

Alles wird protokolliert

In dem Brief an die Eltern sollen die Schüler und Schülerinnen zur Klärung des Falls bis Montag, 11. Dezember, eine Schilderung des Sachverhalts anonym oder namentlich verfassen - auch nicht unmittelbar betroffene Schüler und Schülerinnen. Es soll demnach alles protokolliert werden, was vorgefallen sei und wie sich die Schülerinnen dabei gefühlt haben.

Der Tübinger Behörde und der Bad Saulgauer Schule liege viel daran, die Vorwürfe umfassend aufzuklären. Die Schulleitung ist über dieses Vorgehen informiert.

Der Fall liegt beim RP Tübingen.

Stefan Oßwald

Nach SZ-Informationen haben die Vorfälle inzwischen große Kreise gezogen. Nicht nur die im Brief adressierten Elftklässler wollen zur Aufklärung der im Raum stehenden Vorwürfe beitragen, sondern auch Schülerinnen jüngeren Jahrgangs und sogar ehemalige Absolventinnen des Störck-Gymnasiums, die bislang auch nicht an die Öffentlichkeit gegangen waren.

Keine Vorverurteilung

An die Gesamtelternbeiratsvorsitzende Antje Henkel seien noch keine Eltern wegen der Vorwürfe herangetreten. „Es ist jetzt aber wichtig, dass alles aufgeklärt wird“, sagt Henkel. Und es sei gut, dass dies von einer übergeordneten Stelle geklärt werde. „Zur Sache kann ich nichts sagen. Man muss abwarten, was dabei raus kommt und darf den Lehrer nicht vorverurteilen.“

Stefan Oßwald, Schulleiter des Störck-Gymnasiums, will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Er verweist auf das laufende Verfahren. „Der Fall liegt beim RP Tübingen“, sagt Oßwald, der kurz nach der Anfrage der SZ die Eltern per E-Mail darüber informierte, dass es für ihn als Schulleiter oberste Priorität sei, diese Vorkommnisse aufzuklären. Das Störck-Gymnasium soll ein Ort sein, an dem alle Schülerinnen und Schüler in vertrauensvoller Atmosphäre lernen.